Nota­rhaf­tung – und der zu erset­zen­de Scha­den

Zur Beant­wor­tung der Fra­ge, wel­chen Scha­den eine Amts­pflicht­ver­let­zung zur Fol­ge hat, ist in den Blick zu neh­men, wel­chen Ver­lauf die Din­ge bei pflicht­ge­mä­ßem Ver­hal­ten genom­men hät­ten und wie die Ver­mö­gens­la­ge des Betrof­fe­nen sein wür­de, wenn der Notar die Pflicht­ver­let­zung nicht began­gen hät­te 1.

Nota­rhaf­tung – und der zu erset­zen­de Scha­den

Die erfor­der­li­che Fest­stel­lung die­ses Ursa­chen­zu­sam­men­hangs gehört zur haf­tungs­aus­fül­len­den Kau­sa­li­tät, so dass dem Geschä­dig­ten die Beweis­erleich­te­rung des § 287 ZPO zugu­te kommt 2.

In dem hier vom Bun­des­ge­richts­hof ent­schie­de­nen Fall­mag der Notar zwar eine ihm gegen­über dem Käu­fer oblie­gen­de Hin­weis- und Beleh­rungs­pflicht (§ 17 Abs. 1 BeurkG, § 14 Abs. 1 Satz 2 BNo­tO) fahr­läs­sig ver­letzt haben 3. Jedoch ist davon aus­zu­ge­hen, dass eine schuld­haf­te Pflicht­ver­let­zung des Notars jeden­falls nicht kau­sal für einen Scha­den des Käu­fers gewor­den ist:

Der Käu­fer hät­te im hier maß­geb­li­chen Zeit­raum ange­sichts der Unwirk­sam­keit sei­nes ursprüng­li­chen Ange­bots vom 29.05.2006 nach Ablauf der bis zum 4.07.2006 wäh­ren­den Annah­me­frist 4 ein erneu­tes Ange­bot zum Abschluss des Woh­nungs­kauf­ver­trags abge­ge­ben mit der Fol­ge, dass zwi­schen ihm und den Ver­käu­fern ein wirk­sa­mer Kauf­ver­trag zustan­de gekom­men wäre. Der Käu­fer hat in sei­ner per­sön­li­chen Anhö­rung vor dem Land­ge­richt sinn­ge­mäß bekun­det, in sei­nen per­sön­li­chen Ver­hält­nis­sen habe es im August 2006 seit der Beur­kun­dung sei­nes Kauf­an­ge­bots am 29.05.2006 kei­ne Ände­rung gege­ben; er hät­te "die Erklä­rung", d.h. sein nota­ri­el­les Ange­bot vom 29.05.2006, wahr­schein­lich erneut abge­ge­ben, wenn ihm im August 2006 der Notar gesagt hät­te, er müs­se dies tun, um Eigen­tü­mer zu wer­den, und wenn sich an den Argu­men­ten, die für den Kauf gespro­chen hät­ten, nichts geän­dert hät­te. Für eine sol­che Ände­rung der aus Sicht des Käu­fers für einen Kauf spre­chen­den Argu­men­te im Zeit­raum vom 29.05.2006 bis August 2006 ist nichts ersicht­lich. Vor die­sem Hin­ter­grund ist die Wür­di­gung des Ober­lan­des­ge­richts Naum­burg 5, es sei kein kau­sa­ler Scha­den ent­stan­den, weil das Inter­es­se des Käu­fers an dem Erwerb der Eigen­tums­woh­nung auch nach dem Ablauf der Annah­me­frist fort­be­stan­den habe, recht­lich mög­lich. Sie ver­stößt auch nicht gegen Denk­ge­set­ze und Erfah­rungs­sät­ze. Anhalts­punk­te, dass sich das Land­ge­richt und das Ober­lan­des­ge­richt mit dem Pro­zess­stoff und den etwai­gen Beweis­ergeb­nis­sen nicht umfas­send und wider­spruchs­frei aus­ein­an­der­ge­setzt haben, bringt die Revi­si­on nicht vor und sind auch sonst auf der Grund­la­ge des vom Beru­fungs­ge­richt fest­ge­stell­ten Sach­ver­halts und Par­tei­vor­trags nicht ersicht­lich.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 21. Janu­ar 2016 – III ZR 171/​15

  1. BGH, Urteil vom 10.07.2008 – III ZR 292/​07, WM 2008, 1753 Rn. 14 mwN; Wöst­mann in Ganter/​Hertel/​Wöstmann, Hand­buch der Nota­rhaf­tung, 3. Aufl., Rn. 2185[]
  2. BGH aaO mwN; Wöst­mann aaO[]
  3. vgl. hier­zu in zwei Par­al­lel­sa­chen BGH, Urtei­le vom 21.01.2016 – III ZR 159/​15, zur Ver­öf­fent­li­chung in BGHZ vor­ge­se­hen, und – III ZR 160/​15[]
  4. vgl. hier­zu BGH, Ver­säum­nis­ur­teil vom 07.06.2013 – V ZR 10/​12, NJW 2013, 3434 Rn. 13 ff[]
  5. OLG Naum­burg, Urteil vom 29.04.2015 – 5 U 10/​15[]