Pfän­dung von Hartz-IV-Bezü­gen

Ansprü­che auf lau­fen­de Geld­leis­tun­gen zur Siche­rung des Lebens­un­ter­halts nach dem Zwei­ten Buch Sozi­al­ge­setz­buch (Arbeits­lo­sen­geld II) sind gemäß § 54 Abs. 4 SGB I wie Arbeits­ein­kom­men nach Maß­ga­be der Vor­schrif­ten in §§ 850c ff. ZPO pfänd­bar. Dies hat jetzt der Bun­des­ge­richts­hof 1 in drei Ent­schei­dun­gen klar­ge­stellt.

Pfän­dung von Hartz-IV-Bezü­gen

Der Bun­des­ge­richts­hof hat bereits dar­auf hin­ge­wie­sen, dass die Pfän­dung von "Arbeits­lo­sen­geld" die Pfän­dung von "Arbeits­lo­sen­geld II" umfasst 2.

Die Ansprü­che der Schuld­ne­rin gegen den Dritt­schuld­ner auf Arbeits­lo­sen­geld II sind nicht unpfänd­bar. Der Bun­des­ge­richts­hof hat bereits ent­schie­den, dass Ansprü­che auf lau­fen­de Geld­leis­tun­gen nach dem Zwei­ten Buch Sozi­al­ge­setz­buch gemäß § 54 Abs. 4 SGB I wie Arbeits­ein­kom­men gepfän­det wer­den kön­nen 3.

Die gepfän­de­ten Ansprü­che der Schuld­ne­rin sind auf lau­fen­de Geld­leis­tun­gen nach dem Zwei­ten Buch Sozi­al­ge­setz­buch gerich­tet sind. Die Schuld­ne­rin bezieht Arbeits­lo­sen­geld II, § 19 Abs. 1 Satz 1 SGB II. Sie erhält gemäß § 19 Abs. 1 Satz 3, § 20, § 22 SGB II Leis­tun­gen zur Siche­rung ihres Lebens­un­ter­halts von ins­ge­samt 469,38 €. Sol­che Ansprü­che betref­fen lau­fen­de Geld­leis­tun­gen im Sin­ne des § 54 Abs. 4 SGB. Sie kön­nen nach die­ser Vor­schrift wie Arbeits­ein­kom­men gepfän­det wer­den, soweit sie nicht gemäß § 54 Abs. 3 SGB I unpfänd­bar sind oder den sich aus § 54 Abs. 5 SGB I erge­ben­den Pfän­dungs­be­schrän­kun­gen unter­lie­gen. Kei­ner die­ser Aus­nah­me­tat­be­stän­de betrifft Ansprü­che auf lau­fen­de Geld­leis­tun­gen nach § 19 Abs. 1 SGB II.

Der (für die Aus­zah­lung des Arbeits­lo­sen­geld II zustän­di­ge) Dritt­schuld­ner meint aller­dings, die Bezü­ge der Schuld­ne­rin müss­ten, ins­be­son­de­re soweit sie dazu bestimmt sei­en, Bedar­fe für Unter­kunft und Hei­zung zu decken (§ 22 SGB II) durch eine ent­spre­chen­de Anwen­dung des § 54 Abs. 3 Nr. 2a SGB I dem Pfän­dungs­zu­griff ihrer Gläu­bi­ger ent­zo­gen wer­den, weil andern­falls die zweck­ent­spre­chen­de Ver­wen­dung der Leis­tun­gen zur Siche­rung des Wohn­be­darfs der Schuld­ne­rin nicht hin­rei­chend sicher­ge­stellt sei. Inso­weit dür­fe nichts ande­res gel­ten als für Ansprü­che auf Wohn­geld, die der Gesetz­ge­ber durch Ein­füh­rung der Vor­schrift in § 54 Abs. 3 Nr. 2a SGB I von der Pfän­dung aus­ge­nom­men habe, um die Bezah­lung der Mie­te und damit ein ange­mes­se­nes und fami­li­en­ge­rech­tes Woh­nen (vgl. § 1 Abs. 1 WoGG) zu sichern. Damit dringt der Dritt­schuld­ner nicht durch.

