Positive oder nega­ti­ve Feststellung?

Eine Feststellungsklage ist nach § 256 Abs. 1 ZPO zuläs­sig, um das Bestehen oder Nichtbestehen eines Rechtsverhältnisses fest­zu­stel­len. Ein Rechtsverhältnis ist die Beziehung einer Person zu einer ande­ren Person oder Sache, die ein sub­jek­ti­ves Recht ent­hält oder aus der ein sol­ches Recht ent­sprin­gen kann 1.

Positive oder nega­ti­ve Feststellung?

Nur das Rechtsverhältnis selbst kann Gegenstand der Feststellung sein, nicht Vorfragen oder ein­zel­ne Elemente 2, wohl aber ein­zel­ne Rechte, Pflichten oder Folgen eines Rechtsverhältnisses sowie Inhalt und Umfang einer Leistungspflicht 3.

Die von der Klägerin begehr­te Feststellung, dass in der Veinbarung kei­ne Anordnung nach § 2 Nr. 5 und/​oder Nr. 6 VOB/​B (2002) liegt, stellt ein nach § 256 Abs. 1 ZPO fest­stel­lungs­fä­hi­ges Rechtsverhältnis dar.

Der Feststellungsantrag der Klägerin inso­weit nicht auf die nega­ti­ve Feststellung gerich­tet, dass eine Anordnung im Sinne des § 2 Nr. 5 oder Nr. 6 VOB/​B (2002) nicht vor­liegt. Der Bundesgerichtshof kann den Feststellungsantrag als Prozesserklärung selb­stän­dig aus­le­gen 4. Mit der begehr­ten Feststellung geht es der Klägerin der Sache nach um die Klärung der Frage, ob die Stahlbauvereinbarung eine Anordnung ent­hält, die eine Abänderung des ursprüng­li­chen Vertragsinhalts hin­sicht­lich der von der Beklagten für die Leistungserbringung zu ver­wen­den­den Technologie bewirkt hat, die Grundlage von Ansprüchen der Beklagten nach § 2 Nr. 5 oder Nr. 6 VOB/​B (2002) sein kann. Die Frage, ob sich der von der Beklagten geschul­de­te Leistungsinhalt durch eine Anordnung der Klägerin gemäß § 1 Nr. 3 oder 4 VOB/​B (2002) geän­dert hat mit der Folge, dass der Beklagten Vergütungsansprüche nach § 2 Nr. 5 oder Nr. 6 VOB/​B (2002) zuste­hen, stellt ein fest­stel­lungs­fä­hi­ges Rechtsverhältnis im Sinne des § 256 Abs. 1 ZPO dar.

Bundesgerichtshof, Urteil vom 22. Januar 2015 – VII ZR 353/​12

  1. Zöller/​Greger, ZPO, 30. Aufl., § 256 Rn. 3
  2. BGH, Urteile vom 07.03.2013 – VII ZR 223/​11, BauR 2013, 987 Rn.16 = NZBau 2013, 300; vom 12.12 1994 – II ZR 269/​93, NJW 1995, 1097; vom 16.10.1985 – IVa ZR 49/​84, NJW-RR 1986, 104, 105; vom 03.05.1977 – VI ZR 36/​74, BGHZ 68, 331, 332
  3. BGH, Urteil vom 03.05.1983 – VI ZR 79/​80, NJW 1984, 1556; vgl. auch BGH, Urteil vom 18.10.2000 – XII ZR 179/​98, NJW 2001, 221, 222
  4. st. Rspr.; vgl. BGH, Urteil vom 04.12 2014 – VII ZR 4/​13 50; Beschluss vom 09.07.2014 – VII ZB 9/​13, NJW 2014, 2732 Rn. 11; Urteil vom 20.11.1997 – VII ZR 26/​97, BauR 1998, 368, 369