Min­der­wert­aus­gleich beim Lea­sing­ver­trag mit Kilo­me­ter­ab­rech­nung

Bei einem Lea­sing­ver­trag mit Kilo­me­ter­ab­rech­nung sind für die Bemes­sung des män­gel- oder beschä­di­gungs­be­ding­ten Min­der­wert­aus­gleichs weder der vom Lea­sing­ge­ber vor­ab intern kal­ku­lier­te Rest­wert noch der nach Ver­trags­ab­lauf erziel­te Ver­wer­tungs­er­lös von Bedeu­tung [1].

Min­der­wert­aus­gleich beim Lea­sing­ver­trag mit Kilo­me­ter­ab­rech­nung

Zwar zielt auch das Geschäfts­mo­dell eines Kraft­fahr­zeug-Lea­sing­ver­trags mit Kilo­me­ter­ab­rech­nung und einer fes­ten Lauf­zeit ins­ge­samt dar­auf ab, dass der Lea­sing­ge­ber bei plan­mä­ßi­gem Ver­trags­ab­lauf die vol­le Amor­ti­sa­ti­on des zum Erwerb des Fahr­zeugs ein­ge­setz­ten Kapi­tals ein­schließ­lich des kal­ku­lier­ten Gewinns erlangt. Der Anspruch des Lea­sing­ge­bers auf Amor­ti­sa­ti­on sei­nes Anschaf­fungs- und Finan­zie­rungs­auf­wands wird im Wege der "Misch­kal­ku­la­ti­on" durch die vom Lea­sing­neh­mer geschul­de­ten Zah­lun­gen und durch die Ver­wer­tung des Lea­sing­fahr­zeugs erreicht, für des­sen ord­nungs­ge­mä­ßen Zustand der Lea­sing­neh­mer ein­zu­ste­hen hat [2].

Bei einer sol­chen Ver­trags­ge­stal­tung fin­den jedoch typi­scher­wei­se kein Aus­gleich und kei­ne Abrech­nung des vom Lea­sing­ge­ber intern kal­ku­lier­ten Rest­werts statt [3]. Die mit einem Kraft­fahr­zeug-Lea­sing­ver­trag mit Kilo­me­ter­ab­rech­nung bezweck­te Voll­amor­ti­sa­ti­on des Auf­wands des Lea­sing­ge­bers baut folg­lich nicht auf einer Rest­wert­ab­rech­nung auf [4]. Das Ver­wer­tungs­ri­si­ko und die Ver­wer­tungs­chan­ce lie­gen viel­mehr allein beim Lea­sing­ge­ber [5]. Die­ser trägt bei Rück­ga­be des Fahr­zeugs in ver­trags­ge­mä­ßem Zustand das Risi­ko, dass er bei des­sen Ver­äu­ße­rung die vol­le Amor­ti­sa­ti­on des zum Erwerb des Fahr­zeugs ein­ge­setz­ten Kapi­tals ein­schließ­lich des kal­ku­lier­ten Gewinns erzielt [5]. Ande­rer­seits ist er nicht ver­pflich­tet, den Lea­sing­neh­mer an einem durch Ver­äu­ße­rung des Fahr­zeugs nach Ver­trags­ab­lauf erziel­ten Gewinn zu betei­li­gen [6].

