Nichtberücksichtigung eines erheblichen Beweisangebots – und Widersprüche im Parteivortrag

Die Nichtberücksichtigung eines erheblichen Beweisangebots verstößt gegen Art. 103 Abs. 1 GG, wenn sie im Prozessrecht keine Stütze findet1.

Nichtberücksichtigung eines erheblichen Beweisangebots – und Widersprüche im Parteivortrag

Das ist unter anderem dann der Fall, wenn ein Gericht die Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs missachtet, wonach die Ablehnung eines Beweisantrags für eine erhebliche Tatsache nur zulässig ist, wenn diese so ungenau bezeichnet ist, dass ihre Erheblichkeit nicht beurteilt werden kann oder wenn sie ins Blaue hinein aufgestellt worden ist2.

Die Berücksichtigung eindieses Beweisangebots kann nicht mit der Begründung unterbleiben, das betreffende Vorbringen der Klägerin stehe zu anderweitiger Korrespondenz der Klägerin im Widerspruch. Die Nichtberücksichtigung eines erheblichen Beweisangebots wegen derartiger vermeintlicher Widersprüche läuft auf eine prozessual unzulässige vorweggenommene tatrichterliche Beweiswürdigung hinaus und verstößt gegen Art. 103 Abs. 1 GG3.

Derartige Widersprüche können im Rahmen der Beweiswürdigung Beachtung finden4.

Bundesgerichtshof, Beschluss vom 23. April 2015 – VII ZR 163/14

  1. vgl. BGH, Beschluss vom 29.04.2013 – VII ZR 37/12 9; BVerfG, NJW 2009, 1585 Rn. 21 []
  2. vgl. BVerfG, ZIP 1996, 1761, 1762; BGH, Urteil vom 23.04.1991 – X ZR 77/89, NJW 1991, 2707, 2709; Urteil vom 12.07.1984 – VII ZR 123/83, NJW 1984, 2888, 2889 []
  3. vgl. BGH, Beschluss vom 06.02.2013 – I ZR 22/12, TranspR 2013, 430 Rn. 11; Beschluss vom 19.11.2008 – IV ZR 341/07, RuS 2010, 64 Rn. 3 []
  4. vgl. BGH, Beschluss vom 06.02.2013 – I ZR 22/12, TranspR 2013, 430 Rn. 11 []