Miet­män­gel – und ihre Erle­di­gung per vor­läu­fi­ger Voll­streck­bar­keit

Mit der Fra­ge des erle­di­gen­den Ereig­nis­ses bei der Besei­ti­gung eines Man­gels der Miet­sa­che zur Abwen­dung der Zwangs­voll­stre­ckung aus einem vor­läu­fig voll­streck­ba­ren Urteil [1] hat­te sich aktu­ell der Bun­des­ge­richts­hof zu befas­sen:

Miet­män­gel – und ihre Erle­di­gung per vor­läu­fi­ger Voll­streck­bar­keit

Die Haupt­sa­che ist erle­digt, wenn die Kla­ge im Zeit­punkt des nach ihrer Zustel­lung ein­ge­tre­te­nen erle­di­gen­den Ereig­nis­ses zuläs­sig und begrün­det war und durch das Ereig­nis unzu­läs­sig oder unbe­grün­det wur­de [2].

Wird aus einem vor­läu­fig voll­streck­ba­ren Urteil, einem Arrest­be­fehl oder einer einst­wei­li­gen Ver­fü­gung voll­streckt, tritt nach der Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs kei­ne Erfül­lung im Sin­ne des § 362 Abs. 1 BGB – und damit auch kei­ne Erle­di­gung – ein [3]. Das­sel­be gilt für Leis­tun­gen, die zur Abwen­dung der Zwangs­voll­stre­ckung aus einem vor­läu­fig voll­streck­ba­ren Titel erbracht wer­den [4]. Die Leis­tung erfolgt in bei­den Fäl­len unter dem Vor­be­halt des Rechts­kraft­ein­tritts [5], sofern der Schuld­ner nicht aus­drück­lich etwas ande­res bestimmt [6].

Hier­von aus­ge­hend han­delt es sich bei der von der Beklag­ten vor­ge­nom­me­nen Behe­bung des Brand­scha­dens nicht um ein erle­di­gen­des Ereig­nis. Denn nach den Fest­stel­lun­gen des Beru­fungs­ge­richts hat die Beklag­te die in Zif­fer 1 a bis g des Tenors des vor­läu­fig voll­streck­ba­ren Urteils des Amts­ge­richts genann­ten Schä­den inner­halb der ihr im vor­be­zeich­ne­ten Urteil gesetz­ten Frist aus­drück­lich ohne Aner­ken­nung einer Rechts­pflicht besei­tigt. Zudem hat sie die erst­in­stanz­li­che Ver­ur­tei­lung mit der Beru­fung ange­grif­fen [7].

Die Leis­tung der Beklag­ten erfolg­te daher ersicht­lich unter dem Vor­be­halt des Rechts­kraft­ein­tritts und stellt dem­ge­mäß – unge­ach­tet der Schwie­rig­keit, die hier erbrach­te Leis­tung im Fal­le einer Auf­he­bung des vor­läu­fig voll­streck­ba­ren Urteils zurück­zu­for­dern [8] – kei­ne Erfül­lung des Anspruchs der Klä­ger nach § 535 Abs. 1 Satz 2 BGB auf Erhal­tung der Miet­sa­che in einem zum ver­trags­ge­mä­ßen Gebrauch geeig­ne­ten Zustand und damit kein die Haupt­sa­che inso­weit erle­di­gen­des Ereig­nis dar.

Der Antrag der Klä­ger, hin­sicht­lich des Antrags auf Behe­bung des Brand­scha­dens die Erle­di­gung der Haupt­sa­che fest­zu­stel­len, war dem­nach unbe­grün­det. Nach­dem sie in der münd­li­chen Ver­hand­lung vor dem Bun­des­ge­richts­hof hilfs­wei­se von ihrer Erle­di­gungs­er­klä­rung Abstand genom­men und ihren ursprüng­li­chen Antrag ent­spre­chend des Tenors des amts­ge­richt­li­chen Urteils wei­ter­ver­folgt haben, bleibt der Revi­si­on der Erfolg jedoch ver­sagt.

