Nota­ri­el­le Voll­stre­ckungs­klau­sel – und die Prü­fungs­kom­pe­tenz des Voll­stre­ckungs­ge­richts

Das Voll­stre­ckungs­ge­richt ist bei der Voll­stre­ckung aus einer nota­ri­el­len Urkun­de an die vom Notar erteil­te Voll­stre­ckungs­klau­sel gebun­den, eine eige­ne Prü­fungs­kom­pe­tenz hin­sicht­lich der mate­ri­ell-recht­li­chen Vor­aus­set­zun­gen für die Klau­seler­tei­lung beseht nicht.

Nota­ri­el­le Voll­stre­ckungs­klau­sel – und die Prü­fungs­kom­pe­tenz des Voll­stre­ckungs­ge­richts

Das Voll­stre­ckungs­or­gan ist an die vor­lie­gen­de Klau­seler­tei­lung auf Basis von § 724 ZPO gebun­den und hat von der Voll­streck­bar­keit aus­zu­ge­hen. Der Gläu­bi­ger ist inso­weit mit der Über­prü­fung, ob der Notar oder das Gericht statt einer not­wen­di­gen qua­li­fi­zier­ten Voll­stre­ckungs­klau­sel feh­ler­haft nur eine ein­fa­che Klau­sel erteilt hat, allein auf das Ver­fah­ren über die Erin­ne­rung gemäß § 732 ZPO zu ver­wei­sen.

Das Land­ge­richt Ham­burg folgt im vor­lie­gen­den Beschluss inso­weit den von Bun­des­ge­richts­hof in drei Beschlüs­sen auf­ge­stell­ten Grund­sät­zen, wonach dem Voll­stre­ckungs­or­gan ledig­lich eine Prü­fungs­kom­pe­tenz dahin­ge­hend zusteht, ob eine Klau­sel vor­han­den ist und ob sie ord­nungs­ge­mäß erteilt wur­de. Nicht zu über­prü­fen hat es hin­ge­gen, ob sie (mate­ri­ell-recht­lich) wirk­sam erteilt wur­de1.

Grund­sätz­lich beschei­nigt die Klau­sel die Voll­streck­bar­keit des Titels gegen­über dem Voll­stre­ckungs­or­gan, soweit nicht die­sem die Prü­fung beson­de­rer Vor­aus­set­zun­gen der Zwangs­voll­stre­ckung zuge­wie­sen ist, vgl. §§ 726 Abs. 1, 2, 727 Abs. 1 ZPO. Die Ertei­lung der Voll­stre­ckungs­klau­sel erfolgt gemäß §§ 797 Abs. 2, 794 Abs. 1 Nr. 5, 795, 724 ff. ZPO in bestimm­ten Fäl­len durch den Notar. Die­sem obliegt es zu prü­fen, ob der Titel Voll­stre­ckungs­be­din­gun­gen im Sin­ne des § 726 Abs. 1 ZPO ent­hält und es des­halb gemäß § 20 Nr. 12 RPflG dem Rechts­pfle­ger vor­be­hal­ten ist, eine dann erfor­der­li­che qua­li­fi­zier­te Klau­sel zu ertei­len. Gegen­stand die­ser Prü­fung ist der Inhalt des Titels, der in der Regel durch Aus­le­gung zu ermit­teln ist. Gelangt die Prü­fung des Notars zum objek­tiv fal­schen Ergeb­nis und erteilt er zu Unrecht eine ein­fa­che Voll­stre­ckungs­klau­sel nach §§ 724, 725 ZPO, so liegt dar­in eine feh­ler­haf­te Aus­übung der ihm nach dem Gesetz über­tra­ge­nen Auf­ga­ben2.

Die­ser Feh­ler betrifft jedoch ledig­lich die mate­ri­el­le Rich­tig­keit der erteil­ten Voll­stre­ckungs­klau­sel, die grund­sätz­lich nicht zur Über­prü­fung des Voll­stre­ckungs­or­gans gestellt ist. Sei­ner Nach­prü­fung unter­liegt es, ob eine Klau­sel vor­han­den ist und ob sie ord­nungs­ge­mäß erteilt wur­de, nicht hin­ge­gen, ob sie unter mate­ri­ell recht­lich wirk­sa­men Vor­aus­set­zun­gen erteilt wer­den durf­te3. Des­halb ist es nicht Sache des mit der Voll­stre­ckung des Titels befass­ten Voll­stre­ckungs­or­gans, die Wirk­sam­keit der Klau­sel am Inhalt des Titels zu mes­sen und die erfor­der­li­che Abgren­zung zwi­schen unbe­dingt und bedingt voll­streck­ba­ren Titeln vor­zu­neh­men4.

Nach der Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs kann ein Voll­stre­ckungs­akt dann aus­nahms­wei­se unwirk­sam sein, wenn grund­le­gen­de, schwe­re Män­gel vor­lie­gen und die­ser von vor­ne­her­ein unwirk­sam ist5.

Macht ein Beschwer­de­füh­rer aller­dings, wie hier, gel­tend, der Notar bzw. der Urkunds­be­am­te habe die Klau­sel nach §§ 724, 725 ZPO zu Unrecht ohne die gemäß § 726 Abs. 1 ZPO erfor­der­li­chen Nach­wei­se erteilt, so betrifft die­ser Ein­wand die Beur­tei­lung der mate­ri­el­len Recht­mä­ßig­keit einer Voll­stre­ckungs­klau­sel im Ein­zel­fall, die der Notar im Rah­men der ihm nach dem Gesetz zuge­wie­se­nen Auf­ga­ben erteilt hat. Eine in sol­cher Wei­se feh­ler­haft erteil­te Voll­stre­ckungs­klau­sel lei­det nicht an einem grund­le­gen­den, schwer­wie­gen­den Man­gel, der es recht­fer­ti­gen könn­te, die Über­prü­fung der Klau­seler­tei­lung dem nach obi­gen Grund­sät­zen hier­für allein vor­ge­se­he­nen Ver­fah­ren nach § 732 ZPO zu ent­zie­hen6.

Land­ge­richt Ham­burg, Beschluss vom 28. Dezem­ber 2015 – 328 T 67/​15

  1. BGH, Beschluss vom 25.10.2012, VII ZB 57/​11; BGH, Beschluss vom 12.01.2012, VII ZB 71/​09 BGH, Beschluss vom 23.05.2013, VII ZB 31/​11 []
  2. BGH, Beschluss vom 12.01.2012, VII ZB 71/​09, Rn. 14 BGH Beschluss vom 25.10.2012, VII ZB 57/​11, Rn. 8 []
  3. BGH, Beschluss vom 12.01.2012, VII ZB 71/​09, Rn. 14 BGH Beschluss vom 25.10.2012, VII ZB 57/​11, Rn. 9; BGH, Beschluss vom 23.05.2013, VII ZB 31/​11, Rn. 12; Lack­mann in: Musielak/​Voit, ZPO, 12. Auf­la­ge 2015, § 797 Rn. 4 []
  4. BGH jeweils a.a.O. []
  5. BGH, Urteil vom 16.02.1976, II ZR 171/​74, Rn. 7; BGH, Beschluss vom 12.01.2012, VII ZB 71/​09, Rn. 14 []
  6. BGH, Beschluss vom 12.01.2012 – VII ZB 71/​09, Rn. 17 []