Die Schuld­ne­rin erhält kein Wohn­geld im Sin­ne des § 1 Abs. 1 WoGG. Eine ent­spre­chen­de Anwen­dung der durch das Vier­te Gesetz für moder­ne Dienst­lei­tun­gen am Arbeits­markt 4 neu ein­ge­füg­ten Rege­lung in § 54 Abs. 3 Nr. 2a SGB I auf die ihr statt­des­sen gemäß § 19 Abs. 1, § 22 SGB II zur Deckung ihres Wohn­be­darfs gewähr­ten Leis­tun­gen kommt nicht in Betracht. Das Gesetz ent­hält an die­ser Stel­le ent­ge­gen der Auf­fas­sung der Rechts­be­schwer­de kei­ne aus­fül­lungs­be­dürf­ti­ge Rege­lungs­lü­cke. Viel­mehr ergibt sich aus der Geset­zes­be­grün­dung 5, dass der Gesetz­ge­ber die pfän­dungs­recht­lich unter­schied­li­che Behand­lung von Wohn­geld und Leis­tun­gen zur Siche­rung des Lebens­un­ter­halts nach § 19 Abs. 1 Satz 3, § 22 SGB II gese­hen und bewusst hin­ge­nom­men hat.

In der Geset­zes­be­grün­dung ist aus­ge­führt, dass Wohn­geld nach dem bis zur Geset­zes­än­de­rung gel­ten­den Recht nicht zu den in § 54 Abs. 3 SGB I genann­ten unpfänd­ba­ren Sozi­al­leis­tun­gen gehör­te und daher nach Absatz 4 der Vor­schrift wie Arbeits­ein­kom­men nach den §§ 850 ff. ZPO pfänd­bar war. Zwar blei­be der Wohn­geld­emp­fän­ger regel­mä­ßig ohne­hin inner­halb der durch § 850c Abs. 1 und 2 vor­ge­ge­be­nen Pfän­dungs­frei­gren­zen. Es sei jedoch nicht aus­ge­schlos­sen gewe­sen, dass Gläu­bi­ger, die mit dem Wohn­raum des Wohn­geld­emp­fän­gers in kei­nem unmit­tel­ba­ren Zusam­men­hang stan­den, auf das Wohn­geld im Rah­men einer Pfän­dung zugrei­fen konn­ten. Weil dadurch der Zweck des Wohn­gel­des – die wirt­schaft­li­che Siche­rung ange­mes­se­nen und fami­li­en­ge­rech­ten Woh­nens – zumin­dest teil­wei­se habe ver­ei­telt wer­den kön­nen, sol­le klar­stel­lend gere­gelt wer­den, dass Wohn­geld grund­sätz­lich unpfänd­bar sei. Hier­für spre­che im Übri­gen auch die Gleich­ar­tig­keit hin­sicht­lich der wesent­li­chen Zielrichtung/​Vergleichbarkeit mit den in § 54 Abs. 3 Nr. 1 und 2 SGB I genann­ten Leis­tun­gen (Erzie­hungs­geld und Mut­ter­schafts­geld).

Dem kann ent­nom­men wer­den, dass der Gesetz­ge­ber durch die Ein­füh­rung der Vor­schrift in § 54 Abs. 3 Nr. 2a SGB I nur Ansprü­che auf Wohn­geld der Pfän­dung grund­sätz­lich und unge­ach­tet des durch die Pfän­dungs­frei­gren­zen des § 850c ZPO ohne­hin bestehen­den Pfän­dungs­schut­zes hat ent­zie­hen wol­len.

