PKH-Antrag – und die Rechts­mit­tel­frist

Die Anga­ben des Klä­gers ermög­li­chen kei­ne Prü­fung, ob er nach sei­nen per­sön­li­chen und wirt­schaft­li­chen Ver­hält­nis­sen nicht in der Lage ist, die Kos­ten der Pro­zess­füh­rung auf­zu­brin­gen (§ 114 Satz 1 ZPO), wenn er zwar eine Erklä­rung über die per­sön­li­chen und wirt­schaft­li­chen Ver­hält­nis­se auf einem unter­schrie­be­nen Vor­druck über­mit­telt hat, es jedoch an der Vor­la­ge von Bele­gen für die dar­in ent­hal­te­nen Anga­ben fehlt.

PKH-Antrag – und die Rechts­mit­tel­frist

Die Bei­fü­gung der "ent­spre­chen­den Bele­ge" ist dem Antrag­stel­ler in § 117 Abs. 2 Satz 1 ZPO aus­drück­lich zur Pflicht gemacht 1. Der Vor­druck ent­hält auch auf Sei­te 1 oben den Hin­weis, dass Bele­ge in Kopie durch­num­me­riert bei­zu­fü­gen sind. Außer­dem ist bei den abge­frag­ten Anga­ben jeweils eine Rubrik "Beleg Num­mer" vor­han­den, die ent­spre­chend aus­zu­fül­len ist.

Wegen des Feh­lens der Bele­ge durf­te der Klä­ger bei Ablauf der Rechts­mit­tel­frist nicht dar­auf ver­trau­en, dass sei­nem Pro­zess­kos­ten­hil­fe­an­trag ent­spro­chen wür­de.

Dies gilt im vor­lie­gend vom Bun­des­ge­richts­hof ent­schie­de­nen Fall umso mehr, als schon das Land­ge­richt in sei­nem den Antrag auf Bewil­li­gung von Pro­zess­kos­ten­hil­fe zurück­wei­sen­den Beschluss dar­auf hin­ge­wie­sen hat, dass der Klä­ger (trotz einer Auf­la­gen­ver­fü­gung) sei­ne per­sön­li­chen und wirt­schaft­li­chen Ver­hält­nis­se man­gels Vor­la­ge von Bele­gen nicht glaub­haft gemacht habe.

Ein Hin­weis auf das Feh­len von Bele­gen zu den per­sön­li­chen und wirt­schaft­li­chen Ver­hält­nis­sen des Klä­gers konn­te im vor­lie­gen­den Fall auch nicht inner­halb der Frist zur Ein­le­gung der Nicht­zu­las­sungs­be­schwer­de erfol­gen, weil der Antrag mit dem Vor­druck erst am 17.06.2016, einem Frei­tag, ein­ge­gan­gen ist und eine Prü­fung der Voll­stän­dig­keit des Pro­zess­kos­ten­hil­fe­an­tra­ges im nor­ma­len Geschäfts­gang nicht vor Ablauf der Rechts­mit­tel­frist am 20.06.2016 erfol­gen konn­te.

Eines Hin­wei­ses zum jet­zi­gen Zeit­punkt bedarf es nicht, weil dem Klä­ger damit nicht gedient wäre. Die Frist zur Ein­le­gung der Nicht­zu­las­sungs­be­schwer­de ist ver­stri­chen. Eine Wie­der­ein­set­zung in den vori­gen Stand (§ 233 ZPO) kommt nicht in Betracht. Eine Par­tei, die nicht in der Lage ist, die Pro­zess­kos­ten zu tra­gen, muss ihr voll­stän­di­ges Gesuch um Bewil­li­gung von Pro­zess­kos­ten­hil­fe für ein Rechts­mit­tel­ver­fah­ren unter Ver­wen­dung der vor­ge­schrie­be­nen Vor­dru­cke und Bei­fü­gung aller erfor­der­li­chen Unter­la­gen inner­halb der Rechts­mit­tel­frist ein­rei­chen. Ist dies nicht gesche­hen, war die Par­tei nicht ohne ihr Ver­schul­den ver­hin­dert, die Frist zur Ein­le­gung der Rechts­be­schwer­de ein­zu­hal­ten 2.

Ein etwai­ges Ver­schul­den sei­ner Anwäl­te wäre dem Klä­ger nach § 85 Abs. 2 ZPO zuzu­rech­nen 3.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 10. Novem­ber 2016 – V ZA 12/​16

  1. vgl. BGH, Beschluss vom 09.10.2003 – IX ZA 8/​03, Fam­RZ 2004, 99, 100[]
  2. BGH, Beschluss vom 18.04.2013 – V ZA 35/​12 4; Beschluss vom 02.02.2012 – V ZA 3/​12, Grund­ei­gen­tum 2012, 495; Beschluss vom 07.10.2004 – V ZA 8/​04, Fam­RZ 2004, 1961, 1962 mwN[]
  3. vgl. BGH, Beschluss vom 12.06.2001 – XI ZR 161/​01, BGHZ 148, 66, 70[]