Miet­rück­stän­de – und die wei­te­re Kün­di­gung wäh­rend des Beru­fungs­ver­fah­rens

Die Ver­mie­te­rin hat mit ihrer wäh­rend des Beru­fungs­ver­fah­rens aus­ge­spro­che­ne wei­te­ren Kün­di­gung einen wei­te­ren Streit­ge­gen­stand in den Pro­zess ein­ge­führt hat, so dass die auf die­se Wei­se her­bei­ge­führ­te nach­träg­li­che Kla­ge­häu­fung (§ 260 ZPO) wie eine Kla­ge­än­de­rung im Sin­ne der §§ 263, 533 ZPO mit den dafür gel­ten­den Regeln zu behan­deln ist 1.

Miet­rück­stän­de – und die wei­te­re Kün­di­gung wäh­rend des Beru­fungs­ver­fah­rens

Nach § 533 Nr. 2 ZPO setzt eine Kla­ge­än­de­rung in der Beru­fungs­in­stanz vor­aus, dass die­se auf Tat­sa­chen gestützt wer­den kann, die das Beru­fungs­ge­richt sei­ner Ver­hand­lung und Ent­schei­dung über die Beru­fung ohne­hin nach § 529 ZPO zugrun­de zu legen hat. Neue Tat­sa­chen – wie hier den wei­te­ren Zah­lungs­rück­stand – hat das Beru­fungs­ge­richt nach § 529 ZPO zu berück­sich­ti­gen, soweit dies zuläs­sig ist.

Der Vor­trag zu den neu­en Zah­lungs­rück­stän­den ist bei der Ent­schei­dung des Beru­fungs­ge­richts unab­hän­gig von den Vor­aus­set­zun­gen des § 531 Abs. 2 ZPO zu berück­sich­ti­gen, wenn es sich um unstrei­ti­ges Vor­brin­gen han­delt. Aus einer die Zwe­cke des Zivil­pro­zes­ses und der Prä­k­lu­si­ons­vor­schrif­ten berück­sich­ti­gen­den Aus­le­gung der § 529 Abs. 1 Nr. 2, § 531 ZPO ergibt sich, dass unter "neue Angriffs- und Ver­tei­di­gungs­mit­tel" im Sin­ne des § 531 ZPO ledig­lich strei­ti­ges und beweis­be­dürf­ti­ges Vor­brin­gen fällt 2. Nicht beweis­be­dürf­ti­ges Vor­brin­gen hat das Beru­fungs­ge­richt gemäß § 529 Abs. 1 ZPO sei­ner Ent­schei­dung ohne wei­te­res zugrun­de zu legen.

Auch die Vor­aus­set­zun­gen einer Kla­ge­än­de­rung nach § 533 Nr. 1 ZPO lagen im hier ent­schie­de­nen Fall vor, denn die beklag­ten Mie­ter haben still­schwei­gend ein­ge­wil­ligt. Ihre Ein­wil­li­gung ist ent­spre­chend § 267 ZPO unwi­der­leg­lich zu ver­mu­ten, da sie sich in der münd­li­chen Ver­hand­lung vor dem Beru­fungs­ge­richt rügelos auf die geän­der­te Kla­ge ein­ge­las­sen haben 3. Im Übri­gen dürf­te auch Sach­dien­lich­keit im Sin­ne von § 533 Nr. 1 ZPO vor­ge­le­gen haben, weil mit der wei­te­ren Kün­di­gung kein grund­le­gend neu­er Streit­stoff in den Pro­zess ein­ge­führt wur­de, son­dern die Par­tei­en sich ledig­lich für einen wei­te­ren Zeit­raum über die Berech­ti­gung der Mie­ter strit­ten, wegen des Schim­mel­pilz­be­falls nur eine gemin­der­te Mie­te zu zah­len und dar­über hin­aus ein Zurück­be­hal­tungs­recht gel­tend zu machen. Es lag des­halb auf der Hand, dass der bis­he­ri­ge Streit­stoff auch für die geän­der­te Kla­ge eine ver­wert­ba­re Ent­schei­dungs­grund­la­ge blieb und die end­gül­ti­ge Bei­le­gung des Streits unter Ver­mei­dung eines neu­en Pro­zes­ses för­der­te 4.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 27. Okto­ber 2015 – VIII ZR 288/​14

  1. vgl. BGH, Urteil vom 04.02.2015 – VIII ZR 175/​14, NZM 2015, 196 Rn. 14 mwN[]
  2. BGH, Urtei­le vom 20.05.2009 – VIII ZR 247/​06, NJW 2009, 2532 Rn. 15; vom 06.12 2004 – II ZR 394/​02, NJW-RR 2005, 437 unter – II 1 b; jeweils mwN[]
  3. vgl. BGH, Urteil vom 28.07.2015 – VI ZR 340/​14, WM 2015, 1664 Rn. 41 mwN[]
  4. zur Sach­dien­lich­keit vgl. nur BGH, Urteil vom 30.11.1999 – VI ZR 219/​98, BGHZ 143, 189, 197 f.; st. Rspr.[]