Für eine Erstre­ckung die­ser Rege­lung auf Leis­tun­gen im Rah­men der Arbeits­lo­sen­hil­fe II, ins­be­son­de­re auf sol­che zur Deckung der Bedar­fe für Unter­kunft und Hei­zung, besteht kein zwin­gen­der sach­li­cher Grund. Sie ist ent­ge­gen der Auf­fas­sung der Rechts­be­schwer­de ins­be­son­de­re nicht aus ver­fas­sungs­recht­li­chen Grün­den gebo­ten.

Arbeits­lo­sen­geld II erhält der erwerbs­fä­hi­ge Leis­tungs­be­rech­tig­te zur Siche­rung sei­nes Lebens­un­ter­halts, soweit die nach § 19 Abs. 1 Satz 3 SGB II hier­für maß­geb­li­chen Bedar­fe (§§ 20 ff. SGB II) nicht durch sein zu berück­sich­ti­gen­des Ein­kom­men und Ver­mö­gen gedeckt sind, § 19 Abs. 3 SGB II. Die Ver­wen­dung der danach zu gewäh­ren­den lau­fen­den Geld­leis­tun­gen steht zu sei­ner frei­en Dis­po­si­ti­on 6. Das gilt unbe­scha­det der durch § 22 Abs. 7 SGB II eröff­ne­ten Mög­lich­keit, Direkt­zah­lun­gen an den Ver­mie­ter oder sons­ti­gen Emp­fangs­be­rech­tig­ten vor­zu­neh­men, grund­sätz­lich auch für Leis­tun­gen zur Deckung der Bedar­fe für Unter­kunft und Hei­zung nach § 22 SGB II. Die­se Leis­tun­gen ergän­zen den gemäß §§ 20, 21 SGB II nach Maß­ga­be der Vor­schrif­ten des Zwölf­ten Buches Sozi­al­ge­setz­buch und der Regel­satz­ver­ord­nung pau­scha­lier­ten Regel­be­darf 7 um die tat­säch­lich in ange­mes­se­ner Höhe anfal­len­den Kos­ten für die Erhal­tung und Behei­zung der Unter­kunft und flie­ßen in die Berech­nung der dem erwerbs­fä­hi­gen Hil­fe­be­dürf­ti­gen zur Siche­rung sei­nes Lebens­un­ter­halts als Arbeits­lo­sen­geld II zu zah­len­den Beträ­ge ein 8. Sie erset­zen auf die­se Wei­se eben­so wie die Regel­leis­tun­gen nach §§ 20, 21 SGB II feh­len­des Arbeits­ein­kom­men 9.

Die dar­in lie­gen­de Zweck­be­stim­mung der als Arbeits­lo­sen­geld II zu gewäh­ren­den Leis­tun­gen unter­schei­det sich von der­je­ni­gen, die der Gesetz­ge­ber Wohn­geld­zah­lun­gen bemisst. Sie ist auch hin­sicht­lich der nach § 22 SGB II zu ermit­teln­den Bedar­fe für Unter­kunft und Hei­zung nicht in glei­cher Wei­se wie beim Wohn­geld von der Vor­stel­lung geprägt, dass der Hil­fe­be­dürf­ti­ge die Bezü­ge tat­säch­lich in der gewähr­ten Höhe für die wirt­schaft­li­che Siche­rung ange­mes­se­nen und fami­li­en­ge­rech­ten Woh­nens ver­wen­det, son­dern ori­en­tiert sich an einer die indi­vi­du­el­len Wohn­be­dürf­nis­se des Hil­fe­be­dürf­ti­gen berück­sich­ti­gen­den Berech­nung des für die Bemes­sung von Arbeits­lo­sen­geld II maß­geb­li­chen Bedarfs. Eine Zweck­bin­dung, die es zwin­gend erfor­der­lich machen könn­te, Leis­tun­gen nach § 22 SGB II den in § 54 Abs. 3 SGB I genann­ten gleich­zu­stel­len und dem Pfän­dungs­zu­griff des Gläu­bi­gers gegen den im Wort­laut des § 54 Abs. 3 und 4 SGB I mani­fes­tier­ten Wil­len des Gesetz­ge­bers grund­sätz­lich zu ent­zie­hen, besteht nach alle­dem nicht. Das gilt erst recht für die gemäß § 20 SGB II pau­scha­lier­ten Leis­tun­gen zur Siche­rung des Regel­be­darfs.

