Preis­er­hö­hungs­klau­seln in der Gas­ver­sor­gung

Nach­dem bereits der Bun­des­ge­richts­hof bestimm­te Preis­an­pas­sungs­klau­seln in den von einem Ver­sor­gungs­un­ter­neh­men in einem Gas­ver­sor­gungs-Son­der­ver­trä­gen in einem Urteil vom 15. Juli 2009 1 und einer wei­te­ren Ent­schei­dung vom 26. Janu­ar 2010 2 für unwirk­sam erklärt hat­te, blieb das betrof­fe­ne Ber­li­ner Gas­ver­sor­gungs­un­ter­neh­mung GASAG nun auch vor dem Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt erfolg­los, das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt nahm die gegen die Ent­schei­dun­gen des Bun­des­ge­richts­hofs ein­ge­leg­ten Ver­fas­sungs­be­schwer­den nicht zur Ent­schei­dung an.

Preis­er­hö­hungs­klau­seln in der Gas­ver­sor­gung

Die Beschwer­de­füh­re­rin ist ein Gas­ver­sor­gungs­un­ter­neh­men, das in Ber­lin rund 650.000 Haus­hal­te und Klein­ge­wer­be­kun­den mit Gas belie­fert. Ihr Preis­sys­tem sah sowohl varia­ble Tari­fe mit einer Preis­an­pas­sungs­klau­sel als auch fixe Tari­fe mit einem Fest­preis vor. In den All­ge­mei­nen Geschäfts­be­din­gun­gen der Beschwer­de­füh­re­rin für ver­schie­de­ne varia­ble Tari­fe war eine Klau­sel ent­hal­ten, wonach der Gas­preis den an den inter­na­tio­na­len Märk­ten notier­ten Ölprei­sen fol­gen soll­te. Inso­fern soll­te die Beschwer­de­füh­re­rin berech­tigt sein, die Gas­prei­se auch wäh­rend der lau­fen­den Ver­trags­be­zie­hun­gen an ihre geän­der­ten Gas­be­zugs­kos­ten anzu­pas­sen, wobei die Preis­än­de­run­gen sowohl Erhö­hung als auch Absen­kung ein­schlie­ßen soll­ten.

Zum 1. Okto­ber 2005 und zum 1. Janu­ar 2006 erhöh­te die Beschwer­de­füh­re­rin den Gas­preis in ihren varia­blen Tari­fen jeweils um 0,5 Cent/​kWh. Dar­auf­hin klag­ten meh­re­re Kun­den auf Fest­stel­lung der Unwirk­sam­keit die­ser Erhö­hun­gen.

