Pfarrer(selbst)finanzierung durch Stif­tungs­gel­der

Hat die pflicht­wid­ri­ge Geschäfts­füh­rung eines Pfar­rers den Anlass für Son­der­prü­fun­gen bei einer Stif­tung gege­ben, muss er die Kos­ten der Prü­fun­gen bezah­len. Zah­lun­gen, die für "seel­sor­ge­ri­sche Zwe­cke" an den Pfar­rer per­sön­lich gegan­gen sind und denen kei­ne von der kirch­li­chen Stif­tungs­be­hör­de geneh­mig­te Ver­ein­ba­rung zugrun­de lie­gen, hat der Pfar­rer zurück zu zah­len. Ohne Rechts­grund erhal­te­ne Bar­zah­lun­gen sind eben­falls zurück zu zah­len.

Pfarrer(selbst)finanzierung durch Stif­tungs­gel­der

Kann nicht nach­ge­wie­sen wer­den, dass ein Stif­tungs­kon­to als "Treu­hand­kon­to" aus eige­nen Gel­dern des Pfar­rers gespeist wor­den ist, hat der Pfar­rer sich durch die an sich selbst über­wie­se­nen Beträ­ge unge­recht­fer­tigt berei­chert.

So das Ober­lan­des­ge­richt Olden­burg in dem hier vor­lie­gen­den Fall eines ehe­ma­li­gen Pfar­rers, der ins­ge­samt eine Rück­zah­lung von mehr als 220.000,00 Euro zu leis­ten hat. Der Pfar­rer war vor­sit­zen­des Kura­to­ri­ums­mit­glied einer Stif­tung der katho­li­schen Kir­che, die ihn auf Scha­dens­er­satz wegen angeb­lich ange­fal­le­ner Kos­ten von Wirt­schafts­prü­fern und auf Erstat­tung von aus ihrem Ver­mö­gen erbrach­ter Zah­lun­gen in Anspruch genom­men hat. Nach auf­ge­kom­me­nen Vor­wür­fen gegen sei­ne Amts­füh­rung, ins­be­son­de­re auch in finan­zi­el­len Berei­chen, erklär­te der Beklag­te den Amts­ver­zicht als Pfar­rer. Dar­auf­hin fan­den bei ver­schie­de­nen Ein­rich­tun­gen der katho­li­schen Kir­che, für die der Beklag­te in sei­ner vor­ma­li­gen Funk­ti­on als Pfar­rer tätig war, Son­der­prü­fun­gen für die Geschäfts­jah­re 2000 bis 2007 statt.

Nach Auf­fas­sung des Ober­lan­des­ge­richts Olden­burg hat­te der Beklag­te durch sei­ne pflicht­wid­ri­ge Geschäfts­füh­rung den Anlass für die Son­der­prü­fun­gen gege­ben. Der Stif­tung ist ein Anspruch auf Erstat­tung der Kos­ten für die not­wen­di­gen Maß­nah­men der Auf­klä­rung und Scha­dens­fest­stel­lung zuge­spro­chen wor­den. Der Beklag­te muss die Kos­ten der Prü­fun­gen von ins­ge­samt rund 43.500,00 Euro der Klä­ge­rin bezah­len.

Dar­über hin­aus ver­pflich­te­te das Ober­lan­des­ge­richt den Beklag­ten zur Rück­zah­lung von knapp 43.000,00 Euro. Er hat­te in den Jah­ren 1996 bis 2000 monat­lich 1.400,00 DM für "seel­sor­ge­ri­sche Zwe­cke" erhal­ten. Ein den Erhalt des Gel­des recht­fer­ti­gen­den Grund für eine Zah­lung an ihn per­sön­lich erkann­te der Senat nicht. Es läge kei­ne von der kirch­li­chen Stif­tungs­be­hör­de geneh­mig­te Ver­ein­ba­rung den Zah­lun­gen zugrun­de. Hät­te der Beklag­te mit dem Geld beab­sich­tigt, "Gutes zu tun", so das Ober­lan­des­ge­richt wei­ter, hät­te er dafür die Erträ­ge aus dem Stif­tungs­ver­mö­gen ein­set­zen müs­sen und das Geld aus­schließ­lich für Stif­tungs­zwe­cke ver­wen­den dür­fen. Eine sol­che Ver­wen­dung habe der Beklag­te aber nicht nach­voll­zieh­bar dar­ge­legt.

Der Beklag­te muss dar­über hin­aus auch das von ihm in den Jah­ren 1998 bis 2006 als Bar­zah­lung oder per Scheck erlang­te Geld in Höhe von ins­ge­samt 100.000,00 Euro zurück­zah­len. Der Beklag­te hat­te die­se Zah­lun­gen nach Auf­fas­sung des Ober­lan­des­ge­richts erhal­ten, ohne dass ein Rechts­grund dafür ersicht­lich ist.

Schließ­lich sei der Beklag­te auch des­halb unge­recht­fer­tigt berei­chert, weil er sich im Jahr 2002 und 2004 Beträ­ge von 18.000,00 Euro und 15.000,00 Euro über­wie­sen habe. Das Ober­lan­des­ge­richt sah die Behaup­tung des Beklag­ten, das betref­fen­de Kon­to der Stif­tung sei ein "Treu­hand­kon­to" gewe­sen, das aus eige­nen Gel­dern des Pfar­rers gespeist wor­den sei und dazu gedient habe, zur Ver­mei­dung von Kapi­tal­ertrags­steu­ern eige­ne Gel­der vor­über­ge­hend "zu par­ken" als wider­legt an.

Ober­lan­des­ge­richt Olden­burg, Urteil vom 12. Juni 2014 – 1 U 87/​13