Die Klä­ger sind nicht gehin­dert gewe­sen, zu ihrem vor­be­zeich­ne­ten ursprüng­li­chen Antrag zurück­zu­keh­ren. Eine Erle­di­gungs­er­klä­rung ist frei wider­ruf­lich, solan­ge sich die beklag­te Par­tei ihr nicht ange­schlos­sen und das Gericht kei­ne Ent­schei­dung über die Erle­di­gung der Haupt­sa­che getrof­fen hat. Bis zu die­sem Zeit­punkt kann die kla­gen­de Par­tei regel­mä­ßig – auch in der Revi­si­ons­in­stanz – von der ein­sei­tig geblie­be­nen Erle­di­gungs­er­klä­rung Abstand neh­men und ohne das Vor­lie­gen wei­te­rer Vor­aus­set­zun­gen zu ihrem ursprüng­li­chen Kla­ge­an­trag zurück­keh­ren [9]. Die dar­in lie­gen­de Kla­ge­än­de­rung ist nach § 264 Nr. 2 ZPO noch in der Revi­si­ons­in­stanz zuläs­sig, wenn – wie hier der Fall – der Sach­ver­halt, auf den sich der frü­he­re Antrag stützt; vom Tatrich­ter bereits gewür­digt wor­den ist [10].

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 19. Novem­ber 2014 – VIII ZR 191/​13

  1. Anschluss an und Fort­füh­rung von BGH, Urteil vom 08.05.1985 – IVa ZR 138/​83, BGHZ 94, 268, 274 [zur Aus­kunfts­er­tei­lung][]
  2. BGH, Urtei­le vom 17.07.2003 – IX ZR 268/​02, BGHZ 155, 392, 395 mwN; vom 14.03.2014 – V ZR 115/​13, NJW 2014, 2199 Rn. 7[]
  3. BGH, Urtei­le vom 19.01.1983 – VIII ZR 315/​81, BGHZ 86, 267, 269; vom 14.03.2014 – V ZR 115/​13, aaO Rn. 8[]
  4. BGH, Urtei­le vom 08.05.1985 – IVa ZR 138/​83, BGHZ 94, 268, 274; vom 09.02.2011 – VIII ZR 155/​10, NJW 2011, 1135 Rn. 11; vom 15.03.2012 – IX ZR 35/​11, NJW 2012, 1717 Rn. 7; vom 14.03.2014 – V ZR 115/​13, aaO; jeweils mwN; BGH, Beschlüs­se vom 25.05.1976 – III ZB 4/​76, WM 1976, 1069 unter [3] b; vom 21.09.2005 – XII ZR 256/​03, NJW-RR 2006, 16 unter – II 2; eben­so bereits RGZ 29, 379, 382[]
  5. BGH, Urtei­le vom 19.01.1983 – VIII ZR 315/​81, aaO; vom 14.03.2014 – V ZR 115/​13, aaO; Münch­Komm-ZPO/­Götz, 4. Aufl., § 708 Rn. 5[]
  6. BGH, Urteil vom 14.03.2014 – V ZR 115/​13, aaO; Münch-KommBGB/­Fet­zer, 6. Aufl., § 362 Rn. 28 mwN; Musielak/​Lackmann, ZPO, 11. Aufl., § 708 Rn. 4; Krü­ger, NJW 1990, 1208, 1210 f.[]
  7. vgl. hier­zu BGH, Urteil vom 06.10.1998 – XI ZR 36/​98, BGHZ 139, 357, 367 f.[]
  8. vgl. BGH, Urteil vom 08.05.1985 – IVa ZR 138/​83, aaO; BAG, AP Nr. 23 zu § 1 TVG Tarif­ver­trä­ge Bau; OLG Köln, NJW-RR 2005, 1319, 1321; aA OLG Köln, Urteil vom 10.02.2010 – 2 U 64/​09 93 ff.; [jeweils zur Aus­kunfts­er­tei­lung]; vgl. auch Beck­OK-ZPO/­Jas­per­sen/­Wa­che, Stand: 15.09.2014, § 91a Rn. 64[]
  9. BGH, Urtei­le vom 07.06.2001 – I ZR 157/​98, NJW 2002, 442 unter 1; vom 14.03.2014 – V ZR 115/​13, aaO Rn. 14; BGH, Beschluss vom 21.09.2005 – XII ZR 256/​03, aaO[]
  10. BGH, Urtei­le vom 07.06.2001 – I ZR 157/​98, aaO; vom 14.03.2014 – V ZR 115/​13, aaO[]