Par­tei­vor­trag – und die Ent­schei­dungs­grün­de

Die Gerich­te sind nach Art. 103 Abs. 1 GG ver­pflich­tet, das Vor­brin­gen der Par­tei­en zur Kennt­nis zu neh­men und in Erwä­gung zu zie­hen.

Par­tei­vor­trag – und die Ent­schei­dungs­grün­de

Hin­ge­gen ist es nicht erfor­der­lich, alle Ein­zel­punk­te des Par­tei­vor­trags in den Grün­den der Ent­schei­dung auch aus­drück­lich zu beschei­den 1.

So auch in dem Fall der hier ent­schie­de­nen Anhö­rungs­rü­ge: Der Bun­des­ge­richts­hof hat in sei­ner Bera­tung das Vor­brin­gen der Klä­ge­rin­nen zu ihrem Antrag auf Bewil­li­gung von Pro­zess­kos­ten­hil­fe in vol­lem Umfang dar­auf geprüft, ob die gesetz­li­chen Vor­aus­set­zun­gen einer sol­chen Bewil­li­gung gege­ben sind. Er hat auf der Grund­la­ge des Vor­brin­gens der Klä­ge­rin­nen die Vor­aus­set­zun­gen des § 116 Satz 1 Nr. 2 ZPO für nicht gege­ben erach­tet und inso­weit sei­nem den Antrag ableh­nen­den Beschluss eine auf die wesent­li­chen Gesichts­punk­te beschränk­te Begrün­dung bei­gefügt.

Von einer wei­ter­rei­chen­den Begrün­dung der Ableh­nung der Pro­zess­kos­ten­hil­fe kann auch im Ver­fah­ren über die Anhö­rungs­rü­ge abge­se­hen wer­den. Der Beschluss, mit dem der Bun­des­ge­richts­hof Pro­zess­kos­ten­hil­fe ver­sagt hat, ist gemäß § 127 Abs. 2, § 567 ZPO unan­fecht­bar. Er hät­te daher kei­ner Begrün­dung bedurft; allein eine feh­len­de Begrün­dung stell­te des­halb kei­ne Gehörs­ver­let­zung (Art. 103 Abs. 1 GG) dar. Im Übri­gen hät­te der Bun­des­ge­richts­hof auch bei Zurück­wei­sung der Nicht­zu­las­sungs­be­schwer­de im Haupt­sa­che­ver­fah­ren zu einer wei­te­ren Begrün­dung sei­ner Ent­schei­dung kei­nen Anlass gehabt (§ 544 Abs. 4 Satz 2 ZPO). Die Anhö­rungs­rü­ge ver­pflich­tet dazu eben­falls nicht, weil es eine Par­tei ansons­ten in der Hand hät­te, auf die­sem Wege die vor­ge­nann­te Bestim­mung aus­zu­he­beln. Im Ver­fah­ren über die Gewäh­rung von Pro­zess­kos­ten­hil­fe und eine dar­an anschlie­ßen­de Anhö­rungs­rü­ge kön­nen sich kei­ne wei­ter­ge­hen­den Pflich­ten erge­ben 2.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 5. Dezem­ber 2018 – IX ZA 16/​17

  1. BVerfGE 96, 205, 216 f[]
  2. BGH, Beschluss vom 25.04.2006 – IV ZA 22/​05, Fam­RZ 2006, 1029[]