Nota­ri­el­le Zwangs­voll­stre­ckungs­un­ter­wer­fung gegen­über dem "jewei­li­gen Gläu­bi­ger"

Wie ist eine nota­ri­el­le Unter­wer­fungs­er­klä­rung aus­zu­le­gen, in der der Schuld­ner die per­sön­li­che Haf­tungs­er­klä­rung aus­drück­lich nur gegen­über dem "jewei­li­gen Gläu­bi­ger" der Grund­schuld über­nom­men hat?

Nota­ri­el­le Zwangs­voll­stre­ckungs­un­ter­wer­fung gegen­über dem

Mit die­ser Fra­ge hat­te sich jetzt der Bun­des­ge­richts­hof im Rah­men eines Klau­seler­in­ne­rungs­ver­fah­rens zu befas­sen. Dem zugrun­de lag ein Fall, in dem die For­de­rung vom Gläu­bi­ger an einen Drit­ten abge­tre­ten und die­sem Abtre­tungs­emp­fän­ger eine Voll­stre­ckungs­klau­sel erteilt wor­den war.

Die Klau­sel hät­te jedoch nach Ansicht des Bun­des­ge­richts­hofs nicht erteilt wer­den dür­fen, weil die Voll­stre­ckung nach dem Inhalt des Titels jeden­falls an eine Bedin­gung im Sin­ne des § 726 Abs. 1 ZPO geknüpft ist, deren Ein­tritt der Gläu­bi­ger nicht durch öffent­li­che oder öffent­lich beglau­big­te Urkun­den nach­ge­wie­sen hat.

Dem Voll­stre­ckungs­ti­tel war in der Vor­in­stanz vom Beschwer­de­ge­richt so aus­ge­legt wor­den, dass nur der jewei­li­ge Inha­ber der Grund­schuld berech­tigt sein soll, wegen der per­sön­li­chen For­de­rung gegen den Schuld­ner zu voll­stre­cken. Dar­in liegt eine Voll­stre­ckungs­be­din­gung im Sin­ne des § 726 Abs. 1 ZPO der­ge­stalt, dass jeden­falls die Voll­stre­ckung jedes Rechts­nach­fol­gers des in der Schuld­ur­kun­de bezeich­ne­ten Gläu­bi­gers hin­sicht­lich der per­sön­li­chen For­de­rung gegen den Schuld­ner über die hier­für maß­geb­li­chen all­ge­mei­nen Voll­stre­ckungs­vor­aus­set­zun­gen hin­aus von dem Ein­tritt einer wei­te­ren Tat­sa­che, näm­lich dem Erwerb der Grund­schuld, abhängt.

Der Bun­des­ge­richts­hof hat bereits dar­auf hin­ge­wie­sen, dass das Klau­seler­tei­lungs­or­gan ver­pflich­tet ist, durch Aus­le­gung des Titels zu ermit­teln, ob des­sen Voll­streck­bar­keit sei­nem Inhalt nach vom Ein­tritt durch den Gläu­bi­ger zu bewei­sen­der Tat­sa­chen gemäß § 726 Abs. 1 ZPO abhängt 1. Ein­wen­dun­gen des Schuld­ners hier­ge­gen sind dem­nach for­mel­ler Art und kön­nen im Klau­seler­in­ne­rungs­ver­fah­ren nach § 732 Abs. 1 ZPO vor­ge­bracht wer­den 2. Das betrifft auch die nach obi­gen Grund­sät­zen gebo­te­ne Aus­le­gung des Titels, die das Voll­stre­ckungs­ge­richt im Ver­fah­ren nach § 732 Abs. 1 ZPO selb­stän­dig vor­zu­neh­men hat.

Die Aus­le­gung des Voll­stre­ckungs­ti­tels durch das Beschwer­de­ge­richt berück­sich­tigt die vom Bun­des­ge­richts­hof hier­für ent­wi­ckel­ten Grund­sät­ze 3. Sei­ne Erwä­gun­gen las­sen Aus­le­gungs­feh­ler nicht erken­nen. Sie füh­ren zu einem Aus­le­gungs­er­geb­nis, wel­ches der Bun­des­ge­richts­hof für eine nahe­zu wort­glei­che Haf­tungs­über­nah­me­er­klä­rung bereits gebil­ligt hat 4. Aller­dings hat­te in jenem Fall der Schuld­ner die per­sön­li­che Haf­tung aus­drück­lich nur gegen­über dem jewei­li­gen "Gläu­bi­ger der Grund­schuld" über­nom­men. Obwohl in der vor­lie­gen­den Klau­sel ein sol­cher klar­stel­len­der Zusatz fehlt, kann sie ohne Ver­stoß gegen aner­kann­te Aus­le­gungs­grund­sät­ze und die Denk­ge­set­ze in eben die­sem, die Inter­es­sen der Betei­lig­ten in Betracht neh­men­den, Sin­ne ver­stan­den wer­den.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 24. Novem­ber 2011 – VII ZB 12/​11

  1. BGH, Beschluss vom 29.06.2011 – VII ZB 89/​10, NJW 2011, 2803 m.w.N.[]
  2. vgl. BGH, Beschluss vom 16.04.2009 – VII ZB 62/​08, BauR 2009, 1330 Rn. 12 m.w.N.[]
  3. vgl. BGH, Beschluss vom 29.06.2011 – VII ZB 89/​10, aaO, m.w.N.[]
  4. BGH, Beschluss vom 12.12.2007 – VII ZB 108/​06, NJW 2008, 918, 919[]