PKH-Antrag und der Ent­wurf der Beru­fungs­be­grün­dung

Wenn eine mit­tel­lo­se Par­tei inner­halb der Rechts­mit­tel­frist ledig­lich einen voll­stän­di­gen Pro­zess­kos­ten­hil­fe­an­trag ein­reicht und die­sem einen nicht unter­zeich­ne­ten Ent­wurf des Rechts­mit­tels und der Rechts­mit­tel­be­grün­dung ihres Pro­zess­be­voll­mäch­tig­ten bei­fügt, ist ihre Mit­tel­lo­sig­keit kau­sal für die ver­säum­te Rechts­mit­tel- und Rechts­mit­tel­be­grün­dungs­frist gewor­den. Ihr kann nach Bewil­li­gung der begehr­ten Pro­zess­kos­ten­hil­fe und frist­ge­recht nach­ge­hol­ten Pro­zess­hand­lun­gen Wie­der­ein­set­zung in die ver­säum­ten Rechts­mit­tel­fris­ten bewil­ligt wer­den 1.

PKH-Antrag und der Ent­wurf der Beru­fungs­be­grün­dung

Wenn die Frist­ver­säu­mung auf einem wirt­schaft­li­chen Unver­mö­gen des Rechts­mit­tel­füh­rers beruht, kommt nach der Ent­schei­dung über die bean­trag­te Pro­zess­kos­ten­hil­fe eine Wie­der­ein­set­zung in den vori­gen Stand nur in Betracht, wenn die Mit­tel­lo­sig­keit für die Frist­ver­säu­mung kau­sal gewor­den ist 2.

Zwar hat der Bun­des­ge­richts­hof ent­schie­den, dass in Fäl­len, in denen ein Rechts­mit­tel bereits durch einen beim Rechts­mit­tel­ge­richt zuge­las­se­nen Rechts­an­walt ein­ge­legt, die frist­ge­recht ein­ge­reich­te und unter­schrie­be­ne Rechts­mit­tel­be­grün­dung zunächst aber nur als Ent­wurf bezeich­net wur­de, eine spä­te­re Frist­ver­säu­mung nicht auf der Mit­tel­lo­sig­keit beruht, weil der Pro­zess­be­voll­mäch­tig­te sei­ne Leis­tung dann schon in vol­lem Umfang erbracht hat 3. Ob dem zu fol­gen ist, kann hier dahin­ste­hen. Denn wenn der Antrag­stel­ler sein Rechts­mit­tel – wie hier – bewusst noch nicht ein­ge­legt, son­dern von der Bewil­li­gung der bean­trag­ten Pro­zess­kos­ten­hil­fe abhän­gig gemacht hat, ist die Mit­tel­lo­sig­keit schon für die Ver­säu­mung der Rechts­mit­tel­frist kau­sal gewor­den. Die Pro­zess­par­tei war dann auf Grund ihrer Mit­tel­lo­sig­keit bereits an der Ein­le­gung des Rechts­mit­tels gehin­dert. Wird die Pro­zess­kos­ten­hil­fe nicht bewil­ligt, kommt es erst gar nicht zum Beru­fungs­ver­fah­ren 4.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 28. Novem­ber 2012 – XII ZB 235/​09

  1. Abgren­zung zu BGH Beschluss vom 06.05.2008 – VI ZB 16/​07NJW 2008, 2855[]
  2. st. Rspr. vgl. etwa BGH, Beschluss vom 08.02.2012 XII ZB 462/​11, Fam­RZ 2012, 705 Rn. 9 mwN[]
  3. BGH Beschluss vom 06.05.2008 – VI ZB 16/​07, NJW 2008, 2855 Rn. 4 ff. mit kri­ti­schen Anm. Gross AnwBl 2008, 460; Zim­mer­mann Fam­RZ 2008, 1521; Schnei­der NJW 2008, 2856; Hen­jes FuR 2009, 559 und Deub­ner JuS 2008, 1076[]
  4. so auch Schnei­der NJW 2008, 2856 f.[]