Online-Bekannt­ma­chung von Zwangs­ver­stei­ge­rungs­ter­mi­nen

Wird in einem Zwangs­ver­stei­ge­rungs­ver­fah­ren die Ter­mins­be­stim­mung durch Ver­öf­fent­li­chung im Inter­net bekannt gemacht, scha­det es nicht, wenn die Auf­for­de­run­gen nach § 37 Nr. 4 und 5 ZVG erst nach Ankli­cken eines mit "amt­li­che Bekannt­ma­chung" gekenn­zeich­ne­ten Links wahr­zu­neh­men sind.

Online-Bekannt­ma­chung von Zwangs­ver­stei­ge­rungs­ter­mi­nen

Die Vor­schrift des § 43 Abs. 1 ZVG, nach der die Ter­mins­be­stim­mung sechs Wochen vor dem Ver­stei­ge­rungs­ter­min bekannt gemacht sein muss, ist ver­letzt, wenn die Bekannt­ma­chung inhalt­lich nicht den zwin­gen­den Vor­ga­ben des § 37 ZVG genügt 1. Erfor­der­lich sind u.a. die Auf­for­de­run­gen an die Inha­ber nicht aus dem Grund­buch ersicht­li­cher (§ 37 Nr. 4 ZVG) oder der Ver­stei­ge­rung ent­ge­gen­ste­hen­der Rech­te (§ 37 Nr. 5 ZVG). Die Bekannt­ma­chung muss die der Vor­schrift ent­spre­chen­den Andro­hun­gen des Rechts- oder Rang­ver­lusts ent­hal­ten. Gemäß § 37 Nr. 4 ZVG ist dar­auf hin­zu­wei­sen, dass nicht ein­ge­tra­ge­ne Rech­te bei einem Unter­las­sen der Anmel­dung bis zum Ver­stei­ge­rungs­ter­min nach § 45 Abs. 1 ZVG bei der Fest­stel­lung des gerings­ten Gebots nicht berück­sich­tigt wer­den und nach § 110 ZVG bei Ver­tei­lung des Erlö­ses allen ande­ren Rech­ten im Rang nach­ge­hen. Die Inha­ber der Ver­stei­ge­rung ent­ge­gen­ste­hen­der Rech­te sind auf­zu­for­dern, vor Zuschlags­er­tei­lung die Auf­he­bung oder die Ein­stel­lung der Zwangs­ver­stei­ge­rung (§§ 771, 769 ZPO) her­bei­zu­füh­ren, weil andern­falls nach § 91 Abs. 1, § 92 Abs. 1 ZVG der Ver­stei­ge­rungs­er­lös an die Stel­le des erlo­sche­nen Rechts tritt 2.

Die Ter­mins­be­stim­mung muss die in § 37 Nr. 4 und 5 ZVG genann­ten Auf­for­de­run­gen auch dann ent­hal­ten, wenn sie – wie hier – nach § 39 Abs. 1 Alt. 2 ZVG nur in dem für das Gericht bestimm­ten elek­tro­ni­schen Infor­ma­ti­ons- und Kom­mu­ni­ka­ti­ons­sys­tem durch Ver­öf­fent­li­chung im Inter­net bekannt­ge­macht wird 3. Wie die Ver­öf­fent­li­chung im Inter­net beschaf­fen sein muss, ins­be­son­de­re ob und inwie­weit Tei­le der Ter­mins­be­stim­mung allein durch einen Ver­weis (Link) auf eine ande­re Sei­te zugäng­lich gemacht wer­den dür­fen, ist aller­dings nicht gesetz­lich gere­gelt. In den Mate­ria­li­en zum Jus­tiz­kom­mu­ni­ka­ti­ons­ge­setz vom 22.03.2005 4 fin­det sich ledig­lich der Hin­weis, dass einer Anre­gung des Bun­des­rats ent­spre­chend die kos­ten­in­ten­si­ve Print­ver­öf­fent­li­chung nicht mehr not­wen­dig sein soll 5.

