Per­sön­li­cher Reit­leh­rer

Für einen Reit­an­fän­ger ist die per­sön­li­che Betreu­ung durch einen bestimm­ten Trai­ner von erheb­li­cher Bedeu­tung. Ver­lässt die­ser den Reit­stall, kann dies, wie ein aktu­el­ler Fall des Amts­ge­richts Mün­chen zeigt, zur frist­lo­sen Kün­di­gung berech­ti­gen.

Per­sön­li­cher Reit­leh­rer

Ein Ehe­paar betrieb einen Reit­stall. Im Mai 2008 kam der spä­te­re Beklag­te zu ihnen, nahm eine Pro­be­stun­de und schloss anschlie­ßend einen Mit­glied­schafts­ver­trag ab für den Zeit­raum 6. Mai 2008 bis 6. Juni 2009. Kur­ze Zeit spä­ter kam es zu einer Ehe­kri­se. Zunächst ver­ließ die Ehe­frau den Rei­ter­hof und ging von Mit­te Mai 2008 bis Mit­te Juni 2008 nach Öster­reich. Als sie wie­der zurück­kam, nahm der Ehe­mann Mit­te Juli 2008 sechs Pfer­de und eröff­ne­te einen eige­nen Reit­stall.

Dar­auf hin kün­dig­te der spä­te­re Beklag­te frist­los und zahl­te auch kei­ne Bei­trä­ge mehr. Schließ­lich sei es ihm auf die Reit – und Tur­nier­er­fah­rung sowie Fach­kom­pe­tenz des Ehe­man­nes ange­kom­men, der ihn im Übri­gen auch wäh­rend des Pro­be­mo­nats unter­wie­sen und auf Aus­rit­ten beglei­tet habe. Dadurch habe sich ein soli­des Ver­trau­ens­ver­hält­nis ent­wi­ckelt. Ihm sei die Betreu­ung durch den Ehe­mann bei Ver­trags­schluss auch zuge­si­chert wor­den, eben­so wie die Mög­lich­keit, zeit­lich unbe­schränkt und zwar auf den von ihm bevor­zug­ten Pfer­den Max und Moritz, zu denen er eben­falls eine beson­de­re Bezie­hung ent­wi­ckelt habe, zu rei­ten. Die­se Pfer­de habe der Ehe­mann mit­ge­nom­men.

Die Ehe­frau nahm die frist­lo­se Kün­di­gung nicht an. Sie ver­fü­ge über die­sel­ben Kennt­nis­se wie ihr Ehe­mann. Auch habe sie wei­te­re Reit­leh­rer unter Ver­trag. Es bestehe daher kei­ne Ver­an­las­sung zu kün­di­gen. Mit ihrer Kla­ge auf Zah­lung der Mit­glieds­bei­trä­ge ab dem Zeit­punkt der frist­lo­sen Kün­di­gung, die sie vor dem Amts­ge­richt Mün­chen erhob, hat­te sie jedoch kei­nen Erfolg:

Die frist­lo­se Kün­di­gung sei wirk­sam, so das Amts­ge­richt Mün­chen. Unter Berück­sich­ti­gung aller Umstän­de und unter
Abwä­gung der bei­der­sei­ti­gen Inter­es­sen der Par­tei­en sei dem Beklag­ten die Fort­set­zung des Ver­tra­ges bis zum Juni 2009 nicht zumut­bar gewe­sen.

Für einen Reit­an­fän­ger spie­le die per­sön­li­che Betreu­ung eine bedeu­ten­de Rol­le. Hier sei die fach­li­che Anlei­tung wäh­rend des Pro­be­mo­nats allein durch den Ehe­mann erfolgt. Es sei daher nach­voll­zieh­bar, dass es dem Beklag­ten auf Grund des sich dar­aus ent­wi­ckel­ten Ver­trau­ens­ver­hält­nis­ses wich­tig war, wei­ter­hin vom Ehe­mann betreut zu wer­den, was ihm am Anfang ja auch zuge­si­chert wor­den war. Es sei auch zu berück­sich­ti­gen, dass der Ver­trag (ohne die Betreu­ung) noch 9 ½ Mona­te gelau­fen wäre.

Die Inter­es­sen der Klä­ge­rin wür­den dem­ge­gen­über nicht über­wie­gen. Zwar sei die­se auf die Ein­nah­men aus dem Ver­trag zur Lebens­füh­rung und Wei­ter­füh­rung des Betrie­bes ange­wie­sen. Das Ent­fal­len der fach­li­chen Betreu­ung durch den Ehe­mann der Klä­ge­rin sei aber der Risi­ko­sphä­re der Klä­ge­rin zuzu­rech­nen. Der Beklag­te habe damit nicht rech­nen kön­nen.

Amts­ge­richt Mün­chen, Urteil vom 23. Juli 2009 – 275 C 24038/​08