In den Aus­gangs­ver­fah­ren, die den bei­den Ver­fas­sungs­be­schwer­den zugrun­de lagen, war der Bun­des­ge­richts­hof davon aus­ge­gan­gen, dass die Beschwer­de­füh­re­rin zu den Preis­er­hö­hun­gen nicht befugt gewe­sen sei, weil sie sich die Preis­än­de­run­gen in ihren all­ge­mei­nen Geschäfts­be­din­gun­gen nicht wirk­sam vor­be­hal­ten habe. Da die Klä­ger nicht Tarif­kun­den im Sin­ne der zur Zeit der Preis­er­hö­hun­gen noch gel­ten­den All­ge­mei­nen Bedin­gun­gen für die Gas­ver­sor­gung von Tarif­kun­den (AVB­GasV), son­dern Norm­son­der­kun­den sei­en, kön­ne sich die Beschwer­de­füh­re­rin nicht unmit­tel­bar auf die Mög­lich­keit zur Preis­än­de­rung nach § 4 Abs. 1 und 2 AVB­GasV beru­fen. In ihren All­ge­mei­nen Geschäfts­be­din­gun­gen habe sich die Beschwer­de­füh­re­rin ein Preis­än­de­rungs­recht nicht wirk­sam vor­be­hal­ten, weil die bean­stan­de­te Klau­sel die Kun­den unan­ge­mes­sen benach­tei­li­ge und daher der Inhalts­kon­trol­le nach § 307 Abs. 1 und 2 BGB nicht stand­hal­te. Die Preis­an­pas­sungs­klau­sel in den All­ge­mei­nen Geschäfts­be­din­gun­gen der Beschwer­de­füh­re­rin habe nicht ledig­lich das Preis­än­de­rungs­recht nach § 4 AVB­GasV über­nom­men, son­dern wei­che – jeden­falls bei der gebo­te­nen kun­den­feind­lichs­ten Aus­le­gung – zum Nach­teil der Kun­den davon ab und sei des­halb unwirk­sam. § 4 AVB­GasV ermög­li­che näm­lich die Wei­ter­ga­be von gestie­ge­nen Bezugs­prei­sen an Tarif­kun­den nur inso­weit, als die Kos­ten­stei­ge­rung nicht durch rück­läu­fi­ge Kos­ten in ande­ren Berei­chen aus­ge­gli­chen wer­de. Die von der Beschwer­de­füh­re­rin ver­wen­de­te Preis­an­pas­sungs­klau­sel sehe aber die unein­ge­schränk­te Wei­ter­ga­be von Bezugs­kos­ten­stei­ge­run­gen vor und ermög­li­che damit eine Preis­er­hö­hung wegen gestie­ge­ner Gas­be­zugs­kos­ten auch dann, wenn sich ihre Kos­ten ins­ge­samt nicht erhöht hät­ten. Außer­dem ent­hal­te die Klau­sel auch kei­ne Pflicht der Beschwer­de­füh­re­rin zur Preis­an­pas­sung, wenn dies für den Kun­den güns­tig sei.

Das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt hat die gegen bei­de Ent­schei­dun­gen des Bun­des­ge­richts­hofs gerich­te­ten Ver­fas­sungs­be­schwer­den nicht zur Ent­schei­dung ange­nom­men. Zwar gehört zur Garan­tie der frei­en Berufs­aus­übung (Art. 12 Abs. 1 GG) auch die Frei­heit, das Ent­gelt für beruf­li­che Leis­tun­gen frei mit den Inter­es­sen­ten aus­zu­han­deln, die­ses Grund­recht wur­de aber durch die ange­grif­fe­nen Ent­schei­dun­gen nicht ver­letzt. Ange­sichts die­ses spe­zi­el­le­ren Grund­rechts schei­det eine Miss­ach­tung der durch Art. 2 Abs. 1 GG geschütz­ten Pri­vat­au­to­no­mie aus.

Soweit die Beschwer­de­füh­re­rin in einem der bei­den Ver­fah­ren gerügt hat, der Bun­des­ge­richts­hof habe ihr Grund­recht aus Art. 12 Abs. 1 GG dadurch ver­letzt, dass er die – wegen dro­hen­der Rück­for­de­run­gen durch eine Viel­zahl von Kun­den – exis­tenz­be­dro­hen­den wirt­schaft­li­chen Aus­wir­kun­gen sei­ner Ent­schei­dung miss­ach­tet habe, ist die Ver­fas­sungs­be­schwer­de unzu­läs­sig, so das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt, weil sie dem Grund­satz der Sub­si­dia­ri­tät der Ver­fas­sungs­be­schwer­de nicht gerecht wird. Das Kam­mer­ge­richt und der Bun­des­ge­richts­hof haben in ver­fas­sungs­recht­lich nicht zu bean­stan­den­der Wei­se ange­nom­men, dass es hier­zu an einem hin­rei­chend kon­kre­ten Tat­sa­chen­vor­trag der Beschwer­de­füh­re­rin im fach­ge­richt­li­chen Ver­fah­ren gefehlt habe.

