MRSA-Infek­ti­on im Kran­ken­haus – und die Beweis­last für Hygie­ne­män­gel

Ein Pati­ent, bei dem wäh­rend eines Kran­ken­haus­auf­ent­hal­tes eine MRSA-Infek­ti­on auf­tritt, muss einen scha­dens­ur­säch­li­chen Hygie­neman­gel nach Ansicht des Ober­lan­des­ge­richts Hamm auch dann bewei­sen, wenn wäh­rend der Zeit sei­nes Kran­ken­haus­auf­ent­halts vier wei­te­re Pati­en­ten MRSA-Infek­tio­nen erlei­den. Allein die­se Anzahl wei­te­rer MRSA-Infek­tio­nen recht­fer­tigt kei­ne Beweis­last­um­kehr zu Las­ten des Kran­ken­hau­ses.

MRSA-Infek­ti­on im Kran­ken­haus – und die Beweis­last für Hygie­ne­män­gel

Die Klä­ge­rin in dem hier vom OLG Hamm ent­schie­de­nen Fall litt an einem Darm­tu­mor, der im Dezem­ber 2009 auf der all­ge­mein­chir­ur­gi­schen Abtei­lung des beklag­ten Kran­ken­hau­ses in Soest ope­ra­tiv behan­delt wur­de. Im Bereich der Ein­stich­stel­le eines wäh­rend der Ope­ra­ti­on gesetz­ten Kathe­ters erlitt die Pati­en­tin einen Abszess, der sich ent­zün­de­te. Der Abszess muss­te dar­auf­hin in der neu­ro­chir­ur­gi­schen Abtei­lung einer Dort­mun­der Kli­nik, in die die Pati­en­tin ver­legt wur­de, ope­ra­tiv behan­delt wer­den. Dabei ergab sich ein MRSA-Befund.

Vom beklag­ten Kran­ken­haus hat die Pati­en­tin 30.000 € Schmer­zens­geld ver­langt, u.a. mit der Begrün­dung, der Kathe­ter und die Ein­stich­stel­le sei­en nicht hygie­nisch ein­wand­frei gepflegt und vor­sorgt wor­den. Dabei hat die Pati­en­tin behaup­tet, wäh­rend ihres Auf­ent­hal­tes im beklag­ten Kran­ken­haus sei es zu min­des­tens vier wei­te­ren MRSA-Infek­tio­nen gekom­men.

Die Scha­dens­er­satz­kla­ge der Pati­en­tin blieb vor dem Ober­lan­des­ge­richt Hamm ohne Erfolg. Nach dem Ein­ho­len eines medi­zi­ni­schen Sach­ver­stän­di­gen­gut­ach­tens ver­moch­te das Ober­lan­des­ge­richt Hamm kei­ne von dem beklag­ten Kran­ken­haus zu ver­ant­wor­ten­den Behand­lungs­feh­ler fest­stel­len.

In Bezug auf die bean­stan­de­te Hygie­ne habe die Pati­en­tin kei­nen Man­gel nach­ge­wie­sen. Inso­weit kom­me auch kei­ne Umkehr der Beweis­last unter dem Gesichts­punkt eines vom Kran­ken­haus voll beherrsch­ba­ren Gesche­hens in Betracht.

Nach den Anga­ben des Sach­ver­stän­di­gen gebe es in Deutsch­land kei­nen medi­zi­ni­schen Stan­dard, der jeg­li­che Art von Infek­tio­nen aus­schlie­ße. Ein sol­cher Stan­dard sei allen­falls theo­re­tisch vor­stell­bar, im Kli­nik­all­tag aber prak­tisch nicht zu errei­chen.

Im Übri­gen kön­ne auch ein Pati­ent selbst Trä­ger von MRSA-Kei­men sein, so dass der Aus­bruch einer MRSA-Infek­ti­on nicht von vorn­her­ein auf einen Hygie­neman­gel schlie­ßen las­se.

Ein sol­cher fol­ge auch nicht aus vier wei­te­ren MRSA-Infek­tio­nen wäh­rend des Kran­ken­haus­auf­ent­hal­tes der Pati­en­tin. Ent­schei­dend sei viel­mehr der Ein­zel­fall. Bezo­gen auf wei­te­re Fäl­le von MRSA-Infek­tio­nen kön­ne für ein Hygie­ne­de­fi­zit spre­chen, wenn etwa bei 10 Pati­en­ten auf der Sta­ti­on zur glei­chen Zeit eine sol­che Infek­ti­on auf­tre­te.

Ober­lan­des­ge­richt Hamm, Urteil vom 14. April 2015 – 26 U 125/​13