Nicht­zu­las­sungs­be­schwer­de – und die Anfor­de­run­gen an die Beschwer­de­schrift

An den not­wen­di­gen Inhalt der Beschwer­de­schrift gemäß § 544 Abs. 1 ZPO sind die glei­chen Anfor­de­run­gen zu stel­len, denen die Revi­si­ons­schrift (§ 549 Abs. 1 ZPO) und hier­mit über­ein­stim­mend die Beru­fungs­schrift unter­liegt, da nach § 544 Abs. 6 Satz 2 ZPO die for­mund frist­ge­rech­te Ein­le­gung der Nicht­zu­las­sungs­be­schwer­de im Fall der Revi­si­ons­zu­las­sung als Ein­le­gung der Revi­si­on gilt 1.

Nicht­zu­las­sungs­be­schwer­de – und die Anfor­de­run­gen an die Beschwer­de­schrift

Nach der stän­di­gen Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs gehört zu dem not­wen­di­gen Inhalt der Beru­fungs­schrift nach § 519 Abs. 2 ZPO wie auch der Revi­si­ons­schrift nach § 549 Abs. 1 ZPO die Anga­be, für und gegen wel­che Par­tei das Rechts­mit­tel ein­ge­legt wird. Die Rechts­mit­tel­schrift muss ent­we­der für sich allein betrach­tet oder mit Hil­fe wei­te­rer Unter­la­gen bis zum Ablauf der Rechts­mit­tel­frist ein­deu­tig erken­nen las­sen, wer Rechts­mit­tel­füh­rer und wer Rechts­mit­tel­geg­ner sein soll 2.

Dabei sind an die Bezeich­nung des Rechts­mit­tel­geg­ners weni­ger stren­ge Anfor­de­run­gen zu stel­len. Besteht der in der Vor­in­stanz obsie­gen­de Geg­ner aus meh­re­ren Streit­ge­nos­sen, rich­tet sich das Rechts­mit­tel im Zwei­fel gegen die gesam­te ange­foch­te­ne Ent­schei­dung und somit gegen alle geg­ne­ri­schen Streit­ge­nos­sen, es sei denn, die Rechts­mit­tel­schrift lässt eine Beschrän­kung der Anfech­tung erken­nen 3. Eine sol­che Beschrän­kung kann sich dar­aus erge­ben, dass in der Rechts­mit­tel­schrift nur eini­ge der auf der Gegen­sei­te ste­hen­den Streit­ge­nos­sen ange­ge­ben wer­den 4. Dies ist jedoch nicht zwin­gend. So hat der Bun­des­ge­richts­hof eine unbe­schränk­te Beru­fungs­ein­le­gung auch in Fäl­len bejaht, in denen als Rechts­mit­tel­geg­ner nur einer von meh­re­ren Streit­ge­nos­sen, und zwar der im Urteils­ru­brum an ers­ter Stel­le Ste­hen­de, genannt wur­de 5. Wer­den in der Rechts­mit­tel­schrift nur eini­ge der geg­ne­ri­schen Streit­ge­nos­sen als Rechts­mit­tel­be­klag­te bezeich­net, so lässt dies nicht stets und unab­hän­gig von den Umstän­den des ein­zel­nen Fal­les eine ent­spre­chen­de Beschrän­kung des Rechts­mit­tels erken­nen 6.

Weil auch die Bezeich­nung einer Par­tei als Teil einer Pro­zess­hand­lung aus­le­gungs­fä­hig ist, kommt es für die Fra­ge, ob eine Beschrän­kung der Anfech­tung gewollt ist, letzt­lich auf eine voll­stän­di­ge Wür­di­gung des gesam­ten Vor­gangs der Rechts­mit­tel­ein­le­gung bis zum Ablauf der Rechts­mit­tel­frist an. Dabei kön­nen sich aus einer bei­gefüg­ten Aus­fer­ti­gung oder beglau­big­ten Abschrift des ange­foch­te­nen Urteils oder aus sons­ti­gen bei­gefüg­ten Unter­la­gen ent­schei­den­de Hin­wei­se auf den Umfang der Anfech­tung erge­ben. Beson­de­re Bedeu­tung kommt der Fra­ge zu, ob eine Beschrän­kung des Rechts­mit­tel­an­griffs auf einen Teil der bis­he­ri­gen Pro­zess­geg­ner in Anbe­tracht des der Vor­in­stanz unter­brei­te­ten Streit­stoffs unge­wöhn­lich oder gar fern­lie­gend erscheint 7.

Bei Anwen­dung die­ser Grund­sät­ze ver­moch­te der Bun­des­ge­richts­hof der vor­lie­gen­den Beschwer­de­schrift kei­ne Beschrän­kung der Anfech­tung auf die Beklag­ten zu 1 und 2 zu ent­neh­men. Die Beschwer­de­schrift lässt viel­mehr unter Ein­be­zie­hung des Beru­fungs­ur­teils noch hin­rei­chend klar erken­nen, dass sich die Nicht­zu­las­sungs­be­schwer­de gegen alle drei Beklag­ten rich­ten soll.