Die­se Grund­sät­ze gel­ten auch für die Bemes­sung des Min­der­wert­aus­gleichs bei Rück­ga­be des Fahr­zeugs in ver­trags­wid­ri­gem Zustand. Ein sol­cher Anspruch ist auf Zah­lung des Betra­ges gerich­tet, um den der Wert des Lea­sing­fahr­zeugs bei Ver­trags­ab­lauf wegen der vor­han­de­nen Schä­den oder Män­gel hin­ter dem Wert zurück­bleibt, den das Fahr­zeug in ver­trags­ge­mä­ßem Zustand hät­te [7]. Da er in Anbe­tracht der von den Lea­sing­par­tei­en bezweck­ten Voll­amor­ti­sa­ti­on zusam­men mit dem in ver­trags­wid­ri­gem Zustand zurück­ge­ge­be­nen Fahr­zeug wirt­schaft­lich und recht­lich an die Stel­le des ursprüng­li­chen Anspruchs des Lea­sing­ge­bers auf Rück­ga­be des Fahr­zeugs in einem ver­trags­ge­rech­ten Erhal­tungs­zu­stand tritt [8], ändert sich an der oben beschrie­be­nen Ver­tei­lung des Ver­wer­tungs­ri­si­kos und der Ver­wer­tungs­chan­cen nichts [9]. Daher sind für die Bemes­sung des män­gel- oder beschä­di­gungs­be­ding­ten Min­der­wert­aus­gleichs weder der vom Lea­sing­ge­ber vor­ab intern kal­ku­lier­te Rest­wert noch der nach Ver­trags­ab­lauf erziel­te Ver­wer­tungs­er­lös von Bedeu­tung [10].

Soweit sich aus dem BGH-Urteil vom 22. Janu­ar 1986 [11] etwas ande­res erge­ben soll­te, hält der Bun­des­ge­richts­hof hier­an nicht fest.

BGH, Urtei­le vom 24. April 2013 – VIII ZR 265/​12 und VIII ZR 336/​12

  1. im Anschluss an BGH, Urtei­le vom 14.11.2012 – VIII ZR 22/​12, DB 2012, 2865 Rn. 24; vom 14.07.2004 – VIII ZR 367/​03, NJW 2004, 2823; Auf­ga­be von BGH, Urteil vom 22.01.1986 – VIII ZR 318/​84, BGHZ 97, 65 ff.[]
  2. BGH, Urtei­le vom 01.03.2000 – VIII ZR 177/​99, NJW-RR 2000, 1303 unter [II] 2 b mwN; vom 14.11.2012 – VIII ZR 22/​12, aaO Rn. 17 mwN; vom 24.04.2013 – VIII ZR 336/​12, aaO unter II 3 b aa[]
  3. BGH, Urtei­le vom 14.07.2004 – VIII ZR 367/​03, NJW 2004, 2823 unter II 2 a bb; vom 14.11.2012 – VIII ZR 22/​12, aaO Rn. 17, 24[]
  4. BGH, Urtei­le vom 14.11.2012 – VIII ZR 22/​12, aaO; vom 24.04.2013 – VIII ZR 336/​12, aaO unter II 3 b bb[]
  5. BGH, Urtei­le vom 14.07.2004 – VIII ZR 367/​03, aaO mwN; vom 24.04.2013 – VIII ZR 336/​12, aaO[][]
  6. BGH, Urtei­le vom 24.04.1996 – VIII ZR 150/​95, NJW 1996, 2033 unter II 1 b cc; vom 24.04.2013 – VIII ZR 336/​12, aaO[]
  7. BGH, Urtei­le vom 24.04.2013 – VIII ZR 336/​12 unter II 3 b cc; vom 14.11.2012 – VIII ZR 22/​12, aaO Rn. 18 f.; vom 01.03.2000 – VIII ZR 177/​99, aaO unter [II] 2 a, b[]
  8. vgl. BGH, Urteil vom 14.11.2012 – VIII ZR 22/​12, aaO Rn. 18, 20[]
  9. BGH, Urteil vom 24.04.2013 – VIII ZR 336/​12, aaO[]
  10. BGH, Urtei­le vom 14.11.2012 – VIII ZR 22/​12, aaO Rn. 24; vom 24.04.2013 – VIII ZR 336/​12, aaO; vgl. fer­ner BGH, Urteil vom 14.07.2004 – VIII ZR 367/​03, aaO [zum Fall einer kon­kre­ten Scha­dens­be­rech­nung bei vor­zei­ti­ger Been­di­gung eines Kraft­fahr­zeug-Lea­sing­ver­trags mit Kilo­me­ter­ab­rech­nung][]
  11. BGH, Urteil vom 22.01.1986 – VIII ZR 318/​84, BGHZ 97, 65 ff.[]