Mit dem Bier­glas auf den Kopf geschla­gen

Eine pri­va­te Haft­pflicht­ver­si­che­rung hat dann nicht zu leis­ten, wenn der Ver­si­che­rungs­fall mit Vor­satz her­bei­ge­führt wor­den ist.

Mit dem Bier­glas auf den Kopf geschla­gen

So hat das Land­ge­richt Coburg in dem hier vor­lie­gen­den Fall ent­schie­den und die Kla­ge eines Ver­si­che­rungs­neh­mers abge­wie­sen. Der Klä­ger hat­te anläss­lich einer „Him­mel­fahrts-Wan­de­rung“ mit sei­nem Bier­glas einem ande­ren Mann eine Schnitt­wun­de am Kopf zuge­fügt. Das Straf­ver­fah­ren gegen den Klä­ger war gegen Zah­lung einer Geld­auf­la­ge in mitt­le­rer vier­stel­li­ger Höhe an den Geschä­dig­ten ein­ge­stellt wor­den. In zwei wei­te­ren Zivil­ver­fah­ren hat­te sich der Klä­ger außer­dem über die Zah­lung eines wei­te­ren Schmer­zens­gel­des mit dem Geschä­dig­ten und über Zah­lun­gen nach dem Opfer­ent­schä­di­gungs­ge­setz mit dem zustän­di­gen Lan­des­ver­wal­tungs­amt eini­gen kön­nen.

Nun ver­lang­te der Klä­ger den Ersatz der ihm ent­stan­de­nen Kos­ten von sei­ner Pri­vat­haft­pflicht­ver­si­che­rung, ins­ge­samt eine Sum­me im hohen vier­stel­li­gen Bereich. Er behaup­te­te, zu den Ver­let­zun­gen des Geschä­dig­ten sei es ver­se­hent­lich gekom­men, wes­halb die Ver­si­che­rung zah­len müs­se. Der Geschä­dig­te habe sei­ne Bril­le vom Boden auf­he­ben wol­len und sei dabei auf den Klä­ger zuge­kom­men. Der wie­der­um habe gera­de Bier aus sei­nem Glas in Rich­tung des Geschä­dig­ten schüt­ten wol­len, wobei ihm das Glas aus der Hand geglit­ten sei. Die beklag­te Ver­si­che­rung ging dem­ge­gen­über von Vor­satz aus und ver­wei­ger­te des­halb die Leis­tung.

In sei­ner Ent­schei­dung hat das Land­ge­richt Coburg aus­ge­führt, dass die Ein­las­sung des Klä­gers nicht über­zeu­gend war. Sei­ne Anga­ben wichen doch im poli­zei­li­chen Ermitt­lungs­ver­fah­ren, bei der Mel­dung des Scha­dens an sei­nen Ver­si­che­rer und im Kla­ge­ver­fah­ren selbst teil­wei­se von­ein­an­der ab. Nach Über­zeu­gung des Land­ge­richts Coburg trug auch das aggres­si­ve Ver­hal­ten des damals noch dazu erheb­lich alko­ho­li­sier­ten Klä­gers unmit­tel­bar vor dem in Streit ste­hen­den Vor­fall dazu bei, dass der Klä­ger dem Geschä­dig­ten sein Bier­glas gezielt gegen den Kopf geschla­gen hat­te. Hier­zu pass­te auch die beim Geschä­dig­ten fest­ge­stell­te gro­ße Platz­wun­de, in der sich noch dazu meh­re­re Glas­split­ter befun­den hat­ten. Den Tat­her­gang einer Aus­hol­be­we­gung mit einem sich anschlie­ßen­den Schlag mit dem Bier­glas gegen den Kopf des Kon­tra­hen­ten bestä­ti­gen letzt­lich auch die ver­nom­me­nen Zeu­gen, soweit sie den Vor­fall selbst hat­ten sehen kön­nen.

Nach all­dem hat­te das Land­ge­richt Coburg im Ergeb­nis kei­nen Zwei­fel an einem vor­sätz­lich geführ­ten Schlag des Klä­gers, der zu den frag­li­chen Ver­set­zun­gen geführt hat­te. Des­halb bekommt der Klä­ger nun die geleis­te­ten Zah­lun­gen nicht von sei­nem Haft­pflicht­ver­si­che­rer erstat­tet, son­dern muss für den von ihm ver­ur­sach­ten Scha­den auch selbst auf­kom­men.

Die Beru­fung des Klä­gers gegen die land­ge­richt­li­che Ent­schei­dung wur­de vom Ober­lan­des­ge­richt Bam­berg zurück­ge­wie­sen. Damit ist das Urteil des Land­ge­richts rechts­kräf­tig.

Land­ge­richt Coburg, Urteil vom 26. April 2018 – 21 O 12/​17