Die Belan­ge des hil­fe­be­dürf­ti­gen Schuld­ners erfor­dern es nicht, sei­ne Ansprü­che auf lau­fen­de Geld­leis­tun­gen nach dem Zwei­ten Buch Sozi­al­ge­setz­buch der Pfän­dung gene­rell zu ent­zie­hen. Weil sol­che Ansprü­che gemäß § 54 Abs. 4 SGB I wie Arbeits­ein­kom­men gepfän­det wer­den dür­fen, unter­lie­gen sie den Bestim­mun­gen der §§ 850 ff. ZPO 10. Sie sind, vor­be­halt­lich der Son­der­re­ge­lun­gen in §§ 850d und 850f ZPO, nur in dem durch § 850c ZPO zuge­las­se­nen Umfang pfänd­bar. Die danach zu berück­sich­ti­gen­den Pfän­dungs­frei­gren­zen lie­gen, wie auch der Gesetz­ge­ber her­vor­hebt 5, deut­lich über den Beträ­gen, die der erwerbs­fä­hi­ge Schuld­ner regel­mä­ßig als Arbeits­lo­sen­geld II erhält. Vor die­sem Hin­ter­grund unter­lie­gen sei­ne sozi­al­hil­fe­recht­li­chen Bezü­ge zur Siche­rung sei­nes Lebens­un­ter­halts in aller Regel selbst dann nicht der Pfän­dung, wenn der ihm gemäß § 22 SGB II nach tat­säch­lich ange­mes­se­nen Kos­ten zuzu­bil­li­gen­de Bedarf für Unter­kunft und Hei­zung im Ein­zel­fall höher sein soll­te, als der in die Pausch­be­trä­ge nach § 850c ZPO hier­für ein­ge­rech­ne­te Betrag. Für die Berech­nung der pfän­dungs­frei­en Beträ­ge bestimmt § 850e Abs. 2a ZPO, dass der pfand­freie Grund­be­trag bei der gebo­te­nen Zusam­men­rech­nung lau­fen­der Geld­leis­tun­gen nach dem Sozi­al­ge­setz­buch mit etwai­gem Arbeits­ein­kom­men des Schuld­ners in ers­ter Linie den lau­fen­den Geld­leis­tun­gen nach dem Sozi­al­ge­setz­buch zu ent­neh­men ist. Dadurch ist gewähr­leis­tet, dass dem Schuld­ner, der bei­spiels­wei­se nur Leis­tun­gen nach § 22 SGB II zur Deckung sei­ner Bedar­fe für Unter­kunft und Hei­zung erhält, die­se lau­fen­den Geld­leis­tun­gen nicht durch Pfän­dung ent­zo­gen wer­den.

Gleich­wohl ist nicht aus­zu­schlie­ßen, dass der sozi­al­hil­fe­be­dürf­ti­ge Schuld­ner in beson­ders gela­ger­ten Ein­zel­fäl­len Geld­leis­tun­gen nach dem Zwei­ten Buch Sozi­al­ge­setz­buch erhält, deren Betrag über den nach § 850c ZPO zu berück­sich­ti­gen­den Pfän­dungs­frei­gren­zen liegt. Ergibt sich die­se Kon­stel­la­ti­on aller­dings nur des­halb, weil sol­che Leis­tun­gen für meh­re­re Mona­te in einem Zahl­be­trag zusam­men­ge­fasst wer­den, sind die Ein­zel­be­trä­ge eben­so wie bei den ver­gleich­ba­ren Fäl­len der Nach­zah­lung rück­stän­di­ger Lohn­be­trä­ge für die Berech­nung des pfand­frei­en Betra­ges dem Leis­tungs­zeit­raum zuzu­rech­nen, für den sie gezahlt wer­den 11.

