Nicht­be­rück­sich­ti­gung eines erheb­li­chen Beweis­an­ge­bots

Art. 103 Abs. 1 GG ver­pflich­tet das Gericht, die Aus­füh­run­gen der Pro­zess­be­tei­lig­ten zur Kennt­nis zu neh­men und in Erwä­gung zu zie­hen. Das Gebot des recht­li­chen Gehörs soll als Pro­zess­grund­recht sicher­stel­len, dass die Ent­schei­dung frei von Ver­fah­rens­feh­lern ergeht, wel­che ihren Grund in unter­las­se­ner Kennt­nis­nah­me und Nicht­be­rück­sich­ti­gung des Sach­vor­trags der Par­tei­en haben.

Nicht­be­rück­sich­ti­gung eines erheb­li­chen Beweis­an­ge­bots

In die­sem Sin­ne gebie­tet Art. 103 Abs. 1 GG in Ver­bin­dung mit den Grund­sät­zen der Zivil­pro­zess­ord­nung die Berück­sich­ti­gung erheb­li­cher Beweis­an­trä­ge. Die Nicht­be­rück­sich­ti­gung eines erheb­li­chen Beweis­an­ge­bots ver­stößt gegen Art. 103 Abs. 1 GG, wenn sie im Pro­zess­recht kei­ne Stüt­ze fin­det 1.

Soweit das Gericht auf die feh­len­de Dar­le­gung der Beklag­ten ver­weist, über­spannt es die Anfor­de­run­gen an deren Dar­le­gungs­last. Die Beklag­ten genüg­ten als Schä­di­ger ihrer Dar­le­gungs­last, indem sie erspar­te Auf­wen­dun­gen im Hin­blick auf beruf­lich beding­te Fahrt­kos­ten ein­wand­ten 2. Es oblag nicht ihnen, zugleich auf Nach­tei­le hin­zu­wei­sen, die den Vor­tei­len wie­der gegen­über­stan­den. Ins­be­son­de­re muss­ten sie nicht die Höhe even­tu­el­ler Nach­tei­le dar­le­gen. Es war viel­mehr Auf­ga­be des Gerichts, gege­be­nen­falls gemäß § 287 ZPO eine Scha­dens­schät­zung vor­zu­neh­men und dazu die erfor­der­li­chen Fest­stel­lun­gen zu tref­fen.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 13. Janu­ar 2015 – VI ZR 551/​13

  1. vgl. BGH, Beschluss vom 12.05.2009 – VI ZR 275/​08, VersR 2009, 1137 Rn. 2 mwN[]
  2. vgl. BGH, Urteil vom 10.02.1987 – VI ZR 17/​86, VersR 1987, 668, 669 9; OLG Mün­chen, Urteil vom 21.05.2010 – 10 U 2853/​06 366; OLG Sach­sen-Anhalt, Scha­den-Pra­xis 1999, 90 4[]