Nach­trä­ge zum Miet­ver­trag – und die erfor­der­li­che Schrift­form

Der Ein­hal­tung der Schrift­form des Miet­ver­trags steht auch nicht ent­ge­gen, dass in dem zwei­ten Nach­trag nur der Miet­ver­trag, nicht aber der ers­te Nach­trag genannt wird. Die erfor­der­li­che Ein­heit der Urkun­de ist gleich­wohl gewahrt.

Nach­trä­ge zum Miet­ver­trag – und die erfor­der­li­che Schrift­form

Wer­den wesent­li­che ver­trag­li­che Ver­ein­ba­run­gen nicht im Miet­ver­trag selbst schrift­lich nie­der­ge­legt, son­dern in Anla­gen oder Nach­trä­gen aus­ge­la­gert, so dass sich der Gesamt­in­halt der miet­ver­trag­li­chen Ver­ein­ba­rung erst aus dem Zusam­men­spiel die­ser "ver­streu­ten" Bedin­gun­gen ergibt, müs­sen die Par­tei­en zur Wah­rung der Urkun­den­ein­heit die Zusam­men­ge­hö­rig­keit die­ser Schrift­stü­cke in geeig­ne­ter Wei­se zwei­fels­frei kennt­lich machen. Dazu bedarf es kei­ner kör­per­li­chen Ver­bin­dung die­ser Schrift­stü­cke. Viel­mehr genügt für die Ein­heit der Urkun­de die blo­ße gedank­li­che Ver­bin­dung, die in einer zwei­fels­frei­en Bezug­nah­me zum Aus­druck kom­men muss 1.

Die­sen Anfor­de­run­gen ist hier genügt. Aus der Bezeich­nung des Nach­trags als "2. Nach­trag zum Miet­ver­trag …" ergibt sich, dass es einen ers­ten Nach­trag geben muss. Das folgt auch aus der For­mu­lie­rung im Text des zwei­ten Nach­trags, der Mie­ter habe das Recht, das Miet­ver­hält­nis nach Ablauf des 30.11.2013 auf der Grund­la­ge des genann­ten Miet­ver­trags um wei­te­re fünf Jah­re zu ver­län­gern. Damit kommt klar zum Aus­druck, dass es über die Lauf­zeit­ver­ein­ba­rung im Miet­ver­trag hin­aus, die sich bis zum 30.11.2008 erstreckt, eine wei­te­re, die Lauf­zeit betref­fen­de Ver­ein­ba­rung gibt. Damit ist der ers­te Nach­trag gedank­lich zwei­fels­frei in Bezug genom­men, da bei­de Nach­trä­ge kei­ne ander­wei­ti­gen Rege­lun­gen als die die Lauf­zeit betref­fen­den ent­hal­ten.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 22. April 2015 – XII ZR 55/​14

  1. BGH, Urteil vom 09.04.2008 – XII ZR 89/​06 , NJW 2008, 2181 Rn. 24 mwN[]
  2. GVOBl. NEK S. 41, 46[]