Münd­li­che Anwei­sun­gen in der Fristenkontrolle

Weist der Rechts­an­walt eine Kanz­lei­kraft münd­lich an, die von ihm errech­ne­te Beru­fungs­be­grün­dungs­frist nebst Vor­frist zu notie­ren, ist durch geeig­ne­te orga­ni­sa­to­ri­sche Vor­keh­run­gen sicher­zu­stel­len, dass die Ein­tra­gung nicht in Ver­ges­sen­heit gerät. Dazu ist kon­kret vorzutragen.

Münd­li­che Anwei­sun­gen in der Fristenkontrolle

Zwar kommt es auf die all­ge­mei­nen orga­ni­sa­to­ri­schen Vor­keh­run­gen in einer Rechts­an­walts­kanz­lei für die Fris­t­wah­rung nicht ent­schei­dend an, wenn der Rechts­an­walt von ihnen abweicht und statt­des­sen eine genaue Anwei­sung für den kon­kre­ten Fall erteilt, deren Befol­gung die Fris­t­wah­rung sicher­ge­stellt hät­te, wobei der Rechts­an­walt im all­ge­mei­nen nicht ver­pflich­tet ist, sich anschlie­ßend über die Aus­füh­rung sei­ner Wei­sung zu ver­ge­wis­sern. In einem sol­chen Fall ist für die Frist­ver­säum­nis nicht die Büro­or­ga­ni­sa­ti­on, son­dern der Feh­ler des Mit­ar­bei­ters ursäch­lich, weil ein Rechts­an­walt grund­sätz­lich dar­auf ver­trau­en darf, dass die einem zuver­läs­si­gen Mit­ar­bei­ter erteil­te Ein­zel­an­wei­sung befolgt wird. Jedoch kann eine kon­kre­te Ein­zel­an­wei­sung den Rechts­an­walt dann nicht von einer unzu­rei­chen­den Büro­or­ga­ni­sa­ti­on ent­las­ten, wenn die­se die bestehen­de Orga­ni­sa­ti­on nicht außer Kraft setzt, son­dern sich dar­in ein­fügt und nur ein­zel­ne Ele­men­te ersetzt, wäh­rend ande­re ihre Bedeu­tung behal­ten, die bestimmt sind, der Frist­ver­säum­nis ent­ge­gen­zu­wir­ken, die­ses infol­ge eines Orga­ni­sa­ti­ons­man­gels aber nicht bewir­ken [1].

Betrifft die Anwei­sung einen so wich­ti­gen Vor­gang wie die Ein­tra­gung einer Rechts­mit­tel­frist und wird sie nur münd­lich erteilt, müs­sen in der Kanz­lei aus­rei­chen­de orga­ni­sa­to­ri­sche Vor­keh­run­gen dage­gen getrof­fen sein, dass die Anwei­sung in Ver­ges­sen­heit gerät und die Fris­tein­tra­gung unter­bleibt. In einem sol­chen Fall bedeu­tet das Feh­len jeder Siche­rung einen ent­schei­den­den Orga­ni­sa­ti­ons­man­gel [2].

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 15. Mai 2012 – VI ZB 27/​11

  1. vgl. BGH, Beschlüs­se vom 11.02.2003 – VI ZB 38/​02, VersR 2003, 1462; vom 04.11.2003 – VI ZB 50/​03, VersR 2005, 94, 95; vom 22.06.2004 – VI ZB 10/​04, VersR 2005, 383 f.; vom 12.01.2010 – VI ZB 64/​09, NJW-RR 2010, 417 Rn. 7; vom 13.07.2010 – VI ZB 1/​10, NJW 2011, 151 Rn. 13; jeweils mwN[]
  2. vgl. BGH, Beschluss vom 22.06.2004 – VI ZB 10/​04, VersR 2005, 383 f.[]