Pflan­zen­hö­he zwi­schen Nach­bar­grund­stü­cken

Pflan­zen, die hin­ter einer Sicht­schutz­wand ste­hen und die­se in erheb­li­chem Maße an Höhe über­ra­gen, sind auf die Höhe der Sicht­schutz­wand zurück­zu­schnei­den, wenn die­se das Nach­bar­grund­stück beein­träch­ti­gen.

Pflan­zen­hö­he zwi­schen Nach­bar­grund­stü­cken

So die Ent­schei­dung des Amts­ge­richts Mün­chen in dem hier vor­lie­gen­den Fall zwei­er Nach­barn, die sich über die Höhe von Eiben und Thu­jen strei­ten. Seit vie­len Jah­ren steht zwi­schen den Grund­stü­cken zwei­er Münch­ner Nach­barn ein Sicht­schutz­zaun von 2 Metern Höhe, hin­ter dem von einem Nach­bar Eiben und Thu­jen gepflanzt wur­den. Die­se wuch­sen her­an und über­rag­ten eines Tages den Zaun um mehr als 20 cm. Auch Wur­zeln von Pflan­zen dran­gen in das ande­re Grund­stück ein. Der Eigen­tü­mer die­ses Grund­stücks ver­lang­te den Rück­schnitt der Eiben und Thu­jen. Im rück­wär­ti­gen Bereich wür­den die­se sein Grund­stück mas­siv ver­schat­ten. Der Boden an der Grund­stücks­gren­ze ver­saue­re auf Grund der her­ab fal­len­den Nadeln, so dass auch das Gras nicht mehr wach­se. Geh­weg­plat­ten wür­den durch die Wur­zeln ange­ho­ben, ein Beton­stein der Ein­fas­sung der Ein­fahrt sei auch schon betrof­fen. Zwi­schen Gar­ten­tor­säu­le und Mau­er habe sich ein tie­fer Spalt gebil­det. Außer­dem wol­le man eine wei­te­re Ter­ras­se errich­ten, was auf Grund der Wur­zeln nicht mög­lich sei. Der ande­re Nach­bar wei­ger­te sich. Schließ­lich stün­den die Pflan­zen hin­ter der Schutz­wand. Es kam zu einem Schlich­tungs­ver­fah­ren, das jedoch erfolg­los blieb. Anschlie­ßend ist vor dem Amts­ge­richt Mün­chen Kla­ge erho­ben wor­den.

Nach Auf­fas­sung des Amts­ge­richts Mün­chen gel­te zwar der gesetz­lich gere­gel­te Min­dest­ab­stand zur Grund­stücks­gren­ze von 50 cm bzw. von 2 m bei einer Pflan­zen­hö­he von über 2 m nicht, wenn sich die Pflan­zen hin­ter einer Mau­er oder dich­ten Ein­frie­dung befän­den. Dies gel­te aber nur, wenn die Pflan­zen die Sicht­schutz­wand nur uner­heb­lich über­rag­ten. Die Fra­ge, ab wel­chem Maß ein erheb­li­ches Über­schrei­ten ange­nom­men wer­den müs­se, sei nach dem Sinn und Zweck der Vor­schrift zu beant­wor­ten. Der Gesetz­ge­ber sei davon aus­ge­gan­gen, dass von Pflan­zen, die ledig­lich die glei­che Höhe wie die Ein­frie­dung auf­wei­sen, den­knot­wen­dig kei­ne nen­nens­wer­ten Beein­träch­ti­gun­gen für das Nach­bar­grund­stück aus­ge­hen könn­ten. Ein uner­heb­li­ches Über­stei­gen sei daher dann anzu­neh­men, wenn infol­ge der grö­ße­ren Höhe eben­falls kei­ne Beein­träch­ti­gun­gen zu erwar­ten sei­en.

Vor­lie­gend habe die Beweis­auf­nah­me aller­dings erge­ben, dass die Pflan­zen zum einen mehr als 20 cm höher als die Ein­frie­dung sei­en. Der Sach­ver­stän­di­ge habe zudem auch dar­ge­legt, dass mit Beein­träch­ti­gun­gen, ins­be­son­de­re mit Nadel­be­fall, der den Boden schä­di­gen kön­ne, zu rech­nen sei. Es sei daher von einer erheb­li­chen Über­schrei­tung aus­zu­ge­hen.

Aller­dings habe der Klä­ger nur einen Anspruch auf Rück­schnitt bis zur Höhe der Sicht­schutz­wand.

Auch die Wur­zeln sei­en zurück­zu­schnei­den, da bereits Beein­träch­ti­gun­gen wie zum Bei­spiel das Anhe­ben von Plat­ten fest­zu­stel­len sei.

Amts­ge­richt Mün­chen, Urteil vom 29. März 2012 – 173 C 19258/​09