Im Übri­gen hat das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt Beden­ken gegen die Grund­rechts­fä­hig­keit der Beschwer­de­füh­re­rin, an der aus­län­di­sche Staa­ten mit­tel­bar betei­ligt sind, dahin­ste­hen las­sen und eine Ver­let­zung der gel­tend gemach­ten Grund­rech­te nicht fest­stel­len kön­nen.

Nach den Grund­sät­zen der beschränk­ten ver­fas­sungs­ge­richt­li­chen Über­prüf­bar­keit fach­ge­richt­li­cher Ent­schei­dun­gen sind die Aus­le­gung und Anwen­dung des ein­fa­chen Geset­zes­rechts Auf­ga­be der Fach­ge­rich­te und der Nach­prü­fung durch das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt weit­ge­hend ent­zo­gen. Das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt über­prüft – abge­se­hen von Ver­stö­ßen gegen das Will­kür­ver­bot – nur, ob die fach­ge­richt­li­chen Ent­schei­dun­gen Aus­le­gungs­feh­ler ent­hal­ten, die auf einer grund­sätz­lich unrich­ti­gen Anschau­ung von der Bedeu­tung des betrof­fe­nen Grund­rechts, ins­be­son­de­re vom Umfang sei­nes Schutz­be­reichs, beru­hen. Ent­ge­gen der Ansicht der Beschwer­de­füh­re­rin hat der Bun­des­ge­richts­hof mit den ange­grif­fe­nen Ent­schei­dun­gen Bedeu­tung und Trag­wei­te der Berufs­frei­heit nicht ver­kannt.

Die Garan­tie der frei­en Berufs­aus­übung schließt die Frei­heit ein, das Ent­gelt für beruf­li­che Leis­tun­gen frei mit den Inter­es­sen­ten aus­zu­han­deln 3. Zwar wird die Ver­trags­frei­heit auch durch das Grund­recht der all­ge­mei­nen Hand­lungs­frei­heit gemäß Art. 2 Abs. 1 GG gewähr­leis­tet 4. Betrifft eine gesetz­li­che Rege­lung jedoch die Ver­trags­frei­heit gera­de im Bereich der beruf­li­chen Betä­ti­gung, die ihre spe­zi­el­le Gewähr­leis­tung in Art. 12 Abs. 1 GG gefun­den hat, so schei­det die gegen­über ande­ren Frei­heits­rech­ten sub­si­diä­re all­ge­mei­ne Hand­lungs­frei­heit als Prü­fungs­maß­stab aus 5. So liegt es hier. Ver­gü­tungs­re­ge­lun­gen und hier­auf grün­den­de Ent­schei­dun­gen, die auf die Ein­nah­men, wel­che durch die beruf­li­che Tätig­keit erzielt wer­den kön­nen, und damit auch auf die Exis­tenz­er­hal­tung von nicht uner­heb­li­chem Ein­fluss sind, grei­fen in die Frei­heit der Berufs­aus­übung ein 6. Die unmit­tel­bar streit­ent­schei­den­den Nor­men (§ 306 Abs. 2, § 307 Abs. 1 BGB) stel­len zwar für sich genom­men kei­ne Ver­gü­tungs­re­ge­lun­gen dar. Indem der Bun­des­ge­richts­hof die Inhalts­kon­trol­le nach § 307 Abs. 1 BGB aber – gestützt auf § 310 Abs. 2 Satz 1 BGB – am „Maß­stab“ des § 4 Abs. 1 und 2 AVB­GasV aus­rich­tet und die­ser Ver­ord­nungs­re­ge­lung „Leit­bild­funk­ti­on“ bei­misst, wen­det er Vor­schrif­ten an, die gera­de auf die Bestim­mung des der Beschwer­de­füh­re­rin zuste­hen­den Leis­tungs­ent­gelts abzie­len und schränkt damit deren Berufs­frei­heit ein.

