Nach­träg­li­che Zulas­sung der Rechts­be­schwer­de

Eine nach­träg­li­che Zulas­sung der Rechts­be­schwer­de durch das Kol­le­gi­um eines Beschwer­de­se­nats kommt nur in Betracht, wenn die Nicht­zu­las­sung in dem vor­an­ge­gan­ge­nen Beschluss des ori­gi­nä­ren Ein­zel­rich­ters auf einem will­kür­li­chen Ver­stoß gegen Ver­fah­rens­grund­rech­te beruht.

Nach­träg­li­che Zulas­sung der Rechts­be­schwer­de

Eine nach­träg­li­che Zulas­sung der Rechts­be­schwer­de ist grund­sätz­lich nicht mög­lich 1. Sie kann auf eine Anhö­rungs­rü­ge oder befris­te­te Gegen­vor­stel­lung aus­nahms­wei­se nach­ge­holt wer­den, wenn die Nicht­zu­las­sung eine will­kür­li­che Ver­let­zung von Ver­fah­rens­grund­rech­ten des Beschwer­de­füh­rers dar­stellt 2.

Im vor­lie­gen­den Streit­fall sah der Bun­des­ge­richts­hof dies jedoch als nicht gege­ben an:

Ein will­kür­li­cher Ver­stoß gegen Ver­fah­rens­grund­rech­te ist im Streit­fall weder dem ange­foch­te­nen Beschluss des Ein­zel­rich­ters noch sei­nem Vor­la­ge­be­schluss zu ent­neh­men, noch wird er in der Gegen­vor­stel­lung des Klä­gers, in dem abän­dern­den Beschluss des Beschwer­de­Bun­des­ge­richts­hofs oder in der Rechts­be­schwer­de dar­ge­legt; er ist auch sonst nicht ersicht­lich.

Der Ein­zel­rich­ter hat sich aus­führ­lich mit der ober­ge­richt­li­chen Ent­schei­dung befasst, die dem Beschwer­de­se­nat Anlass zur Zulas­sung der Rechts­be­schwer­de gege­ben hat, und sie vor allem auf­grund einer spä­te­ren Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs nicht mehr als ent­schei­dungs­er­heb­lich ange­se­hen. Vor die­sem Hin­ter­grund ist die unter wört­li­cher Wie­der­ga­be der gesetz­li­chen Zulas­sungs­vor­aus­set­zun­gen in § 574 Abs. 2 ZPO aus­rei­chend und nicht etwa nur for­mel­haft und unter Ver­stoß gegen Art. 103 Abs. 1 GG begrün­de­te aus­drück­li­che Nicht­zu­las­sung durch­aus eine nach­voll­zieh­ba­re und recht­lich mög­li­che Ent­schei­dung, die den Ein­zel­rich­ter kei­nes­falls dem Vor­wurf objek­ti­ver Will­kür aus­setzt. Sei­ne Vor­la­ge stützt dies eben­falls nicht. Er hat damit ledig­lich dem Umstand Rech­nung tra­gen wol­len, dass das Kol­le­gi­um des Beschwer­de­se­nats die Zulas­sungs­fra­ge in zwei Par­al­lel­ver­fah­ren abwei­chend beur­teilt hat, auf den sich auch die Gegen­vor­stel­lung und der Ergän­zungs­be­schluss bezie­hen.

Ohne Erfolg ver­sucht die Rechts­be­schwer­de die Nicht­zu­las­sung des Ein­zel­rich­ters als Ver­stoß gegen Art. 101 GG dar­zu­stel­len, weil er nicht befugt gewe­sen sei, den Beschluss zu erlas­sen. Ledig­lich an einer Zulas­sung der Rechts­be­schwer­de ist der ori­gi­nä­re Ein­zel­rich­ter gemäß § 568 Satz 2 ZPO gehin­dert; die­se obliegt allein dem Kol­le­gi­um 3. So besteht eine zwin­gen­de Vor­la­ge­pflicht, wenn er der Sache grund­sätz­li­che Bedeu­tung bei­mes­sen will 4, nicht aber wenn er nach Prü­fung der Sach- und Rechts­la­ge die Vor­la­ge­vor­aus­set­zun­gen der beson­de­ren Schwie­rig­kei­ten tat­säch­li­cher oder recht­li­cher Art und Grund­satz­be­deu­tung nicht für erfüllt hält. Für ein inso­weit "ekla­tant will­kür­li­ches Vor­ge­hen" bei Erlass des ursprüng­li­chen Beschlus­ses besteht kein Anhalt.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 12. Dezem­ber 2012 – IV ZB 26/​12

  1. BGH, Beschluss vom 18.11.2009 – IV ZA 12/​09, m.w.N.[]
  2. BGH, Beschlüs­se vom 11.07.2007 – IV ZB 38/​06, VersR 2008, 274 Rn. 4; vom 15.02.2006 – IV ZB 57/​04, Fam­RZ 2006, 695 unter II 2 b; vom 04.07.2007 – VII ZB 28/​07, NJW-RR 2007, 1654 Rn. 6; vom 19.05.2004 – IXa ZB 182/​03, NJW 2004, 2529 unter III 3; und vom 07.03.2002 – IX ZB 11/​02, BGHZ 150, 133 unter 1 a; jeweils m.w.N.[]
  3. BGH, Beschluss vom 08.05.2012 – VIII ZB 91/​11, WuM 2012, 332 Rn. 4[]
  4. BGH, Beschluss vom 27.04.2010 VIII ZB 81/​09, WuM 2010, 385 Rn. 6[]