PKH-Antrag, Rechts­mit­tel­frist – und der PKH-Vor­druck

Unter­bleibt die recht­zei­ti­ge Vor­nah­me einer frist­wah­ren­den Hand­lung wie hier die form­ge­rech­te Ein­le­gung eines Rechts­mit­tels wegen des wirt­schaft­li­chen Unver­mö­gens der Par­tei, ist die Frist unver­schul­det ver­säumt und der Par­tei wird auf ihren Antrag oder von Amts wegen Wie­der­ein­set­zung in die ver­säum­te Frist gewährt (§§ 233 ff. ZPO), sofern sie bis zu deren Ablauf einen den gesetz­li­chen Anfor­de­run­gen ent­spre­chen­den Pro­zess­kos­ten­hil­fe­an­trag ein­ge­reicht und alles in ihren Kräf­ten Ste­hen­de getan hat, damit über den Antrag ohne Ver­zö­ge­rung sach­lich ent­schie­den wer­den kann 1.

PKH-Antrag, Rechts­mit­tel­frist – und der PKH-Vor­druck

Das setzt vor­aus, dass die Par­tei inner­halb der lau­fen­den Rechts­mit­tel­frist nicht nur den Pro­zess­kos­ten­hil­fe­an­trag stellt, son­dern auch alle für die Bewil­li­gung der Pro­zess­kos­ten­hil­fe erfor­der­li­chen Unter­la­gen bei­bringt 2.

Da die Bewil­li­gung der Pro­zess­kos­ten­hil­fe für jeden Rechts­zug geson­dert erfolgt (§ 119 Abs. 1 Satz 1 ZPO), ist die Erklä­rung nach § 117 Abs. 2 i.V.m. Abs. 4 ZPO auch im höhe­ren Rechts­zug, gege­be­nen­falls erneut, bei­zu­fü­gen, wenn der Antrag­stel­ler nicht zugleich auf einen in der Vor­in­stanz vor­ge­leg­ten Vor­druck ver­weist und unmiss­ver­ständ­lich mit­teilt, dass sei­ne per­sön­li­chen und wirt­schaft­li­chen Ver­hält­nis­se unver­än­dert geblie­ben sind 3.

Dar­an fehl­te es im vor­lie­gend ent­schie­de­nen Fall: Der Klä­ger hat inner­halb der Frist für die Ein­le­gung der Nicht­zu­las­sungs­be­schwer­de (§ 544 Abs. 1 Satz 2 ZPO), die am 22.01.2015 abge­lau­fen ist, die nach § 117 Abs. 2 i.V.m. Abs. 4 ZPO erfor­der­li­che Erklä­rung über sei­ne per­sön­li­chen und wirt­schaft­li­chen Ver­hält­nis­se mit den ent­spre­chen­den Bele­gen nicht vor­ge­legt und auch nicht auf einen bereits in der Vor­in­stanz vor­ge­leg­ten Vor­druck Bezug genom­men. Der Pro­zess­kos­ten­hil­fe­an­trag ist viel­mehr am 22.01.2015 per Tele­fax­schrift­satz, wie dar­in aus­ge­führt, „ohne PKH-Anla­gen” ein­ge­reicht wor­den; die vom 20.01.2015 datie­ren­de Erklä­rung über die per­sön­li­chen und wirt­schaft­li­chen Ver­hält­nis­se nebst Bele­gen ist erst am 28.01.2015, nach Ablauf der Frist für die Ein­le­gung der Nicht­zu­las­sungs­be­schwer­de, beim Bun­des­ge­richts­hof ein­ge­gan­gen.

Die­ser Sach­ver­halt recht­fer­tigt nach Ansicht des Bun­des­ge­richts­hofs nicht die Annah­me, dass den Klä­ger an der ver­spä­te­ten Vor­la­ge kein Ver­schul­den trifft. Ein dem Klä­ger gemäß § 85 Abs. 2 ZPO zuzu­rech­nen­des Orga­ni­sa­ti­ons­ver­schul­den sei­nes Pro­zess­be­voll­mäch­tig­ten ist im Streit­fall nicht aus­ge­räumt 4.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 23. April 2015 – VII ZA 1/​15

  1. vgl. BGH, Beschluss vom 21.11.2013 – VII ZA 9/​13; Beschluss vom 21.02.2002 – IX ZA 10/​01, NJW 2002, 2180
  2. st. Rspr.; vgl. BGH, Beschluss vom 21.11.2013 – VII ZA 9/​13; Beschluss vom 27.09.2007 – IX ZA 20/​07
  3. vgl. BGH, Beschluss vom 21.11.2013 – VII ZA 9/​13 1; Beschluss vom 06.07.2006 – IX ZA 10/​06, Fam­RZ 2006, 1522, 1523 m.w.N.
  4. vgl. BGH, Beschluss vom 22.02.2007 – VII ZA 7/​06, Fam­RZ 2007, 809 Rn. 5 f.