Die an die Bekannt­ma­chung im Inter­net zu stel­len­den Anfor­de­run­gen sind nach den Zwe­cken zu bestim­men, denen die Ver­öf­fent­li­chung der Ter­mins­be­stim­mung dient 6. Die­se soll im Inter­es­se der best­mög­li­chen Ver­wer­tung des Grund­stücks ein mög­lichst brei­tes Publi­kum auf die Ver­stei­ge­rung auf­merk­sam machen und die­je­ni­gen, deren Rech­te von der Ver­stei­ge­rung berührt wer­den, zur Wah­rung ihrer Rech­te ver­an­las­sen 7. Hier geht es um die zuletzt genann­te Funk­ti­on der öffent­li­chen Bekannt­ga­be der Ter­mins­be­stim­mung. Mit die­ser sind die dem Ver­stei­ge­rungs­ge­richt unbe­kann­ten Berech­tig­ten in der Art eines Auf­ge­bots auf­zu­for­dern 8, ihre im Grund­buch nicht ein­ge­tra­ge­nen Rech­te am Grund­stück bis zum Ver­stei­ge­rungs­ter­min anzu­mel­den und aus ihren Rech­ten, die der Ver­stei­ge­rung ent­ge­gen­ste­hen, eine Ein­stel­lung oder Auf­he­bung des Ver­fah­rens her­bei­zu­füh­ren. Die Inha­ber sol­cher Rech­te müs­sen Gele­gen­heit erhal­ten, ihre Belan­ge im Zwangs­ver­stei­ge­rungs­ver­fah­ren effek­tiv zur Gel­tung zu brin­gen 9. Es ist daher sicher­zu­stel­len, dass ein auf­merk­sa­mer Nut­zer des für die Ver­öf­fent­li­chung gewähl­ten Medi­ums auch die Auf­for­de­run­gen nach § 37 Nr. 4 und 5 ZVG zur Kennt­nis nimmt 10.

Die im vor­lie­gen­den Fall erfolg­te Ver­öf­fent­li­chung der Ter­mins­be­stim­mung genügt die­sen Anfor­de­run­gen. Sie erfolg­te im Inter­net Por­tal "www.zvg-portal.de", wel­ches mit dem für Nord­rhein-West­fa­len bestimm­ten Bekannt­ma­chungs­por­tal "www.justiz.de" 11 ver­linkt ist. Dass sich die nach § 37 Nr. 4 und 5 ZVG erfor­der­li­chen Anga­ben nicht unmit­tel­bar auf der Inter­net­sei­te mit den grund­le­gen­den Infor­ma­tio­nen zu dem Ver­stei­ge­rungs­ter­min befan­den, son­dern erst nach Ankli­cken eines neben dem Hin­weis "amt­li­che Bekannt­ma­chung:" befind­li­chen Links ("amt­li­che Bekanntmachung.pdf") wahr­ge­nom­men wer­den konn­te, scha­det nicht. Ein auf­merk­sa­mer, an Details der kon­kre­ten Zwangs­ver­stei­ge­rung inter­es­sier­ter Nut­zer erkennt ohne wei­te­res, dass mit­hil­fe die­ses Links wei­te­re Mit­tei­lun­gen des Ver­stei­ge­rungs­ge­richts zu erschlie­ßen sind. Dem Nut­zer bleibt schon nicht ver­bor­gen, dass es meh­re­rer "Klicks" bedarf, um über die Start­sei­te von "www.justiz.de" bzw. über das (ver­link­te) Por­tal "www.zvg-portal.de" zu der Infor­ma­ti­on über ein spe­zi­fi­sches Zwangs­ver­stei­ge­rungs­ver­fah­ren zu gelan­gen; es kann daher ange­nom­men wer­den, dass er auf die­ser Sei­te befind­li­che wei­ter­füh­ren­de Links zur Kennt­nis nimmt und sie anklickt, wenn ihm an nähe­rer Infor­ma­ti­on zu dem Objekt oder dem Ver­fah­ren gele­gen ist. Gera­de ein Inha­ber von Rech­ten an dem zu ver­stei­gern­den Grund­stück wird es nicht ver­säu­men, einem mit "amt­li­che Bekannt­ma­chung" gekenn­zeich­ne­ten Link nach­zu­ge­hen, kann er doch in ers­ter Linie in dem als "amt­lich" gekenn­zeich­ne­ten Teil der Ver­öf­fent­li­chung Hin­wei­se des Gerichts für Gläu­bi­ger und ande­re Betrof­fe­ne des Ver­fah­rens erwar­ten.

