Objek­ti­ve Kla­ge­häu­fung – und die Ver­jäh­rungs­hem­mung

Auch nach neu­em Ver­jäh­rungs­recht hemmt die Erhe­bung einer Kla­ge, mit der meh­re­re Ansprü­che gel­tend gemacht wer­den, deren Sum­me die Kla­ge­for­de­rung über­steigt, die Ver­jäh­rung aller aus­rei­chend bestimm­ten Teil­an­sprü­che.

Objek­ti­ve Kla­ge­häu­fung – und die Ver­jäh­rungs­hem­mung

Liegt zunächst nur ein Antrag wegen ver­schie­de­ner Teil­an­sprü­che vor, so ist der Bun­des­ge­richts­hof auf der Grund­la­ge der bis zum Inkraft­tre­ten des Schuld­rechts­mo­der­ni­sie­rungs­ge­set­zes vom 26.11.2001 1 maß­geb­li­chen Rechts­la­ge davon aus­ge­gan­gen, dass die Ver­jäh­rung für jeden hin­rei­chend indi­vi­dua­li­sier­ten Teil­an­spruch in Höhe der Gesamt­sum­me unter­bro­chen wur­de 2. Die nach­träg­li­che Auf­glie­de­rung einer Teil­kla­ge, der meh­re­re nach Datum und Betrag bezeich­ne­te Ansprü­che zu Grun­de lagen, wur­de zuge­las­sen 3. Vor­aus­set­zung für die fort­dau­ern­de Unter­bre­chung der Ver­jäh­rung war ledig­lich, dass im Lau­fe des Rechts­streits auf­ge­schlüs­selt wur­de, aus wel­chen For­de­run­gen oder Teil­be­trä­gen von For­de­run­gen sich die gel­tend gemach­te Kla­ge­sum­me zusam­men­setzt 4. Danach unter­brach eine Teil­kla­ge, mit der ver­schie­de­ne Ansprü­che gel­tend gemacht wur­den, in Höhe des ins­ge­samt ein­ge­klag­ten Betrags auch dann die Ver­jäh­rung eines jeden die­ser Ansprü­che, wenn die­se zunächst ohne nähe­re Auf­glie­de­rung gel­tend gemacht wor­den waren 5.

An die­ser Recht­spre­chung ist auch nach den Ver­än­de­run­gen durch das Schuld­rechts­mo­der­ni­sie­rungs­ge­setz fest­zu­hal­ten, weil die mate­ri­ell­recht­li­chen Vor­aus­set­zun­gen für den Ein­tritt der Ver­jäh­rungs­hem­mung durch Maß­nah­men der Rechts­ver­fol­gung gegen­über den bis­he­ri­gen Vor­aus­set­zun­gen für den Ein­tritt der Ver­jäh­rungs­un­ter­bre­chung gleich geblie­ben sind 6. Danach hemmt bereits die Erhe­bung einer Kla­ge, mit der meh­re­re Ansprü­che gel­tend gemacht wer­den, deren Sum­me den gel­tend gemach­ten Teil über­steigt, die Ver­jäh­rung aller aus­rei­chend bezeich­ne­ten Teil­an­sprü­che. Die Bestim­mung, bis zu wel­cher Höhe und in wel­cher Rei­hen­fol­ge die ein­zel­nen Teil­an­sprü­che ver­folgt wer­den, kann rück­wir­kend nach­ge­holt wer­den 7. Bei die­ser Sach­la­ge ist es unschäd­lich, dass der Klä­ger dem zunächst ver­folg­ten Antrag auf Zah­lung von 79.221, 78 € eine Auf­stel­lung nach Ein­zel­be­trä­gen und wei­te­ren Merk­ma­len indi­vi­dua­li­sier­ter For­de­run­gen über 80.647, 38 € unter­legt hat. Er war auch unter Aspek­ten der Ver­jäh­rungs­hem­mung nicht gehin­dert, den ein­ge­klag­ten Betrag spä­ter durch Staf­fe­lung der betrof­fe­nen Ein­zel­for­de­run­gen auf exakt 79.147, 38 € zu ermä­ßi­gen.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 7. Mai 2015 – IX ZR 95/​14

  1. BGBl. I S. 3138[]
  2. vgl. BGH, Urteil vom 19.11.1987 – VII ZR 189/​86, NJW-RR 1988, 692, 693[]
  3. vgl. BGH, Urteil vom 17.10.2000 – XI ZR 312/​99, NJW 2001, 305, 307[]
  4. vgl. BGH, Urteil vom 03.04.1996 – VIII ZR 315/​94, NJW-RR 1996, 885, 886[]
  5. vgl. BGH, Urteil vom 18.07.2000 – X ZR 62/​98, NJW 2000, 3492, 3494[]
  6. BGH, Urteil vom 06.05.2014 – II ZR 217/​13, NJW 2014, 3298 Rn.19[]
  7. BGH, aaO Rn. 16[]