Pre­paid-Han­dys

Gut­ha­ben auf Pre­paid-Han­dy­kar­ten dür­fen nicht ver­fal­len. Nach einem ent­spre­chen­den Ver­fah­ren gegen 02 vor dem Land­ge­richt Mün­chen hat jetzt auch das Land­ge­richt Düs­sel­dorf gegen die Han­dy-Netz­be­trei­ber (im vor­lie­gen­den Ver­fah­ren Voda­fone) ent­schie­den und auf die Kla­ge des Bun­des­ver­ban­des der Ver­brau­cher­zen­tra­len aus Ber­lin zwei vom Mobil­funk­an­bie­ter Voda­fone in sei­nen All­ge­mei­nen Geschäfts­be­din­gun­gen für Pre­paid-Han­dy­ver­trä­ge benutz­te Klau­seln für ungül­tig erklärt.

Pre­paid-Han­dys

Gegen­stand des Rechts­strei­tes war im Wesent­li­chen die Fra­ge, ob der beklag­te Mobil­funk­an­bie­ter durch All­ge­mei­ne Geschäfts­be­din­gun­gen bestim­men darf, dass nach Ablauf einer befris­te­ten Gül­tig­keit die vom Kun­den geleis­te­te Vor­aus­zah­lung zum einen ersatz­los ver­fällt und zum ande­ren die Pre­paid-Kar­te voll­stän­dig und end­gül­tig deak­ti­vert wird.
Das LG Düs­sel­dorf hat zur Begrün­dung ihrer Ent­schei­dung u.a. aus­ge­führt, dass die Klau­sel, die den Ver­fall des Gut­ha­bens vor­sieht, gegen wesent­li­che Grund­ge­dan­ken der Rege­lun­gen des Bür­ger­li­chen Gesetz­bu­ches ver­sto­ße und daher unwirk­sam sei. Das ver­trag­li­che Äqui­va­lenz­ver­hält­nis von Leis­tung und Gegen­leis­tung wer­de ent­ge­gen der gesetz­ge­be­ri­schen Kon­zep­ti­on in unzu­läs­si­ger Wei­se weit­ge­hend ein­ge­schränkt, wenn neben dem Ver­fall des Gut­ha­bens an sich zudem noch die Dau­er der Ver­falls­fris­ten von maxi­mal 15 Mona­ten und die unbe­grenz­te Höhe des ver­fall­ba­ren Gut­ha­bens betrach­tet wer­de. Im Übri­gen füh­re der mög­li­che Ver­fall des Gut­ha­bens indi­rekt auch zu einer Min­dest­um­satz­ver­pflich­tung, die der Ver­brau­cher ange­sichts der Wer­bung mit den Schlag­wor­ten „ohne Ver­trags­bin­dung“, „kein monat­li­cher Basis­preis“, „kei­ne Min­dest­lauf­zeit“; „ein­fach auf­la­den und abte­le­fo­nie­ren bei vol­ler Kos­ten­kon­trol­le“ gera­de meint umge­hen zu kön­nen. Zudem sei der ver­fal­len­de Betrag
nicht der Höhe nach begrenzt und kön­ne durch­aus eine Höhe von deut­lich über 100,00 ? errei­chen, was kein zu ver­nach­läs­si­gen­der Umstand sei.

Die Klau­sel in den All­ge­mei­nen Geschäfts­be­din­gun­gen, die nach Ablauf bestimm­ter Fris­ten eine end­gül­ti­ge Sper­rung der Pre­paid-Kar­te vor­sieht, sei wegen Ver­sto­ßes gegen das Trans­pa­renz­ge­bot unwirk­sam. Ange­sichts der Wer­bung mit den oben genann­ten Schlag­wor­ten müs­se dem Ver­brau­cher die Begren­zung der Lauf­zeit vor Ver­trags­schluss ver­deut­licht wer­den. Weil die­se Mög­lich­keit von der Beklag­ten aber erst im Rah­men All­ge­mei­ner Geschäfts­be­din­gun­gen, die bei einer Inter­net­nut­zung erst im Zuge des Bestell­vor­gan­ges abruf­bar sei­en, ange­spro­chen wer­de und sich die genaue Lauf­zeit nur anhand von Anga­ben errech­nen las­se, die in einer Preis­lis­te nie­der­ge­legt sei­en, die ihrer­seits nicht Bestand­teil der All­ge­mei­nen Geschäfts­be­din­gun­gen ist, sei die ver­trag­li­che Kon­zep­ti­on inso­weit für den Ver­brau­cher unklar bzw. undurch­schau­bar.

Land­ge­richt Düs­sel­dorf, Urteil vom 23. August 2006 – 12 O 458/​05 (nicht rechts­kräf­tig)