Der Wirk­sam­keit der Bekannt­ma­chung steht auch nicht ent­ge­gen, dass der Link "amt­li­che Bekannt­ma­chung" auf eine PDF-Datei führt und daher nur geöff­net wer­den kann, wenn die ent­spre­chen­de Soft­ware zur Ver­fü­gung steht. Die Ent­schei­dung des Gesetz­ge­bers, die Bekannt­ma­chung der Ter­mins­be­stim­mung im Inter­net aus­rei­chen zu las­sen, bringt es mit sich, dass nur Inter­es­sier­te mit Zugang zu ent­spre­chen­der tech­ni­scher Aus­stat­tung sol­che Ver­öf­fent­li­chun­gen wahr­neh­men kön­nen. Beden­ken gegen deren Wirk­sam­keit könn­ten in die­sem Zusam­men­hang nur auf­kom­men, wenn beson­ders auf­wen­di­ge, wenig ver­brei­te­te Tech­nik erfor­der­lich wäre, um sie zur Kennt­nis zu neh­men; das trifft auf die zur Öff­nung von PDF-Datei­en not­wen­di­ge Soft­ware indes­sen nicht zu.

Soweit der Bun­des­ge­richts­hof in sei­ner Ent­schei­dung vom 16.10.2008 12 noch Zwei­fel geäu­ßert hat, ob das Por­tal "www.justiz.de" Bie­t­in­ter­es­sen­ten und Gläu­bi­gern hin­rei­chend ein­fa­chen und effek­ti­ven Zugang zu den Ter­mins­be­stim­mun­gen in Zwangs­ver­stei­ge­rungs­sa­chen gewährt, hält er hier­an nicht mehr fest. Auf der Start­sei­te von "www.justiz.de" öff­net sich nun­mehr über den Link "Bekannt­ma­chun­gen" ein Link "Zwangs­ver­stei­ge­rungs­ter­mi­ne", der wie­der­um zu dem Por­tal "www.zvg-portal.de" führt. Die­ses ent­hält ver­schie­de­ne Mög­lich­kei­ten, die Suche nach Zwangs­ver­stei­ge­rungs­ter­mi­nen bzw. objek­ten ein­zu­gren­zen, u.a. nach der Adres­se des Objekts, nach Bun­des­land und Amts­ge­richt sowie nach Ter­mi­nen. Defi­zi­te bei der Nut­zung der Por­ta­le sind von dem Beschwer­de­ge­richt nicht fest­ge­stellt wor­den und wer­den auch von der Rechts­be­schwer­de nicht auf­ge­zeigt.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 3. April 2014 – V ZB 41/​13

  1. BGH, Beschluss vom 17.01.2013 – V ZB 53/​12, aaO[]
  2. vgl. BGH, Urteil vom 08.11.2013 – V ZR 155/​12, BGHZ 199, 31 Rn.19[]
  3. vgl. zu die­ser Art der Bekannt­ma­chung BGH, Beschluss vom 16.10.2008 – V ZB 94/​08, NJW 2008, 3708[]
  4. BGBl. I 837, 857[]
  5. BT-Drs. 15/​4952, S. 51[]
  6. OLG Hamm, OLGZ 1991, 193, 196[]
  7. BGH, Beschluss vom 19.06.2008 – V ZB 129/​07, NJW-RR 2008, 1741 Rn. 11; Beschluss 16.10.2008 – V ZB 94/​08, NJW 2008, 3708 Rn. 27; Beschluss vom 17.01.2013 – V ZB 53/​12, NJW-RR 2013, 915 Rn. 7[]
  8. Jaeckel/​Güthe, ZVG, 7. Aufl., §§ 37, 38 Rn 5; Reinhard/​Müller, ZVG, 3 u.04. Auf­la­ge, § 37 Anm. I; Sieg, MDR 1961, 1003, Stö­ber, ZVG, 20. Aufl., § 37 Rn.05.1[]
  9. vgl. BGH, Urteil vom 08.11.2013 – V ZR 155/​12, BGHZ 199, 31 Rn. 21[]
  10. vgl. LG Fran­ken­thal, Rpfle­ger 1988, 421, 422 für eine Ver­öf­fent­li­chung im Amts­blatt[]
  11. vgl. BGH, Beschluss vom 16.10.2008 – V ZB 94/​08, NJW 2008, 3708 Rn. 7 u. 21[]
  12. BGH, Beschluss vom 16.10.2008 – V ZB 94/​08, NJW 2008, 3708 Rn. 26 ff.[]