PKH-Gewäh­rung in der Beru­fungs­in­stanz

Einem in der Vor­in­stanz anwalt­lich ver­tre­te­nem Rechts­mit­tel­geg­ner kann im All­ge­mei­nen Pro­zess­kos­ten­hil­fe (Ver­fah­rens­kos­ten­hil­fe) erst dann gewährt wer­den, wenn das Rechts­mit­tel begrün­det wor­den ist und die Vor­aus­set­zun­gen für eine Ver­wer­fung nicht vor­lie­gen.

PKH-Gewäh­rung in der Beru­fungs­in­stanz

Vor die­sem Zeit­punkt ist die begehr­te Ver­fah­rens­kos­ten­hil­fe zu ver­sa­gen, weil die beab­sich­tig­te Rechts­ver­tei­di­gung mut­wil­lig ist (§ 76 Abs. 1 FamFG i.V.m. § 114 Satz 1 ZPO).

Inso­weit kann die Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs zur Kos­ten­fest­set­zung nicht in glei­cher Wei­se auf die Bewil­li­gung von Pro­zess- bzw. Ver­fah­rens­kos­ten­hil­fe über­tra­gen wer­den 1.

Aus § 76 Abs. 1 FamFG i.V.m. § 119 Abs. 1 Satz 2 ZPO, wonach in einem höhe­ren Rechts­zug nicht zu prü­fen ist, ob die Rechts­ver­tei­di­gung hin­rei­chen­de Aus­sicht auf Erfolg bie­tet, oder mut­wil­lig erscheint, wenn der Geg­ner das Rechts­mit­tel ein­ge­legt hat, folgt nicht, dass Ver­fah­rens­kos­ten­hil­fe aus­nahms­los in jedem Fall zu bewil­li­gen ist. Denn die die­ser Bestim­mung inne­woh­nen­de Ver­mu­tungs­wir­kung, dass die Ver­tei­di­gung des Urteils der Vor­in­stanz hin­rei­chen­de Aus­sicht auf Erfolg hat und nicht mut­wil­lig ist, gilt nur für die Ver­tei­di­gung der ange­foch­te­nen Ent­schei­dung als sol­che. Sie besteht dem­ge­gen­über nicht dafür, dass die Hin­zu­zie­hung des Rechts­an­walts in jeder Lage des Rechts­mit­tel­ver­fah­rens nicht mut­wil­lig ist, und gebie­tet des­halb nicht, dem Rechts­mit­tel­be­klag­ten Ver­fah­rens­kos­ten­hil­fe bereits zu einem Zeit­punkt zu gewäh­ren, in der dies zur Wah­rung sei­ner Rech­te noch nicht not­wen­dig ist 2.

Der Bun­des­ge­richts­hof hält des­we­gen an der stän­di­gen Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs fest, wonach einem Rechts­mit­tel­geg­ner, jeden­falls dann, wenn er – wie hier – in der Vor­in­stanz anwalt­lich ver­tre­ten war, im All­ge­mei­nen Ver­fah­rens­kos­ten­hil­fe erst gewährt wer­den kann, wenn das Rechts­mit­tel begrün­det wor­den ist und die Vor­aus­set­zun­gen für eine Ver­wer­fung des Rechts­mit­tels nicht gege­ben sind 3.

Gemes­sen an die­sen Maß­stä­ben war in dem hier vom Bun­des­ge­richts­hof ent­schie­de­nen Ver­fah­ren die Rechts­ver­tei­di­gung der Antrag­stel­le­rin mut­wil­lig. Der Antrags­geg­ner hat­te inner­halb der ver­län­ger­ten Begrün­dungs­frist Ver­fah­rens­kos­ten­hil­fe bean­tragt und dar­um gebe­ten, über die­sen Antrag vor­ab zu ent­schei­den. Nach­dem der Bun­des­ge­richts­hof die vom Rechts­mit­tel­füh­rer begehr­te Ver­fah­rens­kos­ten­hil­fe ver­sagt hat­te, hat die­ser die Rechts­be­schwer­de zurück­ge­nom­men, ohne sie zuvor zu begrün­den.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 24. Okto­ber 2012 – XII ZB 460/​11

  1. vgl. schon BGH, Beschluss vom 17.12.2002 – X ZB 9/​02, Fam­RZ 2003, 522, 523[]
  2. vgl. BGH, Beschluss vom 30.06.2010 – XII ZB 80/​08, Fam­RZ 2010, 1423 Rn. 13 mwN[]
  3. vgl. BGH, Beschlüs­se vom 28.04.2010 XII ZB 180/​06, Fam­RZ 2010, 1147 Rn. 7 mwN und vom 07.02.2001 XII ZR 26/​99, NJW-RR 2001, 1009[]