Not­an­walt

Vor dem Bun­des­ge­richts­hof müs­sen sich die Par­tei­en von einem dort zuge­las­se­nen Rechts­an­walt ver­tre­ten las­sen (§ 78 Abs. 1 Satz 2 ZPO). Nach § 78b Abs. 1 ZPO kann einer Par­tei ein Rechts­an­walt bei­geord­net wer­den, wenn sie kei­nen zu ihrer Ver­tre­tung berei­ten Rechts­an­walt fin­det und die Rechts­ver­fol­gung nicht mut­wil­lig oder aus­sichts­los erscheint.

Not­an­walt

Die zuerst genann­te Vor­aus­set­zung des § 78b Abs. 1 ZPO ist nur erfüllt, wenn die Par­tei zumut­ba­re Anstren­gun­gen unter­nom­men und ihre ver­geb­li­chen Bemü­hun­gen dem Gericht sub­stan­ti­iert dar­ge­legt und gege­be­nen­falls nach­ge­wie­sen hat 1. Hat die Par­tei, wie hier, zunächst einen zu ihrer Ver­tre­tung berei­ten Rechts­an­walt man­da­tiert, kommt im Fall der spä­te­ren Man­dats­nie­der­le­gung die Bestel­lung eines Not­an­walts nur dann in Betracht, wenn die Par­tei die Been­di­gung des Man­dats nicht zu ver­tre­ten hat. Das hat die Par­tei eben­falls dar­zu­le­gen 2.

Dar­an fehlt es im hier ent­schie­de­nen Fall: Zu den Grün­den der Man­dats­nie­der­le­gung des zunächst man­da­tier­ten Rechts­an­walts hat der Klä­ger nicht vor­ge­tra­gen. Auch sei­ne Anstren­gun­gen, einen ande­ren zur Ver­tre­tung berei­ten, beim Bun­des­ge­richts­hof zuge­las­se­nen Rechts­an­walt zu fin­den, hat der Klä­ger nicht aus­rei­chend dar­ge­legt und nach­ge­wie­sen. Er hat sei­nen Vor­trag, auch soweit er einen beim Bun­des­ge­richts­hof zuge­las­se­nen Rechts­an­walt nament­lich benannt oder Grün­de für die Man­dats­ab­leh­nung vor­ge­tra­gen hat, nicht belegt. Dar­über hin­aus fehlt kon­kre­ter Vor­trag dazu, an wel­che Rechts­an­wäl­te der Klä­ger sich ver­geb­lich gewandt hat. Ihm wäre jeden­falls zuzu­mu­ten gewe­sen, sich an mehr als vier der beim Bun­des­ge­richts­hof zuge­las­se­nen Rechts­an­wäl­te zu wen­den 3.

Die Rechts­ver­fol­gung des Klä­gers erscheint auch aus­sichts­los, weil sei­ne Rechts­be­schwer­de wegen Ver­säu­mung der Beschwer­de­be­grün­dungs­frist als unzu­läs­sig zu ver­wer­fen ist. Eine Wie­der­ein­set­zung des Klä­gers in den vori­gen Stand kommt nicht in Betracht. Zwar kann einer Par­tei, die kei­nen zu ihrer Ver­tre­tung berei­ten Rechts­an­walt gefun­den hat, im Fall der Bestel­lung eines Not­an­walts Wie­der­ein­set­zung in den vori­gen Stand bewil­ligt wer­den; dies setzt aber vor­aus, dass die Par­tei die für die Bestel­lung eines Not­an­walts erfor­der­li­chen Vor­aus­set­zun­gen inner­halb der noch lau­fen­den Frist dar­legt 4. Das hat der Klä­ger nicht getan.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 20. April 2015 – IV ZB 3/​15

  1. BGH, Beschluss vom 16.02.2004 – IV ZR 290/​03, NJW-RR 2004, 864 unter 2 a; BGH, Beschluss vom 24.06.2014 – VI ZR 226/​13, VersR 2014, 1150 Rn.2 jeweils m.w.N.[]
  2. BGH, Beschlüs­se vom 24.06.2014 aaO; vom 18.12 2013 – III ZR 122/​13, NJW-RR 2014, 378 Rn. 9 jeweils m.w.N.[]
  3. BGH, Beschluss vom 16.02.2004 aaO[]
  4. vgl. BGH, Beschlüs­se vom 24.06.2014 aaO Rn. 5; vom 18.12 2013 aaO Rn. 9 jeweils m.w.N.[]