Nega­ti­ve Fest­stel­lungs­kla­ge – als Dritt­wi­der­kla­ge gegen den Zeden­ten der Kla­ge­for­de­rung

Erhebt der Beklag­te eine Dritt­wi­der­kla­ge (nega­ti­ve Fest­stel­lungs­kla­ge) gegen den Zeden­ten der Kla­ge­for­de­rung, so hat der Zedent bei einem sofor­ti­gen Aner­kennt­nis nur dann die Kos­ten der Dritt­wi­der­kla­ge zu tra­gen, wenn er sich vor­ge­richt­lich des Anspru­ches berühmt hat. Für ein Sich-Berüh­men genügt die iso­lier­te Abtre­tung auch dann nicht, wenn sie an den kla­gen­den Ehe­part­ner erfolgt.

Nega­ti­ve Fest­stel­lungs­kla­ge – als Dritt­wi­der­kla­ge gegen den Zeden­ten der Kla­ge­for­de­rung

Eine Motiv­for­schung, ob die Abtre­tung aus pro­zess­tak­ti­schen Erwä­gun­gen erfolgt sein könn­te, ist nicht gebo­ten. Dass unter Ver­an­las­sung im Sin­ne des § 93 ZPO auch iso­liert pro­zess­tak­ti­sche Erwä­gun­gen fal­len, ist der Vor­schrift nicht zu ent­neh­men. Es ist dem Gesetz­ge­ber vor­be­hal­ten, ob und inwie­weit er ein der­ar­ti­ges Ver­hal­ten kos­ten­recht­lich sank­tio­nie­ren will.

Ver­an­las­sung zur Kla­ge hat ein Beklag­ter gege­ben, wenn sein Ver­hal­ten vor Pro­zess­be­ginn ohne Rück­sicht auf sein Ver­schul­den und die mate­ri­el­le Rechts­la­ge gegen­über dem Klä­ger so war, dass die­ser anneh­men muss­te, er wer­de ohne Kla­ge nicht zu sei­nem Recht kom­men 1, mit­hin ein Ver­hal­ten gege­ben ist, wel­ches ver­nünf­ti­ger­wei­se den Schluss auf die Not­wen­dig­keit eines Pro­zes­ses recht­fer­tigt 2. Dar­aus folgt, dass es für die Fra­ge, ob der Beklag­te Anlass zur Kla­ge gege­ben hat, auf sein Ver­hal­ten vor dem Pro­zess ankommt 3. Dabei kommt es auf die ver­nünf­ti­ge, objek­ti­vier­te Sicht des Klä­gers an 4. Bei einer nega­ti­ven Fest­stel­lungs­kla­ge ist Ver­an­las­sung gege­ben, wenn sich der Beklag­te bestimm­ter Rechts­po­si­tio­nen berühmt und davon nicht Abstand genom­men hat 5.

Ein sol­ches Ver­hal­ten ist vor­lie­gend nicht fest­stell­bar. Dass die Zeden­tin vor Erhe­bung der nega­ti­ven Fest­stel­lungs­kla­ge Anlass zur Kla­ge­er­he­bung gege­ben hat, ist nicht ersicht­lich.

Vor­pro­zes­su­al ist die Zeden­tin nicht an die Beklag­te mit Scha­den­er­satz­an­sprü­chen her­an­ge­tre­ten. Im Schrei­ben vom 19.10.2011 an die Beklag­te und im Güte­an­trag hat ledig­lich der Klä­ger als Abtre­tungs­emp­fän­ger Scha­den­er­satz­an­sprü­che gegen­über der Beklag­te gel­tend gemacht.

