Nach­li­qui­da­ti­on von Umsatz­steu­er im Kos­ten­fest­set­zungs­ver­fah­ren

Der Nach­li­qui­da­ti­on der Mehr­wert­steu­er steht die Rechts­kraft eines frü­he­ren Kos­ten­fest­set­zungs­be­schlus­ses nicht ent­ge­gen. Hat der Erstat­tungs­be­rech­tig­te zunächst die Mehr­wert­steu­er nicht gel­tend gemacht und erklärt, vor­steu­er­ab­zugs­be­rech­tigt zu sein, so ent­schei­det das Erst­ge­richt nicht über die Mehr­wert­steu­er. Es hat kei­nen Anlass dar­über zu ent­schei­den, da ihre Fest­set­zung nicht bean­tragt ist. In die­sem Fall kann auch spä­ter noch Mehr­wert­steu­er ver­langt wer­den, ohne dass die Rechts­kraft des frü­he­ren Kos­ten­fest­set­zungs­be­schlus­ses ent­ge­gen­steht, da die­se nur das umfas­sen kann, über das auch ent­schie­den wor­den ist 1.

Nach­li­qui­da­ti­on von Umsatz­steu­er im Kos­ten­fest­set­zungs­ver­fah­ren

Anders jedoch, wenn die erstat­tungs­be­rech­tig­te Par­tei erklärt, vor­steu­er­ab­zugs­fä­hig zu sein, in ihrem Erstat­tungs­an­trag aber gleich­wohl (evtl. ver­se­hent­lich) die Umsatz­steu­er aus­weist: In die­sem Fall kommt eine Nach­fest­set­zung der Mehr­wert­steu­er für die Ver­tre­tung des Klä­gers nicht in Betracht. Das Gericht hat dann näm­lich im frü­he­ren (inzwi­schen bestands­kräf­ti­gen) Kos­ten­fest­set­zungs­be­schluss – anders als im ers­ten Fall – über die Mehr­wert­steu­er­erstat­tung ent­schie­den, indem es in den Grün­den der Ent­schei­dung aus­ge­führt hat, dass die vom Klä­ger im Kos­ten­fest­set­zungs­an­trag in Ansatz gebrach­te Mehr­wert­steu­er wegen der von ihm mit­ge­teil­ten Vor­steu­er­ab­zugs­be­rech­ti­gung nicht berück­sich­tigt wor­den sei. Da damit eine der Rechts­kraft fähi­ge Ent­schei­dung über die Mehr­wert­steu­er vor­lag, schei­det eine Nach­li­qui­da­ti­on aus 2. In die­sem Fall hilft dann nur noch eine frist­ge­bun­de­ne sofor­ti­ge Beschwer­de.

Han­sea­ti­sches Ober­lan­des­ge­richt Ham­burg, Beschluss vom 15. Juli 2010 – 4 W 180/​10

  1. OLG Stutt­gart NJW-RR 2009, 1004; OLG Düs­sel­dorf AGS 2006, 201; Gerol­d/­Schmidt-Mül­ler-Rabe, RVG, 19. Aufl., VV 7008 Rn. 63[]
  2. vgl. Gerol­d/­Schmidt-Mül­ler-Rabe, a. a. O., Rn. 65[]