Hier­bei sind jedoch Bedeu­tung und Trag­wei­te der Berufs­frei­heit nicht ver­kannt wor­den. Die Pri­vat­au­to­no­mie setzt auch als Grund­la­ge für das freie Aus­han­deln einer Ver­gü­tung zwi­schen den Ver­trags­par­tei­en vor­aus, dass die Bedin­gun­gen der Selbst­be­stim­mung des Ein­zel­nen tat­säch­lich gege­ben sind 7. Maß­geb­li­ches recht­li­ches Instru­ment zur Ver­wirk­li­chung frei­en und eigen­ver­ant­wort­li­chen Han­delns in Bezie­hung zu ande­ren ist der Ver­trag, mit dem die Ver­trags­part­ner selbst bestim­men, wie ihre indi­vi­du­el­len Inter­es­sen zuein­an­der in einen ange­mes­se­nen Aus­gleich gebracht wer­den. Frei­heits­aus­übung und wech­sel­sei­ti­ge Bin­dung fin­den so ihre Kon­kre­ti­sie­rung. Der zum Aus­druck gebrach­te über­ein­stim­men­de Wil­le der Ver­trags­par­tei­en lässt des­halb in der Regel auf einen durch den Ver­trag her­ge­stell­ten sach­ge­rech­ten Inter­es­sen­aus­gleich schlie­ßen, den der Staat grund­sätz­lich zu respek­tie­ren hat (vgl. BVerfGE 103, 89 <100>). Aus­nah­men hat das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt aner­kannt, wenn auf­grund erheb­lich unglei­cher Ver­hand­lungs­po­si­tio­nen einer der Ver­trags­part­ner ein sol­ches Gewicht hat, dass er den Ver­trags­in­halt fak­tisch ein­sei­tig bestim­men kann. Dann ist es Auf­ga­be des Rechts, auf die Wah­rung der Grund­rechts­po­si­tio­nen der betei­lig­ten Par­tei­en hin­zu­wir­ken, um zu ver­hin­dern, dass sich für einen Ver­trags­teil die Selbst­be­stim­mung in eine Fremd­be­stim­mung ver­kehrt 8.

Vor die­sem Hin­ter­grund ist die Inhalts­kon­trol­le von For­mu­lar­ver­trä­gen zu sehen. Sie ist nötig, weil es All­ge­mei­ne Geschäfts­be­din­gun­gen der ande­ren Par­tei regel­mä­ßig ver­weh­ren, eine abwei­chen­de Indi­vi­du­al­ver­ein­ba­rung zu tref­fen. Die gericht­li­che Kon­trol­le der All­ge­mei­nen Geschäfts­be­din­gun­gen kom­pen­siert die man­geln­de Ver­hand­lungs­macht des Ver­trags­part­ners des Ver­wen­ders 9. Des­halb ist sie als sol­che auch dann ver­fas­sungs­recht­lich nicht zu bean­stan­den, wenn der Ver­wen­der sich auf die durch Art. 12 Abs. 1 GG geschütz­te Berufs­frei­heit beru­fen kann 10. Die Inhalts­kon­trol­le All­ge­mei­ner Geschäfts­be­din­gun­gen zeich­net sich gera­de dadurch aus, dass sie der Her­stel­lung prak­ti­scher Kon­kor­danz zwi­schen der jeweils grund­recht­lich geschütz­ten Pri­vat­au­to­no­mie des Ver­wen­ders wie der ande­ren Ver­trags­par­tei dient.

Ange­sichts die­ser Aus­gangs­la­ge haben die Fach­ge­rich­te bei den ange­grif­fe­nen Ent­schei­dun­gen Bedeu­tung und Trag­wei­te der Berufs­frei­heit der Beschwer­de­füh­re­rin nicht ver­kannt.

Die Fest­stel­lung, dass die umstrit­te­ne Preis­an­pas­sungs­klau­sel die Kun­den der Beschwer­de­füh­re­rin ent­ge­gen dem Gebot von Treu und Glau­ben unan­ge­mes­sen benach­tei­li­ge (§ 307 Abs. 1 BGB), ist ver­fas­sungs­recht­lich nicht zu bean­stan­den.