Eine abwei­chen­de Beur­tei­lung ist auch nicht des­halb gebo­ten, weil der Klä­ger aus­weis­lich der Kla­ge­schrift Scha­dens­er­satz­an­sprü­che "aus eige­nem und aus abge­lei­te­tem Recht" gegen­über der Beklag­ten gel­tend gemacht und sich inso­fern auf eine Abtre­tung der Ansprü­che sei­tens der Zeden­tin an ihn, betref­fend die gemein­sa­me Fonds­be­tei­li­gung, bezo­gen hat. Gegen ein Sich-Berüh­men eige­ner Scha­den­er­satz­an­sprü­che gegen­über der Beklag­te spricht bereits, dass der Beklag­te die Abtre­tung zunächst unbe­kannt geblie­ben ist und sie offen­bar erst durch das Scha­den­er­satz­ver­lan­gen des Klä­gers in sei­nem Schrei­ben vom 19.10.2011 dar­auf auf­merk­sam gemacht wor­den ist. Zu die­sem Zeit­punkt war die Zeden­tin aber nicht mehr Inha­be­rin der Ansprü­che. Zudem hat die Zeden­tin mit der Abtre­tung gegen­über der Beklag­ten gera­de zu ver­ste­hen gege­ben, dass ihr eine eige­ne zur Gel­tend­ma­chung von Scha­den­er­satz­an­sprü­chen berech­ti­gen­de Rechts­po­si­ti­on nicht mehr zustand. Aus Sicht der Beklag­ten kann danach der blo­ßen Abtre­tung kein Sich-Berüh­men eige­ner Scha­den­er­satz­an­sprü­che ihr gegen­über bei­gemes­sen wer­den 6.

Auch die Ver­mu­tung, die Abtre­tung sei allein aus pro­zess­tak­ti­schen Erwä­gun­gen erfolgt, recht­fer­tigt nicht die Annah­me, die Beklag­te habe sich vor­pro­zes­su­al der Scha­den­er­satz­an­sprü­che berühmt. Dass unter "Ver­an­las­sung" im Sin­ne des § 93 ZPO auch iso­liert pro­zess­tak­ti­sche Erwä­gun­gen und Zie­le fal­len, ist der Vor­schrift nicht zu ent­neh­men. Es ist dem Gesetz­ge­ber vor­be­hal­ten, ob und inwie­weit er ein der­ar­ti­ges Ver­hal­ten kos­ten­recht­lich sank­tio­nie­ren will. Gegen eine Aner­ken­nung pro­zess­tak­ti­scher Erwä­gun­gen als "Ver­an­las­sung" im Sin­ne des § 93 ZPO spre­chen auch die erheb­li­chen Abgren­zungs­schwie­rig­kei­ten zwi­schen "pro­zess­tak­ti­schen" und ander­wei­tig moti­vier­ten "neu­tra­len" Abtre­tun­gen. Das Ober­lan­des­ge­richt kann sich durch­aus Kon­stel­la­tio­nen vor­stel­len, in denen ein Anspruchs­in­ha­ber aus ande­ren als pro­zess­tak­ti­schen Grün­den For­de­run­gen abtritt. Abzu­stel­len ist bei der Kos­ten­ent­schei­dung gemäß § 93 ZPO daher allein auf die Ver­an­las­sung im Hin­blick auf das sach­li­che Kla­ge­ziel. Dies erfor­dert bei einer nega­ti­ven Fest­stel­lungs­kla­ge zumin­dest, dass sich der Geg­ner zuvor in der Sache ent­ge­gen­ste­hend berühmt hat 7.

