Miet­zah­lung durch das Job­cen­ter – nach Ver­trags­en­de

Einem Job­cen­ter, wel­ches im Rah­men von Sozi­al­leis­tun­gen Miet­zah­lun­gen ver­se­hent­lich auch noch nach der Been­di­gung des Miet­ver­hält­nis­ses unmit­tel­bar an den bis­he­ri­gen Ver­mie­ter über­weist, steht ein Rück­for­de­rungs­an­spruch unmit­tel­bar gegen den Ver­mie­ter zu. Das Job­cen­ter ist daher nicht gehal­ten, die­sen Rück­for­de­rungs­an­spruch gegen den Mie­ter als Emp­fän­ger der Sozi­al­leis­tung zu rich­ten.

Miet­zah­lung durch das Job­cen­ter – nach Ver­trags­en­de

In dem hier vom Bun­des­ge­richts­hof ent­schie­de­nen Fall hat­te das Job­cen­ter die Ver­mie­ter eines Ein­fa­mi­li­en­hau­ses ver­klagt, des­sen Mie­ter Leis­tun­gen für Kos­ten der Unter­kunft und Hei­zung nach dem SGB II von dem Job­cen­ter bezo­gen. Die Miet­zah­lun­gen erfolg­ten auf Antrag der Mie­ter direkt durch das Job­cen­ter an die Ver­mie­ter. Das Miet­ver­hält­nis ende­te zum 31. Juli 2014.

Bereits am 24. Juli hat­ten die Mie­ter beim Job­cen­ter einen Miet­ver­trag über eine neue Woh­nung ein­ge­reicht. Den­noch über­wies die­ser am nächs­ten Tag ver­se­hent­lich noch die Mie­te für August 2014 (860 €) an die Ver­mie­ter. Sei­ner spä­te­ren Auf­for­de­rung, den ent­spre­chen­den Betrag an ihn zurück­zu­zah­len, kamen die Ver­mie­ter jedoch nicht nach. Ihrer Auf­fas­sung nach han­de­le es sich inso­weit um eine Zah­lung ihrer Mie­ter an sie, die sie wegen noch offe­ner Gegen­for­de­run­gen aus dem Miet­ver­hält­nis zurück­be­hiel­ten.

Die auf Ver­ur­tei­lung der Ver­mie­ter zur Zah­lung von 860 € nebst Zin­sen gerich­te­te Kla­ge hat das erst­in­stanz­lich hier­mit befass­te Amts­ge­richt Rends­burg abge­wie­sen 1. Trotz der Direkt­über­wei­sung der Mie­te vom Job­cen­ter an die Ver­mie­ter habe die Rück­ab­wick­lung gemäß § 812 Abs. 1 Satz 1 Alt. 1 BGB inner­halb der bestehen­den Leis­tungs­be­zie­hun­gen, mit­hin einer­seits zwi­schen den frü­he­ren Miet­ver­trags­par­tei­en und ande­rer­seits zwi­schen Mie­ter und Job­cen­ter, zu erfol­gen. Auf die Beru­fung des Job­cen­ters hat das Land­ge­richt Kiel das erst­in­stanz­li­che Urteil abge­än­dert und der Kla­ge statt­ge­ge­ben 2. Der Bun­des­ge­richts­hof bestä­tig­te nun das Urteil des Land­ge­richts Kiel und wies die Revi­si­on der Ver­mie­ter zurück:

Ein Job­cen­ter, wel­ches im Rah­men von Sozi­al­leis­tun­gen Miet­zah­lun­gen gemäß § 22 Abs. 7 SGB II unmit­tel­bar an einen Ver­mie­ter über­weist, im Fall ver­se­hent­lich über das Ende des Miet­ver­hält­nis­ses hin­aus gezahl­ter Mie­ten einen dies­be­züg­li­chen Rück­for­de­rungs­an­spruch unmit­tel­bar gegen­über dem Ver­mie­ter gel­tend machen kann, wenn letz­te­rer bereits bei Erhalt der Zah­lung wuss­te, dass ihm die­ser Betrag wegen der Been­di­gung des Miet­ver­trags nicht zusteht.

Zwar haben die Ver­mie­ter bei objek­ti­ver Betrach­tung die hier streit­ge­gen­ständ­li­che Zah­lung von 860 € nicht durch eine Leis­tung des kla­gen­den Job­cen­ters, son­dern viel­mehr durch eine Leis­tung ihrer (ehe­ma­li­gen) Mie­ter ent­hal­ten, denen gegen­über das Job­cen­ter wie­der­um in sei­ner Eigen­schaft als Sozi­al­leis­tungs­trä­ger im Rah­men des bestehen­den Bedarfs für Unter­kunft und Hei­zung nach § 22 SGB II Sozi­al­leis­tun­gen zu erbrin­gen hat­te. Inso­weit hat­ten die Mie­ter mit ihrem Antrag nach § 22 Abs. 7 Satz 1 SGB II dem Job­cen­ter ledig­lich die Anwei­sung erteilt, die ihnen zuste­hen­den Unter­stüt­zungs­leis­tun­gen direkt an die Ver­mie­ter zu zah­len.

Den­noch erfolgt die Rück­ab­wick­lung der für August 2014 zu Unrecht gezahl­ten 860 € vor­lie­gend aus­nahms­wei­se nicht im Rah­men der inso­weit bestehen­den Leis­tungs­be­zie­hun­gen gemäß § 812 Abs. 1 Satz 1 Alt. 1 BGB (also zwi­schen den beklag­ten Ver­mie­tern und den Mie­tern einer­seits und den Mie­tern und dem kla­gen­dem Job­cen­ter ande­rer­seits), son­dern steht dem Job­cen­ter ein direk­ter Rück­zah­lungs­an­spruch gemäß § 812 Abs. 1 Satz 1 Alt. 2 BGB (Nicht­leis­tungs­kon­dik­ti­on) gegen die Ver­mie­ter zu. Denn die Mie­ter hat­ten ihren Antrag nach § 22 Abs. 7 Satz SGB II bereits vor Aus­füh­rung der streit­ge­gen­ständ­li­chen Zah­lung gegen­über dem Job­cen­ter (kon­klu­dent durch Vor­la­ge des neu­en Miet­ver­trags) wider­ru­fen. Vor allem aber wuss­ten die Ver­mie­ter nach den rechts­feh­ler­frei­en Fest­stel­lun­gen des Beru­fungs­ge­richts auf­grund der Been­di­gung des Miet­ver­hält­nis­ses bereits bei Erhalt des Gel­des, dass ihnen der für den Monat August 2014 über­wie­se­ne Betrag von 860 € nicht zustand und es damit an einer Leis­tung der Mie­ter als ihrem (ehe­ma­li­gen) Ver­trags­part­ner fehl­te. Die­sen Betrag haben die Ver­mie­ter viel­mehr in sons­ti­ger Wei­se auf Kos­ten des Klä­gers ohne recht­li­chen Grund erlangt (§ 812 Abs. 1 Satz 1 Alt. 2 BGB).

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 31. Janu­ar 2018 – VIII ZR 39/​17

  1. AG Rends­burg, Urteil vom 17.03.2016 – 41 C 258/​15[]
  2. LG Kiel, Urteil vom 27.01.2017 – 1 S 92/​16[]