Für die ver­blei­ben­den Fäl­le, in denen der Schuld­ner lau­fen­de Geld­leis­tun­gen nach § 19 Abs. 1 SGB II in einer die Pfän­dungs­frei­gren­zen des § 850c über­stei­gen­den Höhe erhält, besteht ent­ge­gen der Auf­fas­sung der Rechts­be­schwer­de kein ver­fas­sungs­recht­li­ches Gebot, die­se über­schie­ßen­den Beträ­ge über den Rege­lungs­be­reich des § 54 Abs. 3 SGB I hin­aus dem Pfän­dungs­zu­griff des Gläu­bi­gers zu ent­zie­hen.

Das Sozi­al­staats­ge­bot des Art.20 Abs. 1 GG erteilt dem Gesetz­ge­ber den Auf­trag, jedem ein men­schen­wür­di­ges Exis­tenz­mi­ni­mum zu sichern. Die­ses umfasst sowohl die phy­si­sche Exis­tenz des Men­schen, also Nah­rung, Klei­dung, Haus­rat, Unter­kunft, Hei­zung, Hygie­ne und Gesund­heit, als auch die Siche­rung der Mög­lich­keit zur Pfle­ge zwi­schen­mensch­li­cher Bezie­hun­gen und zu einem Min­dest­maß an Teil­ha­be am gesell­schaft­li­chen, kul­tu­rel­len und poli­ti­schen Leben, denn der Mensch als Per­son exis­tiert not­wen­dig in sozia­len Bezü­gen 12.

Es unter­liegt kei­nem Zwei­fel, dass die Pfän­dungs­vor­schrif­ten in § 850c ZPO die­sem ver­fas­sungs­recht­li­chen Anspruch auf Siche­rung des Exis­tenz­mi­ni­mums in ange­mes­se­ner Wei­se Rech­nung tra­gen. Glei­ches gilt im Ergeb­nis für die Fäl­le, in denen die Voll­stre­ckung wegen Unter­halts­for­de­run­gen (§ 850d ZPO) oder wegen einer For­de­rung aus einer vor­sätz­lich began­ge­nen uner­laub­ten Hand­lung (§ 850f ZPO) betrie­ben wird. Hier­zu hat der Bun­des­ge­richts­hof dar­auf hin­ge­wie­sen, dass dem Schuld­ner für sei­nen not­wen­di­gen Unter­halt min­des­tens so viel pfand­frei zu belas­sen ist, wie er zur Deckung sei­nes not­wen­di­gen Lebens­un­ter­halts nach Maß­ga­be der Bestim­mun­gen des 3. und 11. Kapi­tels des Zwölf­ten Buches Sozi­al­ge­setz­buch benö­tigt 13. Danach sind ihm jeden­falls die Regel­sät­ze nach § 28 SGB XII zu belas­sen 14, dar­über hin­aus Leis­tun­gen nach § 35 SGB XII, die er zur Deckung sei­ner Bedar­fe für die Erhal­tung einer ange­mes­se­nen Unter­kunft und Hei­zung erhält.

Die­se für die Pfän­dung von Arbeits­ein­kom­men maß­geb­li­chen Grund­sät­ze gewähr­leis­ten die ver­fas­sungs­recht­lich gebo­te­ne Siche­rung des Exis­tenz­mi­ni­mums in glei­cher Wei­se für die nach § 54 Abs. 4 SGB I zuläs­si­ge Pfän­dung von Ansprü­chen des erwerbs­fä­hi­gen Schuld­ners auf Leis­tun­gen zur Siche­rung sei­nes Lebens­un­ter­halts nach dem Zwei­ten Buch Sozi­al­ge­setz­buch. Sie bean­spru­chen ohne Ver­stoß gegen den Gleich­heits­grund­satz aus Art. 3 Abs. 1 GG 15 Gel­tung unab­hän­gig von der Art des Ein­kom­mens oder des Leis­tungs­be­zugs und erfor­dern über die zuguns­ten des Schuld­ners in § 54 Abs. 3 und Abs. 5 SGB I ange­ord­ne­ten Pfän­dungs­ver­bo­te bzw. Pfän­dungs­be­schrän­kun­gen hin­aus kei­ne Kor­rek­tur der Pfän­dungs­vor­schrift in § 54 Abs. 4 SGB I.

