Prä­k­lu­si­on in der Beru­fungs­in­stanz

Bleibt ein Angriffs­mit­tel einer Par­tei des­we­gen unbe­rück­sich­tigt, weil der Rich­ter es in offen­kun­dig feh­ler­haf­ter Anwen­dung einer Prä­k­lu­si­ons­vor­schrift wie des § 531 Abs. 2 ZPO zu Unrecht zurück­ge­wie­sen hat, so ist zugleich das recht­li­che Gehör, Art. 103 Abs. 1 GG, der Par­tei ver­letzt 1.

Prä­k­lu­si­on in der Beru­fungs­in­stanz

Nach der Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs liegt eine Nach­läs­sig­keit im Sin­ne von § 531 Abs. 2 Satz 1 Nr. 3 ZPO nur dann vor, wenn die Par­tei gegen ihre Pro­zess­för­de­rungs­pflicht ver­sto­ßen hat. Die Par­tei­en sind auf­grund die­ser Pflicht zu kon­zen­trier­ter Ver­fah­rens­füh­rung gehal­ten. Ins­be­son­de­re dür­fen sie Vor­brin­gen grund­sätz­lich nicht aus pro­zess­tak­ti­schen Erwä­gun­gen zurück­hal­ten 2.

Eine Ver­pflich­tung, tat­säch­li­che Umstän­de, die der Par­tei nicht bekannt sind, erst zu ermit­teln, ist dar­aus jedoch grund­sätz­lich nicht abzu­lei­ten 3; sie kann allen­falls durch beson­de­re Umstän­de begrün­det wer­den 4.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 30. Okto­ber 2013 – VII ZR 339/​12

  1. vgl. BGH, Beschluss vom 08.07.2013 – VII ZR 1/​12, m.w.N.[]
  2. vgl. BGH, Beschluss vom 10.06.2010 – Xa ZR 110/​09, NJW-RR 2011, 211 Rn. 28, m.w.N.[]
  3. vgl. BGH, Beschluss vom 10.06.2010 – Xa ZR 110/​09, aaO Rn. 28; fer­ner BGH, Beschluss vom 17.12.2009 – III ZR 61/​08, m.w.N.[]
  4. vgl. BGH, Beschluss vom 10.06.2010 – Xa ZR 110/​09, aaO, Rn. 28[]