Der Bun­des­ge­richts­hof hat in sei­nem Urteil vom 15. Juli 2009 die grund­recht­lich geschütz­te Ver­trags­frei­heit der Beschwer­de­füh­re­rin nicht etwa über­se­hen, son­dern sie – wie auch die Ver­trags­frei­heit der Gas­kun­den – zum Aus­gangs­punkt sei­ner Prü­fung gemacht. Die gesam­te Inhalts­prü­fung der Preis­an­pas­sungs­klau­sel beruht auf der aus­drück­lich for­mu­lier­ten Prä­mis­se, dass Gegen­stand ein Son­der­kun­den­ver­trag sei und für die inhalt­li­che Aus­ge­stal­tung sol­cher Ver­trä­ge der Grund­satz der Ver­trags­frei­heit gel­te. Im Übri­gen zeich­net sich die Inhalts­kon­trol­le All­ge­mei­ner Geschäfts­be­din­gun­gen gera­de wesens­mä­ßig dadurch aus, dass sie der Pri­vat­au­to­no­mie bei­der Ver­trags­par­tei­en zur Wirk­sam­keit ver­hilft 11. Des­halb lie­ße sich auch – anders, als die Beschwer­de­füh­re­rin nahe­legt – allein aus dem Umstand, dass ein Fach­ge­richt bei der Über­prü­fung von All­ge­mei­nen Geschäfts­be­din­gun­gen die Pri­vat­au­to­no­mie und die sie gewähr­leis­ten­den Grund­rech­te nicht aus­drück­lich erwähnt, nicht dar­auf schlie­ßen, dass es die Bedeu­tung von Art. 2 Abs. 1 oder Art. 12 Abs. 1 GG über­se­hen hät­te.

Bei der gebo­te­nen Abwä­gung der wider­strei­ten­den grund­recht­li­chen Schutz­gü­ter hat der Bun­des­ge­richts­hof die Ver­trags­frei­heit der Beschwer­de­füh­re­rin hin­rei­chend berück­sich­tigt. Sowohl bei der Her­lei­tung sei­nes Prü­fungs­maß­stabs als auch bei der Wür­di­gung der kon­kre­ten Klau­sel hat er die Inter­es­sen der Beschwer­de­füh­re­rin in nicht zu bean­stan­den­der Wei­se ein­be­zo­gen. Bei der Wür­di­gung der umstrit­te­nen Preis­an­pas­sungs­klau­sel macht er gera­de das ver­trag­lich ver­ein­bar­te Äqui­va­lenz­ver­hält­nis zwi­schen Leis­tung und Gegen­leis­tung zum Aus­gangs­punkt sei­ner Prü­fung. Die Bean­stan­dung der Klau­sel beruht dar­auf, dass sie nach Auf­fas­sung des Bun­des­ge­richts­hofs eine ein­sei­ti­ge Ver­schie­bung die­ses durch die ver­trag­li­che Ver­ein­ba­rung gefun­de­nen Äqui­va­lenz­ver­hält­nis­ses ermög­licht. Die­se fach­ge­richt­li­che Wür­di­gung des zugrun­de lie­gen­den Lebens­sach­ver­halts, ins­be­son­de­re die vom Bun­des­ge­richts­hof ange­nom­me­ne Abwei­chung der Klau­sel vom Leit­bild des § 4 AVB­GasV zum Nach­teil der Gas­kun­den, lässt eine Ver­let­zung von spe­zi­fi­schem Ver­fas­sungs­recht nicht erken­nen.

Auch die Ver­sa­gung eines Preis­an­pas­sungs­rechts ent­spre­chend § 4 Abs. 1 und 2 AVB­GasV im Wege ergän­zen­der Ver­trags­aus­le­gung begeg­net kei­nen ver­fas­sungs­recht­li­chen Beden­ken.

