Offen­ba­rungs­pflich­ten des bau­über­wa­chen­den Archi­tek­ten

Der Archi­tekt muss dem Auf­trag­ge­ber bei der Abnah­me sei­nes Wer­kes offen­ba­ren, wenn er Tei­le der Aus­füh­rung des Bau­wer­kes bewusst ver­trags­wid­rig nicht über-wacht hat. Unter­lässt er dies, so hat er einen Man­gel sei­nes Werks arg­lis­tig ver­schwie­gen. Uner­heb­lich ist, ob er dar­auf ver­traut, dass der Unter­neh­mer man­gel­frei gear­bei­tet hat.

Offen­ba­rungs­pflich­ten des bau­über­wa­chen­den Archi­tek­ten

Der Bun­des­ge­richts­hof hat bereits ent­schie­den, dass ein mit der Bau­über­wa­chung beauf­trag­ter Archi­tekt einen Man­gel sei­ner Leis­tung arg­lis­tig ver­schweigt, wenn er bei der Abnah­me sei­nes Werks nicht offen­bart, dass er kei­ne Bau­über­wa­chung vor­ge­nom­men hat 1. Das gilt nicht nur dann, wenn er über­haupt kei­ne Bau­über­wa­chung vor­ge­nom­men hat, son­dern auch dann, wenn er nur ein­zel­ne der über­wa­chungs­pflich­ti­gen Gewer­ke nicht über­wacht hat und dies ver­schweigt. Inso­weit besteht kein Klä­rungs­be­darf, denn das ergibt sich schon aus dem Gesetz, § 638 Abs. 1 Satz 1 BGB aF, § 634a Abs. 3 Satz 1 BGB nF.

Maß­geb­lich ist allein, ob ein Man­gel des Werks arg­lis­tig ver­schwie­gen wird. Ein Man­gel des Archi­tek­ten­werks liegt vor, wenn der Archi­tekt sei­ne Bau­über­wa­chungs­auf­ga­ben nicht voll­stän­dig erfüllt. Etwas ande­res ergibt sich auch nicht aus dem Urteil des Bun­des­ge­richts­hofs vom 27. Novem­ber 2008 2. In die­sem Urteil beschäf­tigt sich der BGH mit den Vor­aus­set­zun­gen für die ver­jäh­rungs­recht­li­che Gleich­set­zung der Ver­let­zung einer Orga­ni­sa­ti­ons­ob­lie­gen­heit des Archi­tek­ten mit arg­lis­ti­gem Ver­hal­ten. Dar­um geht es hier nicht. Hier geht es viel­mehr nur um die Vor­aus­set­zun­gen der Arg­list.

Vor­aus­set­zung für die Arg­list ist aller­dings, dass der Archi­tekt das Bewusst­sein hat, er habe sei­ne Bau­über­wa­chungs­auf­ga­be nicht ver­trags­ge­recht wahr­ge­nom­men. Ein sol­ches Bewusst­sein fehlt, wenn er nicht erkennt, dass ein Gewerk über­wa­chungs­pflich­tig ist, und er des­halb die Auf­klä­rung dar­über unter­lässt, dass er eine Über­wa­chung nicht durch­ge­führt hat 3. So liegt der Fall hier nicht. Das Beru­fungs­ge­richt hat fest­ge­stellt, der beklag­te Archi­tekt habe gewusst, dass er den Ein­bau der Dampf­sper­re über­wa­chen müs­se. Dann muss­te der Beklag­te den Klä­ger dar­über auf­klä­ren, dass er die Über­wa­chung nicht vor­ge­nom­men hat.

Vor­aus­set­zung für ein arg­lis­ti­ges Ver­schwei­gen des Man­gels der Bau­über­wa­chung ist nicht, dass der Archi­tekt das Bewusst­sein hat, der Unter­neh­mer habe man­gel­haft gear­bei­tet. Denn arg­lis­ti­ges Ver­schwei­gen erfor­dert nicht, dass der Archi­tekt bewusst eine nach­tei­li­ge Fol­ge der ver­trags­wid­ri­gen Leis­tung in Kauf genom­men hat. Es ver­langt kei­ne Schä­di­gungs­ab­sicht und kei­nen eige­nen Vor­teil 4. Des­halb ent­las­tet es den Archi­tek­ten nicht, wenn er auf die man­gel­freie Ein­brin­gung der Dampf­sper­re durch den Unter­neh­mer ver­traut hat.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 5. August 2010 – VII ZR 46/​09

  1. BGH, Beschluss vom 17.06.2004 – VII ZR 345/​03, BauR 2004, 1476[]
  2. BGH, Urteil vom 27.11.2008 – VII ZR 206/​06, BGHZ 179, 55[]
  3. BGH, Urteil vom 22.07.2010 – VII ZR 77/​08[]
  4. BGH, Urteil vom 23.05.2002 – VII ZR 219/​01, BauR 2002, 1401 = NZBau 2002, 503 = ZfBR 2002, 680[]