Aller­dings fehlt bei der Beklag­ten zu 3 die Anga­be der Par­tei­rol­le, wäh­rend die Beklag­ten zu 1 und 2 eben­so wie die Neben­in­ter­ve­ni­en­tin zu 2 jeweils als "Beklag­te, Beru­fungs­klä­ge­rin und Beschwer­de­geg­ne­rin" bezeich­net sind. Hier­aus erschließt sich aber nicht, dass die Beschwer­de auf die Beklag­ten zu 1 und 2 beschränkt wer­den soll­te. Da bei der Beklag­ten zu 3 jede Anga­be zu einer Par­tei­rol­le fehlt, sie ins­be­son­de­re auch nicht wie die bei­den ande­ren Beklag­ten als Beklag­te und Beru­fungs­klä­ge­rin bezeich­net wur­de, obwohl die­se Anga­ben auf sie in glei­cher Wei­se zutra­fen, bleibt das Feh­len der Bezeich­nung "Beschwer­de­geg­ne­rin" ohne maß­ge­ben­den Aus­sa­ge­wert. Es ist viel­mehr offen­sicht­lich, dass die bei der Beklag­ten zu 3 voll­stän­dig unter­blie­be­ne Anga­be der Par­tei­rol­len auf einem Ver­se­hen beruh­te, wie auch die Bezeich­nung der zur Unter­stüt­zung der Beklag­ten zu 3 bei­getre­te­nen Neben­in­ter­ve­ni­en­tin zu 2 als "Beklag­te, Beru­fungs­klä­ge­rin und Beschwer­de­geg­ne­rin" ersicht­lich irr­tüm­lich erfolg­te.

Nach den Umstän­den des vor­lie­gen­den Fal­les muss­te eine Beschrän­kung des Rechts­mit­tel­an­griffs auf die Beklag­ten zu 1 und 2 eher fern­lie­gend erschei­nen. Dem der Beschwer­de­schrift bei­gefüg­ten Beru­fungs­ur­teil konn­te ent­nom­men wer­den, dass das Land­ge­richt die Beklag­ten zu 2 und 3 als Gesamt­schuld­ner zur Zah­lung ver­ur­teilt hat­te und das Beru­fungs­ge­richt kei­ne Auf­klä­rungs­pflicht­ver­let­zung fest­stel­len konn­te, die Kla­ge mit­hin aus einem für alle drei Beklag­ten in glei­cher Wei­se gel­ten­den Grund abge­wie­sen hat. Anhalts­punk­te für eine bei einer Anfech­tung des Beru­fungs­ur­teils zwi­schen den Beklag­ten zu 1 und 2 einer­seits sowie der Beklag­ten zu 3 ande­rer­seits sinn­voll vor­zu­neh­men­de Dif­fe­ren­zie­rung lagen nicht vor.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 20. Novem­ber 2018 – II ZR 196/​16

  1. BGH, Beschluss vom 24.09.2013 – II ZR 291/​11 7 mwN[]
  2. BGH, Beschluss vom 24.09.2013 – II ZR 291/​11 8; Urteil vom 21.07.2017 – V ZR 72/​16, WuM 2017, 736 Rn. 8; Beschluss vom 08.08.2017 – X ZB 9/​15 14, jew. mwN[]
  3. BGH, Beschluss vom 15.05.2006 – II ZB 5/​05, BGHR 2006, 1049 Rn. 9; Beschluss vom 09.09.2008 – VI ZB 53/​07, NJW-RR 2009, 208 Rn. 5; Beschluss vom 11.05.2010 – VIII ZB 93/​09, NJW-RR 2011, 281 Rn. 11; Beschluss vom 24.09.2013 – II ZR 291/​11, uris Rn. 9[]
  4. BGH, Beschluss vom 26.09.1961 – V ZB 24/​61, NJW 1961, 2347; Urteil vom 29.06.1987 – II ZR 173/​86, ZIP 1987, 1316, 1317[]
  5. vgl. BGH, Urteil vom 21.06.1983 – VI ZR 245/​81, NJW 1984, 58 f.; Urteil vom 08.11.2001 – VII ZR 65/​01, NJW 2002, 831, 832; Beschluss vom 11.05.2010 – VIII ZB 93/​09, NJW-RR 2011, 281 Rn. 12; Urteil vom 15.12 2010 XII ZR 18/​09, NJW-RR 2011, 359 Rn. 12[]
  6. vgl. hier­zu BGH, Urteil vom 21.06.1983 – VI ZR 245/​81, NJW 1984, 58, 59; Urteil vom 20.01.1988 – VIII ZR 296/​86, NJW 1988, 1204, 1205; Urteil vom 08.11.2001 – VII ZR 65/​01, NJW 2002, 831, 832; Urteil vom 11.07.2003 – V ZR 233/​01, NJW 2003, 3203, 3204; Urteil vom 14.02.2008 – III ZR 73/​07 6 f.[]
  7. BGH, Urteil vom 15.12 2010 XII ZR 18/​09, NJW-RR 2011, 359 Rn. 12 f.; Beschluss vom 24.09.2013 – II ZR 291/​11 10; Beschluss vom 08.08.2017 – X ZB 9/​15 14 mwN[]