Der Bun­des­ge­richts­hof geht in stän­di­ger Recht­spre­chung davon aus, dass die Lücke in einem Ver­trag, die durch die Unwirk­sam­keit einer Klau­sel in All­ge­mei­nen Geschäfts­be­din­gun­gen ent­steht, nur dann im Wege der ergän­zen­den Ver­trags­aus­le­gung geschlos­sen wer­den kann, wenn kon­kre­te gesetz­li­che Rege­lun­gen zur Aus­fül­lung der Lücke nicht zur Ver­fü­gung ste­hen und die ersatz­lo­se Strei­chung der unwirk­sa­men Klau­sel nicht zu einer ange­mes­se­nen, den typi­schen Inter­es­sen des Klau­sel­ver­wen­ders Rech­nung tra­gen­den Lösung führt 12 oder es ande­ren­falls zu einem Ergeb­nis käme, das den bei­der­sei­ti­gen Inter­es­sen nicht mehr in ver­tret­ba­rer Wei­se Rech­nung trägt, son­dern das Ver­trags­ge­fü­ge völ­lig ein­sei­tig zuguns­ten des Kun­den ver­schiebt 13. Die­se von der Beschwer­de­füh­re­rin nicht in Zwei­fel gezo­ge­nen und ver­fas­sungs­recht­lich nicht zu bean­stan­den­den Grund­sät­ze hat der Bun­des­ge­richts­hof auch in den ange­grif­fe­nen Ent­schei­dun­gen ange­wen­det. Sei­ne Fest­stel­lung, dass die genann­ten Vor­aus­set­zun­gen nicht vor­lä­gen, las­sen kei­ne Ver­let­zung spe­zi­fi­schen Ver­fas­sungs­rechts erken­nen.

Ins­be­son­de­re kann die Beschwer­de­füh­re­rin nicht mit Erfolg ein­wen­den, dass die ange­grif­fe­nen Ent­schei­dun­gen das ver­trag­lich ver­ein­bar­te Gleich­ge­wicht von Leis­tung und Gegen­leis­tung besei­tig­ten. Zwar füh­ren die Ent­schei­dun­gen dazu, dass aus – von bei­den Ver­trags­par­tei­en als sol­che ver­ein­bar­ten – varia­blen Tari­fen fak­tisch Fix­ta­ri­fe wer­den. Damit ent­fällt für die Beschwer­de­füh­re­rin die von bei­den Par­tei­en bei Ver­trags­schluss vor­ge­se­he­ne Mög­lich­keit, bei einer Ver­än­de­rung der Bezugs­kos­ten den Gas­preis anzu­pas­sen, so dass sich das Ver­hält­nis der wirt­schaft­li­chen Wer­te von Leis­tung und Gegen­leis­tung ver­schie­ben kann. Inso­weit ist aller­dings schon frag­lich, ob sich die Kun­den in den hier zugrun­de lie­gen­den Fäl­len tat­säch­lich, wie von der Beschwer­de­füh­re­rin vor­ge­tra­gen, bewusst gegen einen Fest­preis­ta­rif ent­schie­den haben; die von der Beschwer­de­füh­re­rin vor­ge­leg­ten Tarif­un­ter­la­gen spre­chen davon, dass das Ange­bot des Tarifs „G…-F…“ ledig­lich „men­gen­mä­ßig und zeit­lich begrenzt und nur inner­halb von bestimm­ten Akti­ons­zei­ten nutz­bar“ gewe­sen sei. Jeden­falls ist der Ein­griff in das ver­trag­li­che Äqui­va­lenz­ver­hält­nis, der sich fak­tisch zuguns­ten der Kun­den aus­wirkt, nur die Reak­ti­on auf die ver­fas­sungs­recht­lich nicht zu bean­stan­den­de Fest­stel­lung, dass die umstrit­te­ne Preis­an­pas­sungs­klau­sel ihrer­seits eine unzu­läs­si­ge Ver­schie­bung des ver­ein­bar­ten Äqui­va­lenz­ver­hält­nis­ses in die umge­kehr­te Rich­tung, näm­lich zuguns­ten der Beschwer­de­füh­re­rin bewirkt hät­te. Inso­weit ist es von Ver­fas­sungs wegen nicht zu bean­stan­den, dass der Bun­des­ge­richts­hof sich nicht ver­an­lasst gese­hen hat, im Wege ergän­zen­der Ver­trags­aus­le­gung eine Fas­sung für die umstrit­te­nen All­ge­mei­nen Geschäfts­be­din­gun­gen zu fin­den, die einer­seits dem Ver­wen­der mög­lichst güns­tig, ande­rer­seits gera­de noch recht­lich zuläs­sig ist, zumal ein sol­ches Vor­ge­hen im Ein­zel­fall einer vom Bun­des­ge­richts­hof für unzu­läs­sig gehal­te­nen gel­tungs­er­hal­ten­den Reduk­ti­on nahe kom­men kann 14.

Soweit der Bun­des­ge­richts­hof die Zumut­bar­keit des Ergeb­nis­ses mit dem Kün­di­gungs­recht der Beschwer­de­füh­re­rin begrün­det, lässt dies eben­falls kei­ne Ver­let­zung spe­zi­fi­schen Ver­fas­sungs­rechts erken­nen. Die zugrun­de lie­gen­den ein­fach­recht­li­chen Annah­men sind jeden­falls nicht offen­sicht­lich fehl­sam. Zudem führt der Bun­des­ge­richts­hof aus, dass eine Preis­bin­dung der Beschwer­de­füh­re­rin ange­sichts ihres Kün­di­gungs­rechts „nicht ohne wei­te­res“ zu einem unzu­mut­ba­ren Ergeb­nis füh­re; das lässt erken­nen, dass das Gericht sich der Berück­sich­ti­gung wei­te­rer Umstän­de des Ein­zel­falls nicht von vorn­her­ein ver­schlos­sen hat 15.

Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt, Beschluss vom 7. Sep­tem­ber 2010 – 1 BvR 2160/​09, 1 BvR 851/​10

  1. BGH, Urteil vom 15.07.2009 – VIII ZR 225/​07[]
  2. BGH, Beschluss vom 26.01.2010 – VIII ZR 312/​08[]
  3. vgl. BVerfGE 106, 275, 298; 114, 196, 244; 117, 163, 181; stRspr[]
  4. vgl. BVerfGE 65, 196, 210; 74, 129, 151 f.[]
  5. vgl. BVerfGE 117, 163, 181[]
  6. vgl. BVerfGE 101, 331, 347[]
  7. vgl. BVerfGE 81, 242, 254 f.[]
  8. vgl. BVerfGE 89, 214, 232; 103, 89, 100 f.; 114, 1, 34; 73, 90; BVerfGK 8, 126, 131[]
  9. vgl. BVerfG, Beschluss vom 25.10.2004 – 1 BvR 1437/​02, NJW 2005, 1036, 1037[]
  10. vgl. BVerfG, Beschluss vom 25.10.2004, a.a.O.; Beschluss vom 23.11.2006 – 1 BvR 1909/​06, NJW 2007, 286[]
  11. vgl. auch Pfeif­fer, in: Wolf/​Lindacher/​Pfeiffer, AGB-Recht, 5. Aufl. 2009, Einl. Rn. 14 ff.[]
  12. vgl. BGHZ 90, 69, 73 ff.[]
  13. vgl. BGHZ 137, 153, 157; BGH, Urteil vom 21.10.2009 – VIII ZR 286/​07, NJW 2010, 298, 302; Urteil vom 16.04.2010 – V ZR 175/​09[]
  14. vgl. dazu BGHZ 84, 109, 117; 96, 18, 25 f.; 143, 103, 120 f.[]
  15. vgl. auch BGH, Urteil vom 14.07.2010 – VIII ZR 246/​08[]