Nach­träg­li­che Zulas­sung der Rechts­be­schwer­de im Insol­venz­ver­fah­ren

Bedarf die Rechts­be­schwer­de gemäß § 574 Abs. 1 Satz 1 Nr. 2 ZPO der Zulas­sung durch das Beschwer­de­ge­richt, so fin­det die­ses Rechts­mit­tel nur statt, wenn es in der Beschwer­de­ent­schei­dung aus­drück­lich zuge­las­sen wor­den ist 1. Ent­hält eine Beschwer­de­ent­schei­dung kei­ne Aus­füh­rung über die Zulas­sung der Rechts­be­schwer­de, ist der Rechts­weg erschöpft.

Nach­träg­li­che Zulas­sung der Rechts­be­schwer­de im Insol­venz­ver­fah­ren

Der Bun­des­ge­richts­hof kann in die­sem Fall mit der Sache nicht mehr in statt­haf­ter Wei­se befasst wer­den. Das gilt unab­hän­gig davon, wel­che Erwä­gun­gen der Ent­schei­dung des Beschwer­de­ge­richts zugrun­de lagen, die Rechts­be­schwer­de nicht zuzu­las­sen. An einer Zulas­sung fehlt es auch, wenn das Beschwer­de­ge­richt sich über sie kei­ne Gedan­ken gemacht hat, weil es die grund­sätz­li­che Bedeu­tung der Sache oder die Abwei­chung von einer Ent­schei­dung des Bun­des­ge­richts­hofs nicht erkannt hat 2 oder rechts­ir­rig davon aus­ge­gan­gen ist, die Rechts­be­schwer­de sei kraft Geset­zes statt­haft 3.

Ein sol­cher Fall ist im hier vom BGH ent­schie­de­nen Fall gege­ben: Die gebo­te­ne Zulas­sung durch das Beschwer­de­ge­richt fehlt im Beschluss vom 13.12.2011. Der auf Gegen­vor­stel­lung des Schuld­ners ergan­ge­nen nach­träg­li­chen Zulas­sung durch Beschluss des Land­ge­richts vom 14.02.2012 kommt – unge­ach­tet der feh­len­den Zulas­sungs­be­fug­nis des Ein­zel­rich­ters 4 – kei­ne Bin­dungs­wir­kung zu. In der höchst­rich­ter­li­chen Recht­spre­chung ist aner­kannt, dass eine nach­träg­li­che Zulas­sung der Rechts­be­schwer­de durch das Beschwer­de­ge­richt für das Rechts­be­schwer­de­ge­richt nicht bin­dend ist, wenn das Beschwer­de­ge­richt bei sei­ner ursprüng­li­chen Ent­schei­dung von einer Zulas­sung abge­se­hen hat 5. Dies gilt ins­be­son­de­re dann, wenn das Beschwer­de­ge­richt bei sei­ner ursprüng­li­chen Ent­schei­dung irr­tüm­lich davon aus­ge­gan­gen ist, die Rechts­be­schwer­de sei schon nach dem Gesetz statt­haft 6.

Aus dem Beschluss ergibt sich, wie auch im Abän­de­rungs­be­schluss aus­ge­führt wird, dass das Land­ge­richt die zwi­schen­zeit­li­che Auf­he­bung des § 7 InsO über­se­hen hat. Der dar­in lie­gen­de Ver­fah­rens­feh­ler eröff­net kei­ne Sach­ent­schei­dung durch das Rechts­be­schwer­de­ge­richt 7.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 27. Sep­tem­ber 2012 – IX ZB 12/​12

  1. BGH, Beschluss vom 24.11.2003 – II ZB 37/​02, WM 2004, 1698, 1699; vom 19.05.2004 – IXa ZB 182/​03, NJW 2004, 2529; vom 12.03.2009 – IX ZB 193/​08, WM 2009, 1058 Rn. 5; vom 10.05.2012 – IX ZB 295/​11, ZIP 2012, 1146, Rn. 15[]
  2. BGH, Beschluss vom 24.11.2003, aaO; vom 10.05.2012, aaO[]
  3. BGH, Beschluss vom 24.07.2003 – IX ZB 539/​02, WM 2003, 1871, 1872 inso­weit nicht in BGHZ 156, 92 abge­druckt; vom 12.03.2009, aaO Rn. 9 f; vom 20.12.2011, aaO Rn. 6; vom 10.05.2012, aaO[]
  4. vgl. BGH, Beschluss vom 13.03.2003 – IX ZB 134/​02, BGHZ 154, 200, 202; vom 17.01.2008 – IX ZB 175/​06, WuM 2008, 158 Rn. 4; vom 24.11.2011 – VII ZB 33/​11, WM 2012, 140 Rn. 9 f[]
  5. BGH, Beschluss vom 24.11.2003, aaO; vom 12.03.2009, aaO Rn. 7 ff; vgl. fer­ner zur gleich­ge­la­ger­ten Pro­ble­ma­tik einer nach­träg­li­chen Revi­si­ons­zu­las­sung: BGH, Urteil vom 01.12.2011 – IX ZR 70/​10, WM 2012, 325 Rn. 7 ff[]
  6. BGH, Beschluss vom 12.03.2009, aaO Rn. 9[]
  7. vgl. BVerfGE 101, 331, 359 f; BGH, Urteil vom 11.12.2011, aaO Rn. 12[]