Preis­an­pas­sung bei Gas-Son­der­kun­den

Bei der Belie­fe­rung von Son­der­kun­den besteht kein gesetz­li­ches Preis­än­de­rungs­recht eines Gas­ver­sor­gungs­un­ter­neh­mens. Mit die­ser Begrün­dung hat jetzt der Bun­des­ge­richts­hof zwei Urtei­le des Land­ge­richts Olden­burg auf­ge­ho­ben, mit denen die Kla­gen von Gas­kun­den gegen Gas­preis­er­hö­hun­gen abge­wie­sen wor­den waren.

Preis­an­pas­sung bei Gas-Son­der­kun­den

Die Klä­ger der bei­den Ver­fah­ren mit weit­ge­hend gleich gela­ger­tem Sach­ver­halt wur­den als End­ver­brau­cher von der Beklag­ten, einem nord­west­deut­schen Ener­gie­ver­sor­gungs­un­ter­neh­men, zum "Son­der­ta­rif S I" lei­tungs­ge­bun­den mit Erd­gas belie­fert. In die­sem Tarif erhöh­te das Ver­sor­gungs­un­ter­neh­men den Arbeits­preis zum 1. Sep­tem­ber 2004 von 3,00 Cent/​kWh auf 3,40 Cent/​kWh, zum 1. August 2005 auf 3,88 Cent/​kWh und zum 1. Febru­ar 2006 auf 4,26 Cent/​kWh (jeweils zuzüg­lich Mehr­wert­steu­er). Die Kun­den haben bean­tragt fest­zu­stel­len, dass die genann­ten Tarif­er­hö­hun­gen ihnen gegen­über unwirk­sam sind. Das erst­in­stanz­lich mit bei­den Fäl­len befass­te Amts­ge­richt Olden­burg hat bei­de Kla­gen abge­wie­sen 1. Das Land­ge­richt Olden­burg hat die hier­ge­gen ein­ge­leg­ten Beru­fun­gen der Kun­den zurück­ge­wie­sen 2.

Die dage­gen gerich­te­ten Revi­sio­nen der Kun­den hat­ten nun vor dem Bun­des­ge­richts­hof Erfolg. Der Bun­des­ge­richts­hof ent­schied, dass das Ver­sor­gungs­un­ter­neh­men – ent­ge­gen der vom Land­ge­richt Olden­burg ver­tre­te­nen Auf­fas­sung – nicht unmit­tel­bar auf­grund des gesetz­li­chen Preis­än­de­rungs­rechts gemäß § 4 Abs. 1 und 2 AVB­GasV zur Preis­än­de­rung befugt war, weil es sich bei den Kun­den nicht um Tarif­kun­den (§ 1 Abs. 2 AVB­GasV), son­dern um Son­der­kun­den han­delt. Dies hat auch das Ver­sor­gungs­un­ter­neh­men inzwi­schen klar gestellt, nach­dem es zunächst ange­nom­men hat­te, es han­de­le sich um Tarif­kun­den. Für die Wirk­sam­keit der Preis­er­hö­hun­gen kommt es des­halb dar­auf an, ob das Unter­neh­men sich wirk­sam ver­trag­lich ein Preis­än­de­rungs­recht vor­be­hal­ten hat. Dazu hat das Land­ge­richt Olden­burg kei­ne rechts­feh­ler­frei­en Fest­stel­lun­gen getrof­fen.

Die Ver­fah­ren sind daher an das Land­ge­richt Olden­burg zurück­ver­wie­sen wor­den, damit die erfor­der­li­chen Fest­stel­lun­gen zum wirk­sa­men Vor­be­halt eines ver­trag­li­chen Preis­än­de­rungs­rechts nach­ge­holt wer­den kön­nen. Soll­te ein ver­trag­lich vor­be­hal­te­nes ein­sei­ti­ges Preis­be­stim­mungs­recht des Ver­sor­gungs­un­ter­neh­mens bestehen, muss eine Bil­lig­keits­kon­trol­le (§ 315 Abs. 3 BGB) der bean­stan­de­ten Preis­er­hö­hun­gen erfol­gen.

Bun­des­ge­richts­hof, Urtei­le vom 14. Juli 2010 – VIII ZR 327/​07 und VIII ZR 6/​08

  1. AG Olden­burg, Urtei­le vom 16.11.2006 – E1 C 1078/​06; und vom 19.12.2005 – E7 C 7289/​05[]
  2. LG Olden­burg, Urtei­le vom 29.11.2007 – 9 S 770/​06 und 9 S 59/​06, RdE 2008, 63[]