Min­der­wert­aus­gleich beim Lea­sing­ver­trag

Dem Anspruch des Lea­sing­ge­bers auf Min­der­wert­aus­gleich bei einem Lea­sing­ver­trag mit Kilo­me­ter­ab­rech­nung kann der Lea­sing­neh­mer scha­dens­recht­li­che Ein­wän­de nicht ent­ge­gen­hal­ten 1.

Min­der­wert­aus­gleich beim Lea­sing­ver­trag

Die Wirk­sam­keit einer Klau­sel in einem vom Lea­sing­ge­ber vor­for­mu­lier­ten Lea­sing­ver­trag mit Kilo­me­ter­ab­rech­nung, die den Lea­sing­neh­mer zum Min­der­wert­aus­gleich ver­pflich­tet, wenn er das Lea­sing­fahr­zeug nicht in einem dem Alter und der ver­trags­ge­mä­ßen Fahr­leis­tung ent­spre­chen­den Erhal­tungs­zu­stand, frei von Schä­den sowie ver­kehrs- und betriebs­si­cher zurück­gibt, schei­tert nicht dar­an, dass die Klau­sel dem Lea­sing­neh­mer kein Recht zur Nach­er­fül­lung ein­räumt und die Pflicht zum Min­der­wert­aus­gleich nicht ana­log § 281 Abs. 1 Satz 1 BGB von einer erfolg­lo­sen Frist­set­zung hier­zu abhän­gig macht.

Der Anspruch des Lea­sing­ge­bers auf Min­der­wert­aus­gleich bei einem Lea­sing­ver­trag mit Kilo­me­ter­ab­rech­nung ist kei­ne Ent­gelt­for­de­rung im Sin­ne des § 288 Abs. 2 BGB.

Wie der Bun­des­ge­richts­hof bereits ent­schie­den hat 2, wird durch die wie­der­ge­ge­be­nen Ver­trags­klau­seln ein Anspruch der Klä­ge­rin begrün­det, der auf­grund sei­ner lea­sing­ty­pi­schen Amor­ti­sa­ti­ons­funk­ti­on in wirt­schaft­li­cher und recht­li­cher Hin­sicht als ver­trag­li­cher Erfül­lungs­an­spruch zu cha­rak­te­ri­sie­ren ist 3. Dem steht nicht ent­ge­gen, dass der Lea­sing­neh­mer nach dem Wort­laut der Klau­sel "zum Ersatz des ent­spre­chen­den Scha­dens" ver­pflich­tet wird. Die Begrif­fe "Min­der­wert" und "Scha­den" wer­den hier syn­onym gebraucht; dies gilt eben­so für die Begrif­fe "Aus­gleich" und "Ersatz" 4.

Daher kommt es nicht dar­auf an, ob die Lea­sing­ge­be­rin durch die Rück­ga­be des Fahr­zeugs in schlech­te­rem als dem ver­trags­ge­mä­ßen Zustand kei­nen Scha­den erlei­det oder sogar bes­ser gestellt wird, weil sie das Fahr­zeug in jedem Fall zum vor­ab kal­ku­lier­ten Rest­wert an den Lie­fe­ran­ten ver­äu­ßern kön­ne und sie zusätz­lich gegen den Lea­sing­neh­mer noch einen Min­der­wert­aus­gleichs­an­spruch habe. Der Min­der­wert­aus­gleich tritt wirt­schaft­lich und recht­lich an die Stel­le des ursprüng­li­chen Anspruchs des Lea­sing­ge­bers auf Rück­ga­be des Fahr­zeugs in einem ver­trags­ge­rech­ten Erhal­tungs­zu­stand 5. Er ist ein ver­trag­li­cher Erfül­lungs­an­spruch mit Amor­ti­sa­ti­ons­funk­ti­on, dem der von der Revi­si­ons­er­wi­de­rung gel­tend gemach­te scha­dens­recht­li­che Ein­wand nicht ent­ge­gen­ge­setzt wer­den kann. Aus dem­sel­ben Grund schei­tert der Anspruch auf Min­der­wert­aus­gleich auch nicht an einer feh­len­den Frist­set­zung gemäß § 281 Abs. 1 Satz 1 BGB.