Gegen­tei­li­ges ergibt sich schließ­lich auch nicht aus der Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs zum recht­li­chen Inter­es­se an einer iso­lier­ten Dritt­wi­der­kla­ge. Danach fußt das recht­li­che Inter­es­se an einer der­ar­ti­gen iso­lier­ten Dritt­wi­der­kla­ge aus­schließ­lich auf dem Umstand, dass im Fal­le einer Rück­ab­tre­tung die Rechts­kraf­ter­stre­ckung nach § 325 Abs. 1 S. 1 ZPO gegen­über der Zeden­tin die Wirk­sam­keit der Abtre­tung vor­aus­setzt, die nicht ein­tritt, wenn die Abtre­tung von vor­ne­her­ein nich­tig war oder auf Grund einer spä­te­ren Anfech­tung durch die Dritt­wi­der­be­klag­te rück­wir­kend unwirk­sam wird und dies vom Stand­punkt der Beklag­ten aus nicht aus­ge­schlos­sen wer­den kann 8. Der Bun­des­ge­richts­hof hat es ledig­lich als uner­heb­lich für das zur Erhe­bung der nega­ti­ven Fest­stel­lungs­kla­ge erfor­der­li­che Fest­stel­lungs­in­ter­es­se ange­se­hen, dass sich der Zedent nach der Abtre­tung kei­ner eige­nen Ansprü­che mehr berühmt hat. Der Ent­schei­dung kann aber ande­rer­seits nicht ent­nom­men wer­den, das bereits in der blo­ßen Abtre­tung einer For­de­rung eine Ver­an­las­sung zur Kla­ge­er­he­bung im Sin­ne des § 93 ZPO liegt 9.

Der Wert der Dritt­wi­der­kla­ge erhöht nicht den Kos­ten­streit­wert für die Gerichts­kos­ten. Eine Addi­ti­on der Gegen­stands­wer­te von Kla­ge und Dritt­wi­der­kla­ge fin­det nicht statt, da sie den­sel­ben Streit­ge­gen­stand betref­fen und daher nach § 45 Abs. 1 S. 3 GKG nur der Wert des höhe­ren Anspruchs maß­ge­bend ist. Im vor­lie­gen­den Fall haben bei­de Ansprü­che den­sel­ben Wert. Der Wert der nega­ti­ven Fest­stel­lungs­kla­ge war wegen der ver­nich­ten­den Wir­kung eines obsie­gen­den Urteils so hoch zu bewer­ten, wie der Anspruch, des­sen sich die Dritt­wi­der­be­klag­te berühmt haben soll 10.

Ober­lan­des­ge­richt Cel­le, Beschluss vom 9. Janu­ar 2015 – 11 W 37/​14

  1. Her­get in: Zöl­ler, ZPO, 30. Aufl.2014, § 93 Rn. 3 m.w.N.; Bork in Stein/​Jonas, ZPO, 22. Aufl.2004, § 93 Rn. 13; Lack­mann in: Musielak, ZPO, 11. Aufl.2014, § 93 Rn. 2[]
  2. Hart­mann in: Baumbach/​Lauterbach/​Albers/​Hartmann, ZPO, 71. Aufl.2013, § 93 Rn. 29 m.w.N.[]
  3. BGH, Beschluss vom 28.09.2006 – IX ZB 232/​04 7[]
  4. Bork in: Stein/​Jonas, a.a.O., § 93 Rn. 13 m.w.N.[]
  5. Schnei­der in: Prütting/​Gehrlein, ZPO, 6. Aufl.2014, § 93 ZPO Rn. 4[]
  6. vgl. KG, Beschluss vom 20.11.2011 – 4 W 51/​12; OLG Hamm, Beschluss vom 29.01.2012 – 34 W 183/​12[]
  7. eben­so OLG Braun­schweig, Beschluss vom 17.07.2013 – 1 W 24/​13[]
  8. BGH, Beschluss vom 13.06.2008 – V ZR 114/​07 34[]
  9. vgl. KG Ber­lin, Beschluss vom 20.11.2012 – 4 W 51/​12; OLG Hamm, Beschluss vom 29.01.2012 – 34 W 183/​12[]
  10. vgl. Her­get in: Zöl­ler, a.a.O., § 3 Rn. 16 "Fest­stel­lungs­kla­ge"; BGH, Beschluss vom 29.04.2004 – III ZB 72/​03 16; OLG Cel­le, Urteil vom 18.06.2009 – 11 U 193/​08; OLG Karls­ru­he, Beschluss vom 16.06.2011 – 9 W 19/​11 12; OLG Koblenz, Beschluss vom 06.03.2002 – 5 W 100/​02 11[]