Die Ansprü­che der Schuld­ne­rin auf Arbeits­lo­sen­geld II sind nicht ent­spre­chend § 17 Abs. 1 Satz 2 SGB XII unpfänd­bar. Die Vor­schrift betrifft Ansprü­che auf Leis­tun­gen der Sozi­al­hil­fe, die nach dem Drit­ten Kapi­tel des Zwölf­ten Buches Sozi­al­ge­setz­buch erbracht wer­den. Um sol­che Leis­tun­gen geht es hier nicht. Eine ent­spre­chen­de Anwen­dung des § 17 Abs. 1 Satz 2 SGB XII auf Leis­tun­gen nach dem Zwei­ten Buch Sozi­al­ge­setz­buch kommt in Erman­ge­lung einer aus­fül­lungs­be­dürf­ti­gen Rege­lungs­lü­cke nicht in Betracht. Sie ist ins­be­son­de­re nicht des­halb gebo­ten, weil, wor­auf die Rechts­be­schwer­de aller­dings mit Recht hin­weist, die gemäß § 20 SGB II anzu­er­ken­nen­den Regel­be­dar­fe den Regel­sät­zen des § 28 SGB XII ent­spre­chen und nach den dort nie­der­ge­leg­ten Grund­sät­zen ermit­telt wer­den. Eben­so wenig von Belang ist in die­sem Zusam­men­hang, ob bei­de Leis­tungs­ar­ten "Sozi­al­hil­fe" im Sin­ne des § 9 SGB I sind. Aus alle­dem lässt sich nicht ablei­ten, dass Ansprü­che auf Leis­tun­gen nach dem Zwei­ten Buch Sozi­al­ge­setz­buch in glei­cher Wei­se unpfänd­bar sein müs­sen wie die­je­ni­gen auf Leis­tun­gen nach dem Zwölf­ten Buch Sozi­al­ge­setz­buch. Der Bezug von Arbeits­lo­sen­geld II gemäß § 19 Abs. 1 SGB II ist erwerbs­fä­hi­gen Leis­tungs­be­rech­tig­ten vor­be­hal­ten. Er schließt gemäß § 5 Abs. 2 Satz 1 SGB II Leis­tun­gen nach dem Zwölf­ten Buch Sozi­al­ge­setz­buch aus, die nur sol­che Leis­tungs­be­rech­tig­te erhal­ten, die nicht erwerbs­fä­hig sind. Vor die­sem Hin­ter­grund ist es nicht zu bean­stan­den und es bedarf auch aus dem Gesichts­punkt des Gleich­be­hand­lungs­ge­bots in Art. 3 Abs. 1 GG kei­ner Kor­rek­tur, dass der Gesetz­ge­ber in Anse­hung der durch das Kri­te­ri­um der Erwerbs­fä­hig­keit beding­ten Tren­nung bei­der Leis­tungs­sys­te­me nur die Pfän­dung der Ansprü­che erwerbs­fä­hi­ger Leis­tungs­be­rech­tig­ter nach Maß­ga­be der für Arbeits­ein­kom­men gel­ten­den Voll­stre­ckungs­vor­schrif­ten zulässt.

