Neu­er Par­tei­vor­trag im Revi­si­ons­ver­fah­ren

Nach § 559 Abs. 1 Satz 1 ZPO unter­liegt der Beur­tei­lung des Revi­si­ons­ge­richts nur das­je­ni­ge Par­tei­vor­brin­gen, das aus dem Beru­fungs­ur­teil oder dem Sit­zungs­pro­to­koll ersicht­lich ist.

Neu­er Par­tei­vor­trag im Revi­si­ons­ver­fah­ren

Die Urteils­grund­la­ge wird also regel­mä­ßig durch das Ende der Beru­fungs­ver­hand­lung abge­schlos­sen; neue Tat­sa­chen dür­fen im Revi­si­ons­ver­fah­ren grund­sätz­lich nicht berück­sich­tigt wer­den [1].

Zwar hat die Recht­spre­chung aus pro­zess­wirt­schaft­li­chen Grün­den Aus­nah­men von dem sich aus § 559 Abs. 1 Satz 1 ZPO erge­ben­den Grund­satz zuge­las­sen. Ins­be­son­de­re ist die Norm ein­schrän­kend dahin aus­zu­le­gen, dass in der Revi­si­on in bestimm­tem Umfang auch neue, im Hin­blick auf die mate­ri­el­le Rechts­la­ge rele­van­te Tat­sa­chen berück­sich­tigt wer­den kön­nen, wenn die Tat­sa­chen unstrei­tig sind und schüt­zens­wer­te Belan­ge der Gegen­par­tei nicht ent­ge­gen­ste­hen.

Vor­aus­set­zung hier­für ist aber regel­mä­ßig, dass die neu­en Tat­sa­chen erst wäh­rend des Revi­si­ons­ver­fah­rens bzw. nach Schluss der letz­ten münd­li­chen Ver­hand­lung in der Beru­fungs­in­stanz ein­ge­tre­ten sind [2].

Bun­des­ar­beits­ge­richt, Urteil vom 20. Novem­ber 2019 – 5 AZR 39/​19

  1. vgl. BGH 14.10.2009 – XII ZR 146/​08, Rn. 26[]
  2. vgl. BGH 2.03.2017 – I ZR 273/​14, Rn. 44; 23.09.2014 – VI ZR 358/​13, Rn. 21 mwN, BGHZ 202, 242; näher hier­zu und zu wei­te­ren Aus­nah­men in Bezug auf pro­zes­su­al und mate­ri­ell bedeut­sa­me Tat­sa­chen Musielak/​Voit/​Ball 16. Aufl. ZPO § 559 Rn. 8 ff.; Münch­Komm-ZPO/­Krü­ger 5. Aufl. § 559 Rn. 25 ff., jeweils mwN[]