Offen­ba­rungs­pflich­ten des Insol­venz­schuld­ners

Die Ver­pflich­tung des Schuld­ners, im Insol­venz­ver­fah­ren über alle das Ver­fah­ren betref­fen­de Ver­hält­nis­se Aus­kunft zu geben, ist nicht davon abhän­gig, dass an den Schuld­ner ent­spre­chen­de Fra­gen gerich­tet wer­den. Der Schuld­ner muss viel­mehr die betrof­fe­nen Umstän­de von sich aus, ohne beson­de­re Nach­fra­ge, offen legen, soweit sie offen­sicht­lich für das Insol­venz­ver­fah­ren von Bedeu­tung sein kön­nen und nicht klar zu Tage lie­gen.

Offen­ba­rungs­pflich­ten des Insol­venz­schuld­ners

Zu den Umstän­den, die für das Insol­venz­ver­fah­ren von Bedeu­tung sein kön­nen und des­halb offen gelegt wer­den müs­sen, zäh­len auch sol­che, die eine Insol­venz­an­fech­tung begrün­den kön­nen.

Nach § 290 Abs. 1 Nr. 5 InsO ist die Rest­schuld­be­frei­ung zu ver­sa­gen, wenn der Schuld­ner wäh­rend des Insol­venz­ver­fah­rens Aus­kunfts- und Mit­wir­kungs­pflich­ten nach die­sem Gesetz vor­sätz­lich oder grob fahr­läs­sig ver­letzt hat. Der Umfang der Aus­kunfts- und Mit­wir­kungs­pflich­ten ergibt sich im Wesent­li­chen für das Eröff­nungs­ver­fah­ren aus § 20 InsO und für das eröff­ne­te Ver­fah­ren aus § 97 InsO. Aus­kunft ist danach über alle das Ver­fah­ren betref­fen­den Ver­hält­nis­se zu ertei­len. Die­ser Begriff ist weit aus­zu­le­gen und umfasst alle recht­li­chen, wirt­schaft­li­chen und tat­säch­li­chen Ver­hält­nis­se, die für das Ver­fah­ren in irgend­ei­ner Wei­se von Bedeu­tung sein kön­nen 1. Die Ver­pflich­tung zur Aus­kunft ist nicht davon abhän­gig, dass an den Schuld­ner ent­spre­chen­de Fra­gen gerich­tet wer­den. Der Schuld­ner muss viel­mehr die betrof­fe­nen Umstän­de von sich aus, ohne beson­de­re Nach­fra­ge, offen legen, soweit sie offen­sicht­lich für das Insol­venz­ver­fah­ren von Bedeu­tung sein kön­nen und nicht klar zu Tage lie­gen 2.

Zu den Umstän­den, die für das Insol­venz­ver­fah­ren von Bedeu­tung sein kön­nen, zäh­len auch sol­che, die eine Insol­venz­an­fech­tung begrün­den kön­nen, denn eine erfolg­rei­che Anfech­tung führt zu einer Meh­rung der Insol­venz­mas­se 3. Die Pflicht zur Aus­kunft setzt in einem sol­chen Fall nicht vor­aus, dass die Vor­aus­set­zun­gen einer Insol­venz­an­fech­tung tat­säch­lich vor­lie­gen. Bereits kon­kre­te Anhalts­punk­te, die eine Anfecht­bar­keit mög­lich erschei­nen las­sen, begrün­den die Pflicht des Schuld­ners, den Sach­ver­halt zu offen­ba­ren.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 11. Febru­ar 2010 – IX ZB 126/​08

  1. Jaeger/​Schilken, InsO § 97 Rn. 17 m.w.N.[]
  2. BGH, Beschluss vom 08.01.2009 – IX ZB 73/​08, WM 2009, 515, 516 Rn. 12; AG Olden­burg ZIn­sO 2001, 1170, 1171; AG Erfurt ZIn­sO 2006, 1173; Münch­Komm-InsO/S­te­phan, 2. Aufl. § 290 Rn. 72[]
  3. vgl. BGH, Beschluss vom 16.12.2004 – IX ZB 72/​03, WM 2005, 472, 473; LG Hagen ZIn­sO 2007, 387, 388; AG Göt­tin­gen ZIn­sO 2007, 1059, 1060; AG Ham­burg ZIn­sO 2007, 951, 952; AG Gera InVo 2005, 358; Münch-Komm-InsO/Pas­sau­er/S­te­phan, 2. Aufl. § 97 Rn. 14; Jaeger/​Schilken aaO; FK-InsO/App, 5. Aufl. § 97 Rn. 11; HK-InsO/­Kay­ser, 5. Aufl. § 97 Rn. 11; Hmb­Komm-InsO/Wend­ler, 3. Aufl. § 97 Rn. 3; Uhlen­bruck, InsO 12. Aufl. § 97 Rn. 6[]