Offen­ba­re Unrich­tig­keit – die unter­blie­be­ne Kos­ten­ent­schei­dung

Eine offen­ba­re Unrich­tig­keit im Sin­ne des § 319 Abs. 1 ZPO liegt nicht vor, wenn eine Ent­schei­dung über die Kos­ten der Neben­in­ter­ven­ti­on aus Ver­se­hen voll­stän­dig unter­blie­ben ist.

Offen­ba­re Unrich­tig­keit – die unter­blie­be­ne Kos­ten­ent­schei­dung

Mit einer Berich­ti­gung nach § 319 Abs. 1 ZPO, der auf Beschlüs­se ent­spre­chend anwend­bar ist 1, soll eine ver­se­hent­li­che Abwei­chung des vom Gericht Erklär­ten von dem von ihm Gewoll­ten kor­ri­giert wer­den. Die­se Abwei­chung muss zudem "offen­bar" sein, d.h. sie muss sich aus dem Zusam­men­hang des Urteils oder Beschlus­ses selbst oder zumin­dest aus den Vor­gän­gen bei sei­nem Erlass oder sei­ner Ver­kün­dung nach außen deut­lich erge­ben und damit auch für Drit­te ohne wei­te­res erkenn­bar sein 2.

Dem­ge­gen­über fällt die feh­ler­haf­te Wil­lens­bil­dung des Gerichts nicht in den Anwen­dungs­be­reich von § 319 ZPO. Des­we­gen kommt eine Berich­ti­gung nach § 319 Abs. 1 ZPO nicht in Betracht, wenn die genann­ten Umstän­de dar­auf hin­deu­ten, dass das ent­schei­den­de Gericht einen bestimm­ten Aus­spruch auch ver­se­hent­lich nicht gewollt hat. In einem sol­chen Fall kann eine Kor­rek­tur ledig­lich durch eine aller­dings frist­ge­bun­de­ne Ergän­zung der Ent­schei­dung nach § 321 ZPO erfol­gen 3.

Eine offen­ba­re Unrich­tig­keit im Sin­ne des § 319 Abs. 1 ZPO liegt nicht vor, wenn eine Ent­schei­dung über die Kos­ten der Neben­in­ter­ven­ti­on wie hier vom Ober­lan­des­ge­richt fest­ge­stellt aus Ver­se­hen voll­stän­dig unter­blie­ben ist 4.

Ein nach außen getre­te­ner Anhalts­punkt dafür, dass der Kos­ten­aus­spruch nicht dem dama­li­gen Wil­len des Bun­des­ge­richts­hofs ent­spro­chen hat, wird im hier vom Bun­des­ge­richts­hof ent­schie­de­nen Fall vom Ober­lan­des­ge­richt nicht genannt und ist auch nicht ersicht­lich. Ins­be­son­de­re ist die Kos­ten­ent­schei­dung in den Grün­den des Zurück­wei­sungs­be­schlus­ses aus­schließ­lich auf § 97 Abs. 1 ZPO gestützt wor­den. Die die Kos­ten des Streit­hel­fers regeln­de Vor­schrift § 101 Abs. 1 Fall 1 ZPO ist nicht genannt. Allein die Erwäh­nung der Streit­hel­fe­rin im Rubrum des Zurück­wei­sungs­be­schlus­ses genügt nicht, um von einer offen­ba­ren Unrich­tig­keit der Kos­ten­ent­schei­dung aus­ge­hen zu kön­nen 5.

Zwar kann die Unrich­tig­keit einer ver­fah­rens­be­en­den­den Ent­schei­dung auch dann offen­bar sein, wenn eine Kos­ten­ent­schei­dung ins­ge­samt unter­blie­ben ist 6. Dem steht es jedoch nicht gleich, wenn wie hier die Kos­ten­ent­schei­dung nicht voll­stän­dig fehlt, son­dern ledig­lich sach­lich unrich­tig nicht auf die Kos­ten der Streit­hel­fe­rin erstreckt wor­den ist 7.

Eine Ergän­zung des Beschlus­ses nach § 321 Abs. 1 ZPO kommt im vor­lie­gen­den Fall eben­falls nicht in Betracht, da die Streit­hel­fe­rin die Ein­be­zie­hung ihrer Kos­ten in die Kos­ten­ent­schei­dung des Beru­fungs­ge­richts erst nach Ablauf einer Frist von zwei Wochen seit Zustel­lung des Beschlus­ses an sie bean­tragt hat (§ 321 Abs. 2 ZPO).

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 8. Juli 2014 – XI ZB 7/​13

  1. vgl. Zöller/​Vollkommer, ZPO, 30. Aufl., § 329 Rn. 39 mwN[]
  2. BGH, Urteil vom 12.01.1984 – III ZR 95/​82, NJW 1985, 742; Beschluss vom 09.02.1989 – V ZB 25/​88, BGHZ 106, 370, 373[]
  3. BGH, Beschluss vom 16.04.2013 – II ZR 297/​11, MDR 2013, 807 Rn. 2[]
  4. vgl. BGH, Beschluss vom 16.04.2013 – II ZR 297/​11, MDR 2013, 807 Rn. 2 und 4[]
  5. vgl. BGH, Beschluss vom 16.04.2013 – II ZR 297/​11, MDR 2013, 807 Rn. 3[]
  6. vgl. BGH, Beschlüs­se vom 22.09.2009 – IV ZR 128/​08, AnwBl.2010, 68; und vom 08.07.1993 – IX ZR 192/​91 3[]
  7. vgl. dazu BGH, Beschluss vom 16.04.2013 – II ZR 297/​11, MDR 2013, 807 Rn. 3[]