Min­de­rungs­recht bei arg­lis­tig ver­schwie­ge­nem Man­gel

Der Bun­des­ge­richts­hof hat sei­ne Recht­spre­chung bekräf­tigt, wonach ein die sofor­ti­ge Rück­ab­wick­lung des Kauf­ver­trags recht­fer­ti­gen­des Inter­es­se des Käu­fers im Regel­fall anzu­neh­men ist, wenn der Ver­käu­fer dem Käu­fer einen Man­gel bei Abschluss des Kauf­ver­trags arg­lis­tig ver­schwie­gen hat. Dies hat­te der Bun­des­ge­richts­hof bereits im Dezem­ber 2006 für den sofor­ti­gen Rück­tritt von einem Grund­stücks­kauf­ver­trag ent­schie­den, jetzt hat der BGH klar­ge­stellt, dass dem Käu­fer auch ein Recht auf sofor­ti­ge Min­de­rung des Kauf­prei­ses bei einem Tier­kauf zusteht, wenn der Man­gel vom Ver­käu­fer arg­lis­tig ver­schwie­gen wur­de.

Min­de­rungs­recht bei arg­lis­tig ver­schwie­ge­nem Man­gel

Dem Urteil liegt fol­gen­der Sach­ver­halt zugrun­de: Die Klä­ge­rin kauf­te von den Beklag­ten den Wal­lach “Dio­kle­ti­an” als Dres­sur­pferd zum Preis von 45.000 €. Sie ver­langt im Wege der Min­de­rung die Rück­zah­lung der Hälf­te des Kauf­prei­ses mit der Begrün­dung, der Wal­lach sei man­gel­haft, weil er auf­grund nicht voll­stän­dig gelun­ge­ner Kas­tra­ti­on zu “Hengst­ma­nie­ren” nei­ge und des­halb als Dres­sur­pferd weni­ger geeig­net sei; dies hät­ten die Beklag­ten arg­lis­tig ver­schwie­gen.

Die Vor­in­stan­zen haben die Kla­ge mit der Begrün­dung abge­wie­sen, die Klä­ge­rin habe es ver­säumt, die Beklag­ten unter Frist­set­zung auf­zu­for­dern, den durch eine ope­ra­ti­ve Nach­kas­tra­ti­on des Pfer­des beheb­ba­ren Man­gel zu besei­ti­gen; eine sol­che Frist­set­zung sei hier auch unter dem Gesichts­punkt der von der Klä­ge­rin behaup­te­ten arg­lis­ti­gen Täu­schung nicht ent­behr­lich gewe­sen. Die vom Senat zuge­las­se­ne Revi­si­on der Klä­ge­rin führ­te zur Auf­he­bung des Beru­fungs­ur­teils und zur Zurück­ver­wei­sung des Rechts­streits an das Ober­lan­des­ge­richt.

Nach die­ser Ent­schei­dung des VIII. Zivil­se­nats steht der Umstand, dass die Klä­ge­rin der Beklag­ten eine ange­mes­se­ne Frist zur Besei­ti­gung des Man­gels (§ 439 Abs. 1 BGB) nicht gesetzt hat, auch dem Recht der Klä­ge­rin auf Min­de­rung des Kauf­prei­ses (§ 437 Nr. 2, § 441 Abs. 1 Satz 1 BGB) nicht ent­ge­gen, wenn die Klä­ge­rin – ent­spre­chend ihrer Behaup­tung – von den Beklag­ten über den Man­gel arg­lis­tig getäuscht wor­den war. Wenn der Ver­käu­fer einen beheb­ba­ren Man­gel arg­lis­tig ver­schweigt, ist der Käu­fer im Regel­fall zur sofor­ti­gen Min­de­rung des Kauf­prei­ses berech­tigt (§ 323 Abs. 2 Nr. 3, § 441 Abs. 1 Satz 1 BGB). In einem sol­chen Fall ist in der Regel die für eine Man­gel­be­sei­ti­gung durch den Ver­käu­fer erfor­der­li­che Ver­trau­ens­grund­la­ge beschä­digt. Ent­schließt sich der Ver­käu­fer, einen ihm bekann­ten Man­gel nicht zu besei­ti­gen und die Sache in einem ver­trags­wid­ri­gen Zustand zu ver­äu­ßern, so besteht auch kei­ne Ver­an­las­sung, ihm noch eine zwei­te Chan­ce zu gewäh­ren, nach­dem der Käu­fer den Man­gel ent­deckt hat. Anders als das Beru­fungs­ge­richt gemeint hat, gilt dies in der Regel auch, wenn der Man­gel durch einen Drit­ten – hier: durch einen Tier­arzt – zu besei­ti­gen ist. Auch bei einer Man­gel­be­sei­ti­gung, die durch einen vom Ver­käu­fer aus­zu­wäh­len­den Drit­ten vor­zu­neh­men ist, fehlt auf Sei­ten des Käu­fers in der Regel die für die Man­gel­be­sei­ti­gung durch den Ver­käu­fer erfor­der­li­che Ver­trau­ens­grund­la­ge.

Das Ober­lan­des­ge­richt wird nun­mehr die Behaup­tung der Klä­ge­rin, von den Beklag­ten arg­lis­tig getäuscht wor­den zu sein, zu prü­fen haben.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 9. Janu­ar 2008 – VIII ZR 210/​06