Nach dem Pro­be­trai­ning die Mit­glied­schaft

Bei der Wer­bung eines Fit­ness­stu­di­os mit einem kos­ten­lo­sen Pro­be­trai­ning ist das Ziel der Wer­be­ak­ti­on (neue Mit­glie­der anwer­ben) klar erkenn­bar. Schließt jemand dann einen Ver­trag, ohne sich vor­her genau zu erkun­di­gen, ist weder von einer Über­rum­pe­lung noch Täu­schung aus­zu­ge­hen, und es besteht kein Wider­rufs­recht.

Nach dem Pro­be­trai­ning die Mit­glied­schaft

Mit die­ser Begrün­dung hat das Amts­ge­richt Mün­chen in dem hier vor­lie­gen­den Fall den Betrei­bern eines Fit­ness­stu­di­os Recht gege­ben, die eine Kün­di­gung der Mit­glied­schaft erst zum Ende der Ver­trags­lauf­zeit akzep­tier­ten und den ver­ein­bar­ten Bei­trag in Höhe von 599 Euro von einer Mün­che­ne­rin for­der­ten. Die­se wur­de durch ein Wer­be­an­ge­bot auf ein kos­ten­lo­ses Pro­be­trai­ning eines Fit­ness­stu­di­os auf­merk­sam gemacht. Sie begab sich im März 2008 dort­hin und unter­zeich­ne­te einen Mit­glied­schafts­ver­trag, der eine Lauf­zeit von 12 Mona­ten (mit Ver­län­ge­rungs­mög­lich­kei­ten) vor­sah. Anschlie­ßend begut­ach­te­te sie die Räum­lich­kei­ten und die Trai­nings­mög­lich­kei­ten und ent­schloss sich, doch nicht dort Mit­glied sein zu wol­len. Sie kün­dig­te am nächs­ten Tag. Das Fit­ness­stu­dio akzep­tier­te die Kün­di­gung zum Ende der Ver­trags­lauf­zeit und for­der­te den ver­ein­bar­ten Mit­glieds­bei­trag. Die Münch­ne­rin wei­ger­te sich zu bezah­len. Sie sei über­rum­pelt wor­den, das Geschäfts­ge­ba­ren sei unse­ri­ös, des­halb habe sie auch zu Recht wider­ru­fen. Die Betrei­ber des Fit­ness­stu­di­os erho­ben Kla­ge vor dem Amts­ge­richt Mün­chen.

Nach Auf­fas­sung des Amts­ge­richts Mün­chen habe die Beklag­te den Ver­trag nicht wirk­sam wie­der­ru­fen, da kein Wider­rufs­recht bestehe. Kei­ne der Vor­aus­set­zun­gen des Wider­rufs­rechts bei Haus­tür­ge­schäf­ten lägen hier vor, ins­be­son­de­re han­de­le es sich bei der Wer­be­ak­ti­on des Stu­di­os nicht um eine Frei­zeit­ver­an­stal­tung. Es sei nicht über­ra­schend, dass ein Pro­be­trai­ning in einem Fit­ness­stu­dio den Zweck habe, Mit­glie­der anzu­wer­ben. Schlie­ße jemand auf Grund der Wer­be­ak­ti­on dann einen Ver­trag, sei weder von einer Über­rum­pe­lung noch Täu­schung aus­zu­ge­hen. Anders als in den Fäl­len, in denen Kun­den in ein Stu­dio gelockt wur­de, weil sie angeb­lich für eine bestimm­te Zeit eine kos­ten­lo­se Mit­glied­schaft gewon­nen hät­ten, sei hier das Ziel der Wer­be­ak­ti­on klar erkenn­bar gewe­sen. Schlie­ße jemand dann einen Ver­trag, ohne sich vor­her genau zu erkun­di­gen, lie­ge das in sei­ner Ver­ant­wor­tung und er sei an den Ver­trag gebun­den.

Amts­ge­richt Mün­chen, Urteil vom 25. Okto­ber 2012 – 223 C 12655/​12