Pfän­dungs­schutz für Sozi­al­leis­tungs­emp­fän­ger

Der Bun­des­ge­richts­hof hat­te sich mit der Fra­ge zu befas­sen, auf wel­chem ver­fah­rens­recht­li­chen Wege bei der lau­fen­den Pfän­dung des Bank­kon­tos eines Sozi­al­leis­tungs­emp­fän­gers der für das Kon­to­gut­ha­ben bestehen­de Pfän­dungs­schutz effek­tiv durch­ge­setzt wer­den kann.

Pfän­dungs­schutz für Sozi­al­leis­tungs­emp­fän­ger

Die Gläu­bi­ge­rin hat­te einen Pfän­dungs- und Über­wei­sungs­be­schluss hin­sicht­lich des Bank­kon­tos des Schuld­ners erwirkt, auf das monat­lich das für ihn bestimm­te Arbeits­lo­sen­geld II in Höhe von 742,50 ? gezahlt wur­de. Die­se Pfän­dung betraf die lau­fen­de Kon­to­ver­bin­dung, wirk­te sich also auch auf die künf­tig erfol­gen­den Gut­schrif­ten der Sozi­al­leis­tung aus.

Lau­fen­de Sozi­al­leis­tun­gen sind nach § 54 Abs. 4 SGB I grund­sätz­lich wie Arbeits­ein­kom­men pfänd­bar. Wer­den sie auf ein Bank­kon­to geleis­tet, ist das aus der Über­wei­sung resul­tie­ren­de Kon­to­gut­ha­ben gemäß § 55 Abs. 1 SGB I für die Dau­er von sie­ben Tagen seit der Gut­schrift unpfänd­bar. Hat der Schuld­ner bis zum Ablauf die­ser Frist nicht voll­stän­dig über die Gut­schrift ver­fügt, wird der ver­blie­be­ne Betrag von der Pfän­dung erfasst. Der Schuld­ner darf dar­über ohne eine abwei­chen­de gericht­li­che Ent­schei­dung nicht mehr ver­fü­gen, auch wenn die Sozi­al­leis­tung ins­ge­samt die Pfän­dungs­frei­gren­zen der §§ 850 c ff. ZPO für Arbeits­ein­kom­men nicht über­steigt und der auf dem Kon­to ver­blie­be­ne Betrag daher nach § 55 Abs. 4 SGB I unpfänd­bar ist.

Bis­her wur­de ver­brei­tet die Mei­nung ver­tre­ten, der Schuld­ner kön­ne nach Ablauf der 7 – Tage – Frist die Frei­ga­be des unpfänd­ba­ren Rest­gut­ha­bens nur mit der Erin­ne­rung nach § 766 ZPO gel­tend machen und damit nur bezo­gen auf die jeweils aktu­el­le monat­li­che Über­wei­sung der Sozi­al­leis­tung. Ein der­ar­ti­ges Ver­fah­ren, das dazu zwingt, die Unpfänd­bar­keit des Rest­gut­ha­bens Monat für Monat mit einem Rechts­be­helf gel­tend zu machen, hin­dert den Sozi­al­leis­tungs­emp­fän­ger in erheb­li­chem Maße dar­an, mit dem ihm pfän­dungs­frei zuste­hen­den Kon­to­gut­ha­ben am heu­te übli­chen bar­geld­lo­sen Zah­lungs­ver­kehr teil­zu­neh­men.

Für den ver­gleich­ba­ren Fall, dass lau­fend Arbeits­ein­kom­men auf ein Kon­to über­wie­sen wird, hat der Gesetz­ge­ber, um eine sol­che unbil­li­ge Kon­se­quenz zu ver­mei­den, in § 850 k ZPO die Mög­lich­keit eröff­net, auf Antrag des Schuld­ners von vorn­her­ein und mit Wir­kung für die gesam­te Dau­er der Pfän­dung den jeweils durch die wie­der­keh­ren­den Zah­lun­gen auf das Kon­to gelan­gen­den Betrag im Umfang der Pfän­dungs­frei­gren­zen durch Ent­schei­dung des Voll­stre­ckungs­ge­richts frei­zu­stel­len.

Der Bun­des­ge­richts­hof hat nun die­se Rege­lung ent­spre­chend auch auf die Fäl­le ange­wandt, in denen wie­der­keh­ren­de Sozi­al­leis­tun­gen wie das Arbeits­lo­sen­geld II auf das gepfän­de­te Kon­to des Schuld­ners über­wie­sen wer­den. Der Bun­des­ge­richts­hof hat daher die Rechts­be­schwer­de des Gläu­bi­gers gegen den Beschluss des Land­ge­richts, das bereits eben­so zuguns­ten des Schuld­ners ent­schie­den hat­te, zurück­ge­wie­sen.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 20. Dezem­ber 2006 – VII ZB 56/​06