Nach­bes­se­rung des Ver­mö­gens­ver­zeich­nis­ses

Dem Ver­lan­gen des Gläu­bi­gers auf Nach­bes­se­rung des Ver­mö­gens­ver­zeich­nis­ses kön­nen nur die Anga­ben ent­ge­gen­ge­hal­ten wer­den, die im Ver­mö­gens­ver­zeich­nis doku­men­tiert sind. Auf nicht im Ver­mö­gens­ver­zeich­nis ange­führ­te Anga­ben des Schuld­ners, die sich nur aus einer dienst­li­chen Stel­lung­nah­me des Gerichts­voll­zie­hers erge­ben, kommt es in die­sem Zusam­men­hang nicht an.

Nach­bes­se­rung des Ver­mö­gens­ver­zeich­nis­ses

Für die Fra­ge, ob für ein Ver­lan­gen auf Nach­bes­se­rung der Ver­mö­gens­aus­kunft nach § 802c ZPO in der seit dem 1.01.2013 gel­ten­den Fas­sung ein Rechts­schutz­be­dürf­nis besteht, gel­ten die schon für die eides­statt­li­che Ver­si­che­rung nach § 807 ZPO aF aner­kann­ten Maß­stä­be fort.

Danach kann der Gläu­bi­ger die Nach­bes­se­rung einer Ver­mö­gens­aus­kunft ver­lan­gen, wenn der Schuld­ner ein äußer­lich erkenn­bar unvoll­stän­di­ges, unge­nau­es oder wider­sprüch­li­ches Ver­zeich­nis vor­ge­legt hat. Dazu muss aus dem Ver­mö­gens­ver­zeich­nis selbst ersicht­lich sein, dass die Anga­ben unvoll­stän­dig, unge­nau oder wider­sprüch­lich sind oder der Gläu­bi­ger glaub­haft machen, dass der Schuld­ner im Ver­mö­gens­ver­zeich­nis ver­se­hent­lich unvoll­stän­di­ge oder unzu­tref­fen­de Anga­ben gemacht hat [1]. Eine Nach­bes­se­rung zur Beant­wor­tung von Fra­gen über Ver­mö­gens­po­si­tio­nen, die schon zusam­men­ge­fasst ver­neint sind, ist unzu­läs­sig [2].

Nach die­sen Maß­stä­ben kann ein Anspruch des Gläu­bi­gers auf Ergän­zung der Ver­mö­gens­aus­kunft nicht ver­neint wer­den. Im Streit­fall ist aus dem Ver­mö­gens­ver­zeich­nis selbst ersicht­lich, dass der Schuld­ner – u.a. hin­sicht­lich einer Kau­ti­ons­zah­lung an den Ver­mie­ter- unvoll­stän­di­ge und unge­naue Anga­ben gemacht hat.

So auch im hier ent­schie­de­nen Fall: Aus der Beant­wor­tung der Fra­ge 10, mit der der Schuld­ner ange­ge­ben hat, ein Teil des von ihm bezo­ge­nen Sozi­al­gelds wer­de direkt vom Land­rats­amt an den Ver­mie­ter bezahlt, ergibt sich, dass der Schuld­ner einen Miet­ver­trag mit einem Ver­mie­ter abge­schlos­sen hat. Den­noch ist im Ver­mö­gens­ver­zeich­nis in der Spal­te Nr. 17, in der nach Ansprü­chen aus Pacht, Miet- und Lea­sing­ver­trä­gen (auch Unter­mie­te und Ansprü­che auf Rück­zah­lung hin­ter­leg­ter Miet­kau­tio­nen) gefragt wird, kei­ne Ant­wort des Schuld­ners ange­ge­ben.

Die Anga­ben sind im vor­lie­gen­den Fall auch nicht des­halb voll­stän­dig, weil der Schuld­ner die Fra­ge nach dem Bestehen eines Anspruchs auf Rück­zah­lung einer Miet­kau­ti­on in ande­rem Zusam­men­hang mit­be­ant­wor­tet hat.

Aller­dings ist von einer sol­chen zusam­men­ge­fass­ten Beant­wor­tung, die dem Nach­bes­se­rungs­ver­lan­gen ent­ge­gen­steht, grund­sätz­lich aus­zu­ge­hen, wenn der Schuld­ner die Fra­ge nach Ansprü­chen aus Pacht, Miet- und Lea­sing­ver­trä­gen ohne Dif­fe­ren­zie­rung ver­neint hat [3]. Eine sol­che Ver­nei­nung liegt hier jedoch nicht vor. Im Ver­mö­gens­ver­zeich­nis ist unter der Fra­ge Nr. 17 nach Ansprü­chen aus Pacht, Miet- und Lea­sing­ver­trä­gen über­haupt kei­ne Ant­wort des Schuld­ners ange­ge­ben.