Die in Tei­len der Instanz­recht­spre­chung und des Schrift­tums geäu­ßer­ten Beden­ken gegen die Wirk­sam­keit der in Rede ste­hen­den Min­der­wert­aus­gleichs­klau­sel 6 teilt der Bun­des­ge­richts­hof nicht. Ihrer Wirk­sam­keit steht ins­be­son­de­re nicht ent­ge­gen, dass dem Lea­sing­neh­mer kein Recht zur Nach­er­fül­lung ein­ge­räumt wird und dass der Anspruch des Lea­sing­ge­bers auf Min­der­wert­aus­gleich nicht vor­aus­setzt, dass der Lea­sing­ge­ber dem Lea­sing­neh­mer zuvor ent­spre­chend § 281 Abs. 1 BGB erfolg­los eine ange­mes­se­ne Frist zur Leis­tung bestimmt hat. Dabei mag dahin­ge­stellt blei­ben, ob der der Scha­dens­er­satz­norm des § 281 Abs. 1 BGB zugrun­de lie­gen­de Rechts­ge­dan­ke über­haupt auf den Anspruch auf Min­der­wert­aus­gleich als ver­trag­li­chen Erfül­lungs­an­spruch über­trag­bar ist. Soweit mit der For­de­rung nach Frist­set­zung zur Leis­tung und Nach­er­fül­lung Akti­ons­mög­lich­kei­ten des Lea­sing­neh­mers für die Zeit nach Ver­trags­ab­lauf ange­spro­chen sind, steht dem schon der Umstand im Wege, dass der Lea­sing­neh­mer nach Ver­trags­ab­lauf nicht mehr zum Besitz des Lea­sing­fahr­zeugs berech­tigt ist. Zeit­nah vor dem Rück­ga­be­ter­min bei Ver­trags­ab­lauf hin­dert die Min­der­wert­aus­gleichs­klau­sel den Lea­sing­neh­mer dage­gen selbst­re­dend nicht, das Lea­sing­fahr­zeug auf Män­gel, Schä­den und Abwei­chun­gen vom gewöhn­li­chen Erhal­tungs­zu­stand begut­ach­ten zu las­sen, soweit er die­se nicht selbst zu erken­nen oder zu beur­tei­len ver­mag, und für deren Besei­ti­gung bis zur Rück­ga­be zu sor­gen. Dem­entspre­chend wür­de auch eine etwa erfor­der­li­che Frist­set­zung zur Leis­tung – das heißt zur Besei­ti­gung kon­kret bezeich­ne­ter Män­gel, Schä­den und über­mä­ßi­ger Abnut­zungs­spu­ren – durch den Lea­sing­ge­ber vor­aus­set­zen, dass der Lea­sing­neh­mer das Fahr­zeug dem Lea­sing­ge­ber bezie­hungs­wei­se dem von die­sem bezeich­ne­ten Händ­ler so recht­zei­tig zur Unter­su­chung vor­stellt, dass bis zum Ver­trags­ab­lauf noch aus­rei­chend Zeit für eine ange­mes­se­ne Frist ver­bleibt. Gibt der Lea­sing­neh­mer das Fahr­zeug hin­ge­gen erst mit Ver­trags­ab­lauf zurück, ohne die zur Ver­mei­dung einer Wert­min­de­rung erfor­der­li­chen Maß­nah­men ergrif­fen zu haben, so begibt er sich der Mög­lich­keit, die Ver­pflich­tung zum Min­der­wert­aus­gleich in Geld durch eine kos­ten­güns­ti­ge­re Vor­nah­me der erfor­der­li­chen Arbei­ten abzu­wen­den. Dass die in Rede ste­hen­de Klau­sel für die­sen – auch hier gege­be­nen – Fall kei­ne nach­ver­trag­li­che Abhil­fe­mög­lich­keit vor­sieht, benach­tei­ligt den Lea­sing­neh­mer nicht unan­ge­mes­sen.

Zin­sen ste­hen dem Lea­sing­ge­ber aller­dings nur in Höhe von fünf Pro­zent­punk­ten über dem Basis­zins­satz zu (§ 288 Abs. 1 BGB). Der um drei Pro­zent­punk­te höhe­re Zins­satz gemäß § 288 Abs. 2 BGB gilt nur für Ent­gelt­for­de­run­gen. Dar­un­ter sind nur sol­che For­de­run­gen zu ver­ste­hen, die auf Zah­lung eines Ent­gelts als Gegen­leis­tung für vom Gläu­bi­ger erbrach­te oder zu erbrin­gen­de Leis­tun­gen gerich­tet sind, die in der Lie­fe­rung von Gütern oder der Erbrin­gung von Dienst­leis­tun­gen bestehen 7. Dazu zählt der Anspruch des Lea­sing­ge­bers auf Min­der­wert­aus­gleich im Sin­ne der Klau­sel in Abschnitt XVI. Nr. 3 AGBLV nicht 8.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 17. Juli 2013 – VIII ZR 334/​12

  1. im Anschluss an BGH, Urtei­le vom 24.04.2013 – VIII ZR 265/​12, NJW 2013, 1420; und vom 14.11.2012 – VIII ZR 22/​12, DAR 2013, 143[]
  2. BGH, Urtei­le vom 24.04.2013 – VIII ZR 265/​12, EBE/​BGH 2013, 199 f.; VIII ZR 336/​12[]
  3. BGH, Urtei­le vom 24.04.2013 – VIII ZR 336/​12, aaO Rn. 16 ff, und VIII ZR 265/​12, aaO Rn. 11; ein­ge­hend BGH, Urteil vom 14.11.2012 – VIII ZR 22/​12, DB 2012, 2865 Rn.19 ff.[]
  4. BGH, Urteil vom 14.11.2012 – VIII ZR 22/​12, aaO Rn. 21 f.[]
  5. so schon grund­le­gend BGH, Urteil vom 01.03.2000 – VIII ZR 177/​99, WM 2000, 1009 unter II 2 a[]
  6. Rein­king, DAR 2013, 126 ff. mwN[]
  7. BGH, Urteil vom 16.06.2010 – VIII ZR 259/​09, NJW 2010, 3226 Rn. 10[]
  8. vgl. BGH, Urteil vom 18.05.2011 – VIII ZR 260/​10, NJW-RR 2011, 1625 Rn. 23 ff. zur Fra­ge der Umsatz­steu­er auf den Min­der­wert­aus­gleich[]