Post­aus­gangs­kon­trol­le in der Anwalts­kanz­lei

Nach stän­di­ger Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs müs­sen Pro­zess­be­voll­mäch­tig­te in ihrem Büro eine Aus­gangs­kon­trol­le schaf­fen, die zuver­läs­sig gewähr­leis­tet, dass die im Fris­ten­ka­len­der ver­merk­ten Fris­ten erst dann gestri­chen oder ander­weit als erle­digt gekenn­zeich­net wer­den, wenn die frist­wah­ren­de Maß­nah­me tat­säch­lich durch­ge­führt, der Schrift­satz also gefer­tigt und abge­sandt oder zumin­dest post­fer­tig gemacht, die wei­te­re Beför­de­rung der aus­ge­hen­den Post also orga­ni­sa­to­risch zuver­läs­sig vor­be­rei­tet wor­den und nöti­gen­falls vor­ab per Tele­fax über­mit­telt wor­den ist1.

Post­aus­gangs­kon­trol­le in der Anwalts­kanz­lei

Bei der Über­mitt­lung frist­wah­ren­der Schrift­sät­ze per Tele­fax kommt der Rechts­an­walt sei­ner Ver­pflich­tung zu einer wirk­sa­men Aus­gangs­kon­trol­le nur dann nach, wenn er sei­nem Per­so­nal die Wei­sung erteilt, sich einen Sen­de­be­richt aus­dru­cken zu las­sen, auf die­ser Grund­la­ge die Voll­stän­dig­keit der Über­mitt­lung zu prü­fen und die Not­frist erst nach Kon­trol­le des Sen­de­be­richts zu löschen.

Die­se Aus­gangs­kon­trol­le dient nicht nur dazu, Feh­ler bei der Über­mitt­lung aus­zu­schlie­ßen. Viel­mehr soll damit eben­so die Fest­stel­lung ermög­licht wer­den, ob der Schrift­satz über­haupt über­mit­telt wor­den ist2.

Zu einer wirk­sa­men Aus­gangs­kon­trol­le gehört wei­ter­hin eine Anord­nung des Pro­zess­be­voll­mäch­tig­ten, die sicher­stellt, dass die Erle­di­gung der frist­ge­bun­de­nen Sachen am Abend eines jeden Arbeits­tags anwei­sungs­ge­mäß anhand des Fris­ten­ka­len­ders über­prüft wird3.

Der für die Kon­trol­le zustän­di­ge Ange­stell­te ist dabei anzu­wei­sen, Fris­ten im Kalen­der grund­sätz­lich erst zu strei­chen oder als erle­digt zu kenn­zeich­nen, nach­dem er sich anhand der Akte ver­ge­wis­sert hat, dass zwei­fels­frei nicht mehr zu ver­an­las­sen ist4.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 27. Novem­ber 2014 – I ZB 37/​14

  1. BGH, Beschluss vom 17.01.2012 – VI ZB 11/​11, NJW-RR 2012, 427 Rn. 9; Beschluss vom 28.02.2013 – I ZB 75/​12, NJW-RR 2013, 1008 Rn. 6; Beschluss vom 29.10.2013 – X ZB 17/​12, GRUR 2014, 102 Rn. 11 Berg­bau­ma­schi­ne; Beschluss vom 16.12 2013 – II ZB 23/​12 9
  2. BGH, Beschluss vom 07.07.2010 XII ZB 59/​10, NJW-RR 2010, 1648 Rn. 12 und 14; BGH, NJW-RR 2013, 1008 Rn. 6; BGH, Beschluss vom 17.07.2013 XII ZB 115/​13, NJW-RR 2013, 1328 Rn. 6
  3. BGH, NJW-RR 2012, 427 Rn. 9; NJW-RR 2013, 1008 Rn. 6; BGH, Beschluss vom 16.12 2013 – II ZB 23/​12 9
  4. BGH, Beschluss vom 08.01.2013 – VI ZB 78/​11, NJW-RR 2013, 506 Rn. 10, mwN