Ohne Erfolg bleibt vor dem Bun­des­ge­richts­hof auch die Erwä­gung, das Inter­es­se des Gläu­bi­gers an der Pfän­dung ver­meint­li­cher Ansprü­che auf Sozi­al­leis­tun­gen sei nicht schüt­zens­wert, weil die Pfän­dung in aller Regel an den Pfän­dungs­frei­gren­zen des § 850c ZPO schei­te­re und ihre Zulas­sung nur unnö­ti­gen Ver­wal­tungs­auf­wand und Kos­ten pro­du­zie­re. Die­ser Ein­wand, der in der Sache rechts­po­li­tisch ist, mag in zukünf­ti­gen Gesetz­ge­bungs­ver­fah­ren eine Rol­le spie­len. Er recht­fer­tigt es jedoch nicht, die­se Rege­lung der­zeit nicht anzu­wen­den. Glei­ches gilt für den Ein­wand, dass die unnüt­ze Pfän­dung einem Gläu­bi­ger den ansons­ten nicht mög­li­chen Zugriff auf die Sozi­al­da­ten des Schuld­ners ermög­li­che.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschlüs­se vom 25. Okto­ber 2012 – VII ZB 47/​11, VII ZB 74/​11 und VII ZB 31/​12

  1. im Anschluss an BGH, Beschluss vom 25.11.2010 – VII ZB 111/​09, NJW-RR 2011, 706[]
  2. BGH, Beschluss vom 12.12.2007 – VII ZB 38/​07, NJW-RR 2008, 733 Rn. 14[]
  3. BGH, Beschluss vom 25.11.2010 – VII ZB 111/​09, NJW-RR 2011, 706 Rn. 7; Beschluss vom 05.04.2005 – VII ZB 20/​05, NJW-RR 2005, 1010[]
  4. vom 24.12.2003, BGBl. I 2003, 2954 ff.[]
  5. BT-Drucks. 15/​1516, S. 68[][]
  6. BGH, Beschluss vom 25.11.2010 – VII ZB 111/​09, NJW-RR 2011, 706 Rn.19 – unter Hin­weis auf BT-Drucks. 15/​1516, S. 46, 55 f.[]
  7. vgl. BT-Drucks. 15/​1516, S. 56[]
  8. Lau­ter­bach in: Gagel, SGB II/​SGB III, 46. Ergän­zungs­lie­fe­rung 2012, § 22 Rn. 1; Breit­kreuz in: Beck­OK SGB II, § 22 Rn. 2; Lang/​Link in: Eicher/​Spellbrink, SGB II, 2. Aufl., § 22 Rn. 5[]
  9. vgl.: Pflü­ger in: juris­PK-SGB I, 2. Aufl.2011, § 54 Rn. 73[]
  10. BGH, Beschluss vom 05.04.2005 – VII ZB 20/​05, NJW-RR 2005, 1010; Beschluss vom 12.12.2003 – IXa ZB 207/​03, Rpfle­ger 2004, 232; Beschluss vom 10.10.2003 – IXa ZB 180/​03, Rpfle­ger 2004, 111[]
  11. vgl.: Zöller/​Stöber, ZPO, 29. Aufl., § 850c Rn. 3[]
  12. BGH, Beschluss vom 25.11.2010 – VII ZB 111/​09, NJW-RR 2011, 706 Rn. 14 – unter Hin­weis auf: BVerfG, NJW 2010, 505 Rn. 133 ff.; Beschluss vom 13.11.2011 – VII ZB 7/​11[]
  13. BGH, Beschluss vom 25.11.2010 – VII ZB 111/​09, NJW-RR 2011, 706 Rn. 9; Beschluss vom 12.12.2007 – VII ZB 38/​07, NJW-RR 2008, 733 Rn. 13; Urteil vom 23.02.2005 – XII ZR 114/​03, BGHZ 162, 234 Rn. 26[]
  14. BGH, Beschluss vom 25.11.2010 – VII ZB 111/​09, NJW-RR 2011, 706 Rn. 9[]
  15. vgl. BGH, Beschluss vom 13.10.2011 – VII ZB 7/​11[]