Nack­te Ober­bür­ger­meis­te­rin ver­letzt kein Per­sön­lich­keits­recht

Durch das Gemäl­de der nack­ten Ober­bür­ger­meis­te­rin, die nur mit Strap­sen und Amts­ket­te dar­ge­stellt wor­den war, fühl­te sich die betrof­fe­ne Dresd­ner Ober­bür­ger­meis­te­rin in ihrem Per­sön­lich­keits­recht ver­letzt.

Nack­te Ober­bür­ger­meis­te­rin ver­letzt kein Per­sön­lich­keits­recht

Anders als in der ers­ten Instanz noch das Land­ge­richt Dres­den hat nun das Ober­lan­des­ge­richt Dres­den ent­schie­den, dass das Gemäl­de der nack­ten Ober­bür­ger­meis­te­rin von der Mei­nungs- und Kunst­frei­heit gedeckt ist. Dem­entspre­chend wur­de der Antrag der Dresd­ner Ober­bür­ger­meis­te­rin Hel­ma Orosz auf Erlass einer einst­wei­li­gen Ver­fü­gung abge­wie­sen.

Das streit­ge­gen­ständ­li­che Kunst­werk sei ein Bild­nis aus dem Bereich der Zeit­ge­schich­te, wodurch kei­ne berech­tig­ten Inter­es­sen der Klä­ge­rin ver­letzt wer­den. Aller­dings müs­se auch hier­bei im Rah­men der Ver­hält­nis­mä­ßig­keit auf die Per­sön­lich­keits­rech­te geach­tet wer­den. Inso­weit sei im Ein­zel­fall eine Abwä­gung zwi­schen dem all­ge­mei­nen Per­sön­lich­keits­recht des Betrof­fe­nen einer­seits und der Kunst- und der Mei­nungs­frei­heit ande­rer­seits gebo­ten.

Die­se Abwä­gung fällt hier zuguns­ten der Künst­le­rin aus, da es bei dem Bild um eine sati­ri­sche Dar­stel­lung eines aktu­el­len poli­ti­schen Gesche­hens geht, die dem Schutz der all­ge­mei­nen Mei­nungs­frei­heit unter­lieg­te. Bei sati­ri­schen Dar­stel­lun­gen sei die Gren­ze bis zur Schmäh­kri­tik sehr weit zu zie­hen, da ihnen Über­trei­bun­gen, Ver­zer­run­gen und Ver­frem­dun­gen gera­de wesens­ei­gen sei­en.

Die Klä­ge­rin erschei­ne als Wer­be­rin in erkenn­bar sati­ri­scher Absicht für den hef­tig umstrit­te­nen Bau der Wald­schlöss­chen­brü­cke in Dres­den. Außer­dem ist zu berück­sich­ti­gen, dass sowohl der weib­li­che und auch der männ­li­che Akt zen­tra­les The­ma der Künst­le­rin sei. Somit lie­ge das Kunst­werk im Schutz­be­reich des Rechts auf freie Mei­nungs­äu­ße­rung.

Wei­ter­hin wer­de die Klä­ge­rin auch nicht in rei­ße­ri­scher Manier oder als Objekt männ­li­cher Begier­de zur Schau gestellt. Sie wer­de außer­dem – sym­bo­li­siert durch die Amts­ket­te – bei der Aus­übung ihrer poli­ti­schen Tätig­keit abge­bil­det, in der sie weit­ge­hen­den Ein­schrän­kun­gen ihrer Pri­vat­sphä­re unter­wor­fen sei. In ihrem Pri­vat­le­ben wer­de sie nicht dar­ge­stellt. Genau­so sei die Erkenn­bar­keit der Per­son Vor­aus­set­zung dafür, dass der Aus­sa­ge­ge­halt der Mei­nungs­äu­ße­rung erkenn­bar wer­de.

Aus die­sen Grün­den müs­se das Per­sön­lich­keits­recht der Klä­ge­rin hin­ter die Mei­nungs- und Kunst­frei­heit der Beklag­ten zurück­zu­tre­ten.

Ober­lan­des­ge­richt Dres­den, Urteil vom 16.0April 2010 – 4 U 127/​10