Not­we­ge­recht – und die Pro­zess­stand­schaft des Mie­ters

Das Bestehen eines Not­we­ge­recht zuguns­ten eines ver­mie­te­ten Grund­stücks kann auch von dem Mie­ter in Pro­zesstand­schaft für den ver­mie­ten­den Grund­stücks­ei­gen­tü­mer gel­tend gemacht wer­den.

Not­we­ge­recht – und die Pro­zess­stand­schaft des Mie­ters

In der höchst­rich­ter­li­chen Recht­spre­chung ist geklärt, dass ein Anspruch auch dann im Wege der gewill­kür­ten Pro­zess­stand­schaft gel­tend gemacht wer­den kann, wenn er nicht abtret­bar ist. Der Bun­des­ge­richts­hof hat dies für den Grund­buch­be­rich­ti­gungs­an­spruch nach § 894 BGB 1, den Her­aus­ga­be­an­spruch nach § 985 BGB ent­schie­den 2 und dies auch für den Anspruch auf Ein­räu­mung eines Not­weg­rechts nach § 917 Abs. 1 BGB zugrun­de gelegt 3.

Regel­mä­ßig liegt auch das erfor­der­li­che schutz­wür­di­ge Inter­es­se der Klä­ger an der Gel­tend­ma­chung des Anspruchs nach § 917 Abs. 1 BGB vor. Stün­de der Eigen­tü­me­rin des von den Mie­tern genutz­ten Grund­stücks ein Not­weg­recht zu, so hät­te der beklag­te Grund­stücks­nach­bar die Nut­zung des Not­wegs durch die Mie­ter zu dul­den.

Es ent­spricht all­ge­mei­ner Ansicht, dass die Nut­zungs­be­rech­tig­ten den dem Eigen­tü­mer ein­ge­räum­ten Not­weg benüt­zen dür­fen 4 und das Not­weg­recht dem Nach­barn auch ein­re­de­wei­se ent­ge­gen­hal­ten kön­nen 5.

Die erfolg­rei­che Gel­tend­ma­chung des der Eigen­tü­me­rin zuste­hen­den Anspruchs ist daher von Ein­fluss auf die eige­ne Rechts­la­ge der Pro­zess­stand­schaf­ter.

Ob der Anspruch ange­sichts der ander­wei­ti­gen Zugangs­mög­lich­keit tat­säch­lich besteht, ist kei­ne Fra­ge der Zuläs­sig­keit der Kla­ge, son­dern eine sol­che der Begründ­etheit.

Es bestimmt sich nach objek­ti­ven Gesichts­punk­ten, ob einem Grund­stück die zur ord­nungs­ge­mä­ßen Benut­zung not­wen­di­ge Ver­bin­dung mit einem öffent­li­chen Weg fehlt 6; eine nur einem per­sön­li­chen Bedürf­nis des Eigen­tü­mers oder eines Nut­zungs­be­rech­tig­ten ent­spre­chen­de Nut­zung reicht inso­weit nicht aus 7.

Jeden­falls der im vor­lie­gen­den Fall von den Klä­gern (Mie­tern) auf­ge­zeig­te Ein­wand, der neue Zugangs­weg sei schon des­halb unzu­rei­chend, weil er über zwei Tore füh­re, die außer­halb der Betriebs­zei­ten auf dem Gelän­de des Grund­stücks­nach­barn mit Vor­hän­ge­schlös­sern gesi­chert sei­en, betrifft aber kein aus­schließ­lich per­sön­li­ches Bedürf­nis der Mie­ter. Ein sol­cher Zugang, den jeder Grund­stücks­nut­zer als min­des­tens läs­tig emp­fän­de, kann sich nach den Gege­ben­hei­ten des Ein­zel­falls als für die ord­nungs­ge­mä­ße Benut­zung des Grund­stücks (objek­tiv) unzu­rei­chend erwei­sen.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss des V. Zivil­se­nats vom 16. Janu­ar 2014 – V ZB 12/​13

  1. Urteil vom 02.10.1987 – V ZR 182/​86, NJW-RR 1988, 126, 127 mwN[]
  2. Urteil vom 12.07.1985 – V ZR 56/​84, NJW-RR 1986, 158[]
  3. Urteil vom 05.05.2006 – V ZR 139/​05, NJW-RR 2006, 1160 Rn. 11, 12[]
  4. BGH, Urteil vom 10.07.1963 – V ZR 32/​62, NJW 1963, 1917, 1918[]
  5. BGH, Urteil vom 05.05.2006 – V ZR 139/​05, NJW-RR 2006, 1160 Rn. 6; NKBGB/​Ring, 3. Aufl., § 917 Rn. 26; Soergel/J.F. Baur, BGB, 13. Aufl., § 917 Rn. 7; Staudinger/​Roth, BGB, [2009], § 917 Rn. 32[]
  6. vgl. für die Erreich­bar­keit mit Kraft­fahr­zeu­gen: BGH, Urteil vom 18.10.2013 – V ZR 278/​12; Urteil vom 12.12 2008 – V ZR 106/​07, NJW-RR 2009, 515 Rn. 24[]
  7. BGH, Urteil vom 18.10.2013 – V ZR 278/​12, aaO Rn. 11; Urteil vom 12.12 2008 – V ZR 106/​07, NJW-RR 2009, 515 Rn.20; Urteil vom 15.04.1964 – V ZR 134/​62, NJW 1964, 1321, 1322[]