Par­tei­ver­nah­me zum Sechs-Augen-Gespräch

Der Grund­satz der Waf­fen­gleich­heit, der Anspruch auf recht­li­ches Gehör sowie das Recht auf Gewähr­leis­tung eines fai­ren Pro­zes­ses und eines wir­kungs­vol­len Rechts­schut­zes erfor­dern gemäß Art. 3 Abs. 1 GG, Art. 103 Abs. 1 GG, Art. 2 Abs. 1 GG in Ver­bin­dung mit Art.20 Abs. 3 GG, Art. 6 Abs. 1 EMRK, dass einer Par­tei, die für ein Vier-Augen-Gespräch kei­nen Zeu­gen hat, Gele­gen­heit gege­ben wird, ihre Dar­stel­lung des Gesprächs in den Pro­zess per­sön­lich ein­zu­brin­gen.

Par­tei­ver­nah­me zum Sechs-Augen-Gespräch

Zu die­sem Zweck ist die Par­tei gemäß § 448 ZPO zu ver­neh­men oder gemäß § 141 ZPO anzu­hö­ren 1. Die­se Grund­sät­ze gel­ten auch, wenn es sich – wie hier – um ein Sechs-Augen-Gespräch han­delt, bei dem der allein zur Ver­fü­gung ste­hen­de Zeu­ge als Ehe­mann im Lager der Pro­zess­geg­ne­rin steht.

Die Ent­schei­dung über die Ver­neh­mung einer Par­tei nach § 448 ZPO obliegt dem Ermes­sen des Tatrich­ters und ist nur dar­auf nach­prüf­bar, ob die recht­li­chen Vor­aus­set­zun­gen ver­kannt wor­den sind oder das Ermes­sen rechts­feh­ler­haft aus­ge­übt wor­den ist. Dass bei der vor­lie­gen­den Kon­stel­la­ti­on der einen Par­tei ein Zeu­ge zur Sei­te steht, wäh­rend die Gegen­sei­te sich auf kei­nen Zeu­gen stüt­zen kann, stellt eine Benach­tei­li­gung dar, die im Rah­men der Ermes­sens­ent­schei­dung nach § 448 ZPO berück­sich­tigt wer­den kann, zumal das Gericht einer Par­tei­an­hö­rung der benach­tei­lig­ten Par­tei gemäß § 141 ZPO die glei­che Bedeu­tung wie einer Aus­sa­ge bei einer Ver­neh­mung zumes­sen kann 2.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 14. Mai 2013 – VI ZR 325/​11

  1. vgl. BGH, Beschluss vom 30.09.2004 – III ZR 369/​03; Urteil vom 27.09.2005 – XI ZR 216/​04, NJW-RR 2006, 61, 63, jeweils mwN; BVerfG, NJW 2008, 2170, 2171[]
  2. BGH, Urteil vom 16.07.1998 – I ZR 32/​96, VersR 1999, 994, 995; Beschluss vom 25.09.2003 – III ZR 384/​02, NJW 2003, 3636[]

Kommentar hinterlassen

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.