Mit der Frage des erledigenden Ereignisses bei der Beseitigung eines Mangels der Mietsache zur Abwendung der Zwangsvollstreckung aus einem vorläufig vollstreckbaren Urteil1 hatte sich aktuell der Bundesgerichtshof zu befassen:
Die Hauptsache ist erledigt, wenn die Klage im Zeitpunkt des nach ihrer Zustellung eingetretenen erledigenden Ereignisses zulässig und begründet war und durch das Ereignis unzulässig oder unbegründet wurde2.
Wird aus einem vorläufig vollstreckbaren Urteil, einem Arrestbefehl oder einer einstweiligen Verfügung vollstreckt, tritt nach der Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs keine Erfüllung im Sinne des § 362 Abs. 1 BGB – und damit auch keine Erledigung – ein3. Dasselbe gilt für Leistungen, die zur Abwendung der Zwangsvollstreckung aus einem vorläufig vollstreckbaren Titel erbracht werden4. Die Leistung erfolgt in beiden Fällen unter dem Vorbehalt des Rechtskrafteintritts5, sofern der Schuldner nicht ausdrücklich etwas anderes bestimmt6.
Hiervon ausgehend handelt es sich bei der von der Beklagten vorgenommenen Behebung des Brandschadens nicht um ein erledigendes Ereignis. Denn nach den Feststellungen des Berufungsgerichts hat die Beklagte die in Ziffer 1 a bis g des Tenors des vorläufig vollstreckbaren Urteils des Amtsgerichts genannten Schäden innerhalb der ihr im vorbezeichneten Urteil gesetzten Frist ausdrücklich ohne Anerkennung einer Rechtspflicht beseitigt. Zudem hat sie die erstinstanzliche Verurteilung mit der Berufung angegriffen7.
Die Leistung der Beklagten erfolgte daher ersichtlich unter dem Vorbehalt des Rechtskrafteintritts und stellt demgemäß – ungeachtet der Schwierigkeit, die hier erbrachte Leistung im Falle einer Aufhebung des vorläufig vollstreckbaren Urteils zurückzufordern8 – keine Erfüllung des Anspruchs der Kläger nach § 535 Abs. 1 Satz 2 BGB auf Erhaltung der Mietsache in einem zum vertragsgemäßen Gebrauch geeigneten Zustand und damit kein die Hauptsache insoweit erledigendes Ereignis dar.
Der Antrag der Kläger, hinsichtlich des Antrags auf Behebung des Brandschadens die Erledigung der Hauptsache festzustellen, war demnach unbegründet. Nachdem sie in der mündlichen Verhandlung vor dem Bundesgerichtshof hilfsweise von ihrer Erledigungserklärung Abstand genommen und ihren ursprünglichen Antrag entsprechend des Tenors des amtsgerichtlichen Urteils weiterverfolgt haben, bleibt der Revision der Erfolg jedoch versagt.
Die Kläger sind nicht gehindert gewesen, zu ihrem vorbezeichneten ursprünglichen Antrag zurückzukehren. Eine Erledigungserklärung ist frei widerruflich, solange sich die beklagte Partei ihr nicht angeschlossen und das Gericht keine Entscheidung über die Erledigung der Hauptsache getroffen hat. Bis zu diesem Zeitpunkt kann die klagende Partei regelmäßig – auch in der Revisionsinstanz – von der einseitig gebliebenen Erledigungserklärung Abstand nehmen und ohne das Vorliegen weiterer Voraussetzungen zu ihrem ursprünglichen Klageantrag zurückkehren9. Die darin liegende Klageänderung ist nach § 264 Nr. 2 ZPO noch in der Revisionsinstanz zulässig, wenn – wie hier der Fall – der Sachverhalt, auf den sich der frühere Antrag stützt; vom Tatrichter bereits gewürdigt worden ist10.
Bundesgerichtshof, Urteil vom 19. November 2014 – VIII ZR 191/13
- Anschluss an und Fortführung von BGH, Urteil vom 08.05.1985 – IVa ZR 138/83, BGHZ 94, 268, 274 [zur Auskunftserteilung][↩]
- BGH, Urteile vom 17.07.2003 – IX ZR 268/02, BGHZ 155, 392, 395 mwN; vom 14.03.2014 – V ZR 115/13, NJW 2014, 2199 Rn. 7[↩]
- BGH, Urteile vom 19.01.1983 – VIII ZR 315/81, BGHZ 86, 267, 269; vom 14.03.2014 – V ZR 115/13, aaO Rn. 8[↩]
- BGH, Urteile vom 08.05.1985 – IVa ZR 138/83, BGHZ 94, 268, 274; vom 09.02.2011 – VIII ZR 155/10, NJW 2011, 1135 Rn. 11; vom 15.03.2012 – IX ZR 35/11, NJW 2012, 1717 Rn. 7; vom 14.03.2014 – V ZR 115/13, aaO; jeweils mwN; BGH, Beschlüsse vom 25.05.1976 – III ZB 4/76, WM 1976, 1069 unter [3] b; vom 21.09.2005 – XII ZR 256/03, NJW-RR 2006, 16 unter – II 2; ebenso bereits RGZ 29, 379, 382[↩]
- BGH, Urteile vom 19.01.1983 – VIII ZR 315/81, aaO; vom 14.03.2014 – V ZR 115/13, aaO; MünchKomm-ZPO/Götz, 4. Aufl., § 708 Rn. 5[↩]
- BGH, Urteil vom 14.03.2014 – V ZR 115/13, aaO; Münch-KommBGB/Fetzer, 6. Aufl., § 362 Rn. 28 mwN; Musielak/Lackmann, ZPO, 11. Aufl., § 708 Rn. 4; Krüger, NJW 1990, 1208, 1210 f.[↩]
- vgl. hierzu BGH, Urteil vom 06.10.1998 – XI ZR 36/98, BGHZ 139, 357, 367 f.[↩]
- vgl. BGH, Urteil vom 08.05.1985 – IVa ZR 138/83, aaO; BAG, AP Nr. 23 zu § 1 TVG Tarifverträge Bau; OLG Köln, NJW-RR 2005, 1319, 1321; aA OLG Köln, Urteil vom 10.02.2010 – 2 U 64/09 93 ff.; [jeweils zur Auskunftserteilung]; vgl. auch BeckOK-ZPO/Jaspersen/Wache, Stand: 15.09.2014, § 91a Rn. 64[↩]
- BGH, Urteile vom 07.06.2001 – I ZR 157/98, NJW 2002, 442 unter 1; vom 14.03.2014 – V ZR 115/13, aaO Rn. 14; BGH, Beschluss vom 21.09.2005 – XII ZR 256/03, aaO[↩]
- BGH, Urteile vom 07.06.2001 – I ZR 157/98, aaO; vom 14.03.2014 – V ZR 115/13, aaO[↩]