Eine zusam­men­fas­sen­de Ver­nei­nung ergibt sich auch nicht dar­aus, dass der Schuld­ner die Fra­ge 19 nach sons­ti­gen For­de­run­gen mit "Nein" beant­wor­tet hat. Sons­ti­ge For­de­run­gen im Sin­ne die­ser Fra­ge sind erkenn­bar For­de­run­gen, die nicht bereits Gegen­stand ande­rer Fra­gen des Ver­mö­gens­ver­zeich­nis­ses sind. Die Fra­ge nach Ansprü­chen auf Rück­zah­lung hin­ter­leg­ter Miet­kau­tio­nen ist jedoch unter Nr. 17 des Ver­mö­gens­ver­zeich­nis­ses gestellt wor­den und unbe­ant­wor­tet geblie­ben.

Der Annah­me einer Unvoll­stän­dig­keit des Ver­mö­gens­ver­zeich­nis­ses im Hin­blick auf das Bestehen eines Anspruchs auf Rück­zah­lung einer Miet­kau­ti­on steht nicht ent­ge­gen, dass der Gerichts­voll­zie­her in sei­ner vom Amts­ge­richt ein­ge­hol­ten Stel­lung­nah­me ange­ge­ben hat, der Schuld­ner habe ver­si­chert, dass weder eine Kau­ti­on an den Ver­mie­ter bezahlt wor­den sei noch Ansprü­che aus Neben­kos­ten­ab­rech­nun­gen bestün­den.

Ist – wie im Streit­fall – aus dem Ver­mö­gens­ver­zeich­nis selbst ersicht­lich, dass die Anga­ben unvoll­stän­dig, unge­nau oder wider­sprüch­lich sind, kann der Gläu­bi­ger Nach­bes­se­rung der Ver­mö­gens­aus­kunft des Schuld­ners ver­lan­gen [4]. Anga­ben, die sich nicht aus dem Ver­mö­gens­ver­zeich­nis selbst erge­ben, ste­hen dem Nach­bes­se­rungs­an­spruch nicht ent­ge­gen.

Dies ergibt sich aus dem Sinn und Zweck des Ver­mö­gens­ver­zeich­nis­ses, die im Rah­men der Ver­mö­gens­aus­kunft gemach­ten Anga­ben des Schuld­ners zu doku­men­tie­ren. Das Ver­mö­gens­ver­zeich­nis ist gemäß § 802f Abs. 5 ZPO eine vom Gerichts­voll­zie­her errich­te­te Auf­stel­lung mit den nach § 802c Abs. 1 und 2 ZPO erfor­der­li­chen Anga­ben als elek­tro­ni­sches Doku­ment. Es ist gemäß § 802f Abs. 6 Satz 1 ZPO vom Gerichts­voll­zie­her bei dem zen­tra­len Voll­stre­ckungs­ge­richt zu hin­ter­le­gen und kann sodann gemäß § 802k Abs. 1 Satz 2 ZPO über eine zen­tra­le und län­der­über­grei­fen­de Abfra­ge von den in § 802k Abs. 2 ZPO auf­ge­führ­ten Voll­stre­ckungs­be­hör­den im Inter­net ein­ge­se­hen und abge­ru­fen wer­den. Außer­dem dient die Errich­tung des Ver­mö­gens­ver­zeich­nis­ses gemäß § 802d ZPO dazu, den Schuld­ner nach Ertei­lung und Ver­si­che­rung der Ver­mö­gens­aus­kunft für zwei Jah­re vor wei­te­ren Ver­fah­ren zu schüt­zen, sofern der Gläu­bi­ger kei­ne Tat­sa­chen glaub­haft macht, die auf eine wesent­li­che Ver­än­de­rung der Ver­mö­gens­ver­hält­nis­se des Schuld­ners schlie­ßen las­sen [5]. Die­se Funk­tio­nen des Ver­mö­gens­ver­zeich­nis­ses bedin­gen es, dass dem Ver­lan­gen des Gläu­bi­gers auf Nach­bes­se­rung der Ver­mö­gens­aus­kunft nur die Anga­ben ent­ge­gen­ge­hal­ten wer­den kön­nen, die im Ver­mö­gens­ver­zeich­nis doku­men­tiert sind.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 15. Dezem­ber 2016 – I ZB 54/​16

  1. BGH, Beschluss vom 03.03.2016 – I ZB 74/​15, NZM 2016, 768 Rn. 7; Beschluss vom 28.04.2016 – I ZB 92/​15 12, jeweils mwN[]
  2. BGH, Beschluss vom 28.04.2016 – I ZB 92/​15 12 f.[]
  3. vgl. BGH, Beschluss vom 28.04.2016 – I ZB 92/​15 12 f.[]
  4. BGH, NZM 2016, 768 Rn. 7; Beschluss vom 28.04.2016 – I ZB 92/​15 Rn. 12 jeweils mwN[]
  5. vgl. Zöller/​Stöber, ZPO, 31. Aufl., § 802d Rn. 1; Wag­ner in MünchKomm-.ZPO, 5. Aufl., § 802d ZPO Rn. 1[]