Nach­bes­se­rung einer eides­statt­li­chen Ver­si­che­rung

Der Gläu­bi­ger kann die Nach­bes­se­rung einer eides­statt­li­chen Ver­si­che­rung ver­lan­gen, wenn er glaub­haft macht, dass der Schuld­ner ver­se­hent­lich unzu­tref­fen­de Anga­ben zum Dritt­schuld­ner einer im Ver­mö­gens­ver­zeich­nis genann­ten For­de­rung gemacht hat.

Nach­bes­se­rung einer eides­statt­li­chen Ver­si­che­rung

Nach der Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs kann der Gläu­bi­ger die Nach­bes­se­rung einer eides­statt­li­chen Ver­si­che­rung ver­lan­gen, wenn der Schuld­ner ein äußer­lich erkenn­bar unvoll­stän­di­ges, unge­nau­es oder wider­sprüch­li­ches Ver­zeich­nis vor­ge­legt hat 1.

Der Gläu­bi­ger kann aber auch dann die Nach­bes­se­rung einer eides­statt­li­chen Ver­si­che­rung ver­lan­gen, wenn er glaub­haft macht, dass der Schuld­ner ver­se­hent­lich unzu­tref­fen­de Anga­ben zum Dritt­schuld­ner einer im Ver­mö­gens­ver­zeich­nis genann­ten For­de­rung gemacht hat. Der Gläu­bi­ger kann in einem sol­chen Fall nicht dar­auf ver­wie­sen wer­den, vom Schuld­ner die noch­ma­li­ge Abga­be einer eides­statt­li­chen Ver­si­che­rung nach § 903 ZPO zu for­dern.

Ein Schuld­ner, der die in § 807 ZPO oder in § 284 AO bezeich­ne­te eides­statt­li­che Ver­si­che­rung abge­ge­ben hat, ist gemäß § 903 Satz 1 ZPO, wenn die Abga­be der eides­statt­li­chen Ver­si­che­rung in dem Schuld­ner­ver­zeich­nis noch nicht gelöscht ist, in den ers­ten drei Jah­ren nach ihrer Abga­be zur noch­ma­li­gen eides­statt­li­chen Ver­si­che­rung einem Gläu­bi­ger gegen­über nur ver­pflich­tet, wenn glaub­haft gemacht wird, dass der Schuld­ner spä­ter Ver­mö­gen erwor­ben hat oder dass ein bis­her bestehen­des Arbeits­ver­hält­nis mit dem Schuld­ner auf­ge­löst ist. Ein Schuld­ner, der im Ver­mö­gens­ver­zeich­nis fal­sche Anga­ben gemacht hat, ist nach dem Wort­laut die­ser Bestim­mung nicht allein des­halb zur erneu­ten eides­statt­li­chen Ver­si­che­rung ver­pflich­tet.

Ein Schuld­ner ist jedoch nach ganz über­wie­gen­der Ansicht in ent­spre­chen­der Anwen­dung des § 903 ZPO zur wie­der­hol­ten Abga­be einer eides­statt­li­chen Ver­si­che­rung ver­pflich­tet, wenn der Gläu­bi­ger glaub­haft macht, dass der Schuld­ner bei der frü­he­ren Abga­be der eides­statt­li­chen Ver­si­che­rung vor­han­de­nes Ver­mö­gen ver­schwie­gen hat. Ein sol­cher Schuld­ner darf nach die­ser Auf­fas­sung nicht bes­ser ste­hen als ein Schuld­ner, der nach Abga­be der eides­statt­li­chen Ver­si­che­rung neu­es Ver­mö­gen erwor­ben hat. Das Ver­schwei­gen vor­han­de­nen Ver­mö­gens steht danach dem Erwerb neu­en Ver­mö­gens gleich und hat zur Fol­ge, dass nicht nur das bestehen­de Ver­zeich­nis um die feh­len­den Anga­ben zu ergän­zen, son­dern das gesam­te Ver­mö­gen erneut zu offen­ba­ren ist 2.

Hat der Schuld­ner bei Abga­be der eides­statt­li­chen Ver­si­che­rung dage­gen eine For­de­rung ange­ge­ben und ist davon aus­zu­ge­hen, dass er ledig­lich ver­se­hent­lich unzu­tref­fen­de Anga­ben zum Dritt­schuld­ner die­ser For­de­rung gemacht hat, ist es nicht gerecht­fer­tigt, ihm in ent­spre­chen­der Anwen­dung des § 903 ZPO eine noch­ma­li­ge Abga­be einer eides­statt­li­chen Ver­si­che­rung und eine erneu­te Offen­ba­rung sei­nes gesam­ten Ver­mö­gens abzu­ver­lan­gen. Dies wider­sprä­che dem Zweck der Rege­lung des § 903 ZPO, im Inter­es­se des Schuld­ners und zur Ent­las­tung der Rechts­pfle­ge eine wie­der­hol­te Abga­be der eides­statt­li­chen Ver­si­che­rung über den­sel­ben Ver­mö­gens­ge­gen­stand zu ver­hin­dern 3. In einem sol­chen Fall reicht es viel­mehr aus, wenn der Gläu­bi­ger vom Schuld­ner eine – kos­ten­freie 4 – Nach­bes­se­rung des Ver­mö­gens­ver­zeich­nis­ses ver­lan­gen kann.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 3. Febru­ar 2011 – I ZB 50/​10

  1. BGH, Beschlüs­se vom 19.05.2004 – IXa ZB 297/​03, NJW 2004, 2979, 2980; vom 04.10.2007 – I ZB 11/​07, NJW-RR 2008, 1163 Rn. 8; und vom 20.11.2008 – I ZB 20/​06, WM 2009, 1431 Rn. 13[]
  2. OLG Köln, MDR 1975, 498; Musielak/​Voit, ZPO, 7. Aufl., § 903 Rn. 8 mwN; Zöller/​Stöber, ZPO, 28. Aufl., § 903 Rn. 7; Prütting/​Olzen, ZPO, 2. Aufl., § 903 Rn. 16; MünchKommZPO/​Eickmann, 3. Aufl., § 903 Rn. 10; vgl. auch KG, MDR 1990, 1124; aA Stein/​Jonas/​Münzberg, ZPO, 22. Aufl., § 903 Rn. 7[]
  3. vgl. Musielak/​Voit aaO § 903 Rn. 1[]
  4. vgl. Musielak/​Voit aaO § 903 Rn. 8 mwN[]