Nächt­li­che Kreuz­fahrt durch den Pana­ma­ka­nal

Ent­fällt bei einer Schiffs­rei­se der beson­de­re Höhe­punkt der Rei­se, liegt ein Man­gel vor, der zu einer Min­de­rung von 20 % des Rei­se­prei­ses berech­tigt. Aller­ding ist infol­ge des Man­gels die Rei­se ins­ge­samt nicht erheb­lich beein­träch­tigt wor­den, so dass kein Scha­dens­er­satz­an­spruch wegen ver­ta­ner Urlaubs­zeit besteht.

Nächt­li­che Kreuz­fahrt durch den Pana­ma­ka­nal

Mit die­ser Begrün­dung hat das Amts­ge­richt Mün­chen in dem hier vor­lie­gen­den Fall das Rei­se­un­ter­neh­men zur Zah­lung von wei­te­ren 1224,60 Euro ver­ur­teilt und im Übri­gen die Kla­ge wegen ver­ta­ner Urlaubs­zeit abge­wie­sen. Der Klä­ger aus 74547 Kün­zel­sau buch­te bei einem Münch­ner Rei­se­un­ter­neh­men eine Schiffs­rei­se nach Mit­tel­ame­ri­ka in der Zeit vom 20.2.13 bis 8.3.13 zum Preis von 8123 Euro. In der Ein­füh­rung der Rei­se­be­schrei­bung wur­de als "beson­de­rer Höhe­punkt" die Pas­sa­ge des Pana­ma­ka­nals ange­kün­digt. Nach dem Pro­spekt war geplant, dass das Schiff am 8. Rei­se­tag in Colon um 6.00 mor­gens die Anker Rich­tung Pana­ma­ka­nal lich­ten soll­te, um die 81,6 Kilo­me­ter lan­ge Durch­fahrt zu star­ten. Tat­säch­lich fand die Ein­fahrt in den Pana­ma­ka­nal jeden­falls nach 16 Uhr statt, so dass der über­wie­gen­de Teil der Durch­fahrt und ins­be­son­de­re auch die Durch­fahrt des Gatun-Sees im Dunk­len geschah, wobei die Schleu­sen mit Flut­licht auch nachts hell erleuch­tet sind.

Der Klä­ger ver­langt des­halb Min­de­rung des Rei­se­prei­ses und Scha­dens­er­satz wegen ver­ta­ner Urlaubs­zeit in Höhe von ins­ge­samt 4061,50 Euro, also die Hälf­te des Rei­se­prei­ses. Das Rei­se­un­ter­neh­men erstat­te­te frei­wil­lig wegen des Rei­se­man­gels 400,00 Euro.

In sei­ner Urteils­be­grün­dung hat das Amts­ge­richt Mün­chen aus­ge­führt, dass die Schiffs­rei­se man­gel­haft war, da die Durch­fahrt durch den Pana­ma­ka­nal nicht wie ver­trag­lich ver­ein­bart gegen 6.00 Uhr mor­gens begon­nen und gänz­lich tags­über durch­ge­führt wur­de, son­dern nur teil­wei­se tags­über, in der Däm­me­rung und in der Dun­kel­heit nachts. Die Tat­sa­che, dass die Schleu­sen hell beleuch­tet waren, sei in kei­ner Wei­se ver­gleich­bar mit einer Tages­durch­fahrt, da für das Erleb­nis der Durch­que­rung des Pana­ma­ka­nals ins­be­son­de­re die Natur am Ufer ent­schei­dend sei und nicht die Ansicht der beleuch­te­ten Schleu­sen.

Für die Höhe der Min­de­rungs­quo­te ist nach den Fest­stel­lun­gen des Urteils bei einer Kreuz­fahrt eine Gesamt­be­trach­tung der Rei­se erfor­der­lich. Es sind die ein­zel­nen Pro­gramm­punk­te zu gewich­ten und nicht nur die ein­zel­nen Rei­se­leis­tun­gen eines Tages gegen­über­zu­stel­len. Eine Kreuz­fahrt wei­se regel­mä­ßig eine bestimmt Prä­gung auf, die nicht ledig­lich durch die Fahrt­rou­te, die Dau­er der Rei­se sowie die Aus­stat­tung des Schif­fes bestimmt wird, son­dern wesent­lich auch durch die tou­ris­ti­schen Höhe­punk­te. Die ein­zel­nen Ele­men­te der Rei­se müs­sen daher gewich­tet und in ihrer Bedeu­tung bewer­tet wer­den. Die Durch­fahrt des Pana­ma­ka­nals wur­de als ein­zi­ger Pro­gramm­punkt in dem Pro­spekt als "High­light" bezeich­net und als beson­de­rer Höhe­punkt der Rei­se nach Mit­tel­ame­ri­ka. Der Gesamt­ein­druck der Rei­se­be­schrei­bung ver­mit­telt somit dem Rei­sen­den, dass die Durch­fahrt des Pana­ma­ka­nals als beson­de­rer Höhe­punkt der Rei­se anzu­se­hen ist. Daher hat das Amts­ge­richt eine Min­de­rungs­quo­te von 20 % für ange­mes­sen und aus­rei­chend gehal­ten.

Ein Scha­dens­er­satz­an­spruch wegen ver­ta­ner Urlaubs­zeit wur­de dem Klä­ger nicht zuge­spro­chen. Infol­ge des Man­gels bei der Durch­fahrt des Pana­ma­ka­nals sei die Rei­se ins­ge­samt nicht erheb­lich beein­träch­tigt wor­den. Das Amts­ge­richt Mün­chen stellt fest: Auch wenn nach der Durch­que­rung des Pana­ma­ka­nals eine ver­ständ­li­che Ver­är­ge­rung unter den Rei­sen­den und auch beim Klä­ger bemerk­bar war, was natur­ge­mäß mit einer Beein­träch­ti­gung des Urlaubs­ge­nus­ses ver­bun­den sein kann, ist fest­zu­stel­len, dass trotz der nicht zu ver­ken­nen­den Beein­träch­ti­gung das Erle­ben der Küs­ten Pana­mas und Cos­ta Ricas mit kul­tu­rel­len Hin­ter­grün­den und inter­es­san­ten Orten als sol­ches gebo­ten wur­de.

Amts­ge­richt Mün­chen, Urteil vom 17. Dezem­ber